Standort-Aus für Vaillant: Betriebsrat kritisiert "unwürdiges Verhalten"

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Robert Sadowski (v.l.) von der IG Metall Gelsenkirchen, Yasemin Rosenau, Betriebsratsvorsitzende des Vaillant-Werks Gelsenkirchen sowie Josef Hülsdünker, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Emscher-Lippe, sind enttäuscht von den bisherigen Verhandlungen mit dem Unternehmen.
Gelsenkirchen: IG Metall Haus |

"Wir haben nichts unversucht gelassen, das Unternehmen zu überzeugen, in Gelsenkirchen weiterzumachen", sagt Yasemin Rosenau, Betriebsratsvorsitzende des Werks in Gelsenkirchen, zur geplanten Schließung von Vaillant 2018.

Im Jahr 2003 wurde zuletzt eine Werksschließung angedroht, die jedoch durch Proteste der Belegschaft, des Betriebsrats, der Bürgerschaft und das geschlossene Auftreten der Region habe verhindert werden können.
Jetzt stehen die Jobs von rund 200 Beschäftigten in Gelsenkirchen auf dem Spiel. Gewerkschaften und Politik haben sofort reagiert. So gab es schon im Dezember 2015 eine Solidaritätserklärung des Kreises Recklinghausen mit den Gelsenkirchenern, in der man sich verwundert gibt über die Pläne von Vaillant, da es doch "keine wirtschaftlich nachvollziehbaren Gründe für die Schließung der profitablen Produktionsstätte" gäbe.

Keine nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründe

Das ist auch zentrales Thema der Arbeitnehmervertreter: Warum wird ein funktionierendes Werk, das hohe Qualität erzeugt und Profite abwirft, geschlossen?
"In Gelsenkirchen werden schwarze Zahlen geschrieben", betont Robert Sadowsky von der IG Metall Gelsenkirchen.
Doch um Wirtschaftlichkeit geht es gar nicht mehr, mutmaßen Betriebsrat und Gewerkschaft. "Der Arbeitgeber Vaillant hat bisher sieben vorgelegte Alternativen einfach mit einem Federstrich abgetan, legt uns keine Zahlen vor zu einer angeblichen Unwirtschaftlichkeit und spricht von ,strategischen Gründen' für eine Verlagerung", sagt Yasemin Rosenau.

"Fit4Growth": Vaillant verlegt Produktion in die Slowakei

Denn genau darum geht es: Vaillant will den Standort Gelsenkirchen schließen, um die Produktion in die Slowakei zu verlegen, wo's billiger ist. "Fit4Growth" heißt das bei Vaillant. "Wir hatten hier früher mit einem Familienunternehmen zu tun, mit Inhabern, mit denen man reden konnte. Jetzt, in dem Management geführten Unternehmen, geht es nur noch um mehr Profit", sagt Josef Hülsdünker, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschafts-Bundes.
"Man versucht nicht einmal, der Belegschaft zu erklären, warum sie ihre Jobs verlieren", empört sich Rosenau. Die Gelsenkirchener Betriebsratsvorsitzende empfindet den Umgang von Vaillant mit den Beschäftigten als unwürdig.

Folgen dieser Entscheidung abmildern

Die Entscheidung des Unternehmens scheint unumstößlich. Am 9. Juni ist der nächste Termin im Einigungsstellenverfahren, dann wird weiter verhandelt. Was können Politik und Arbeitnehmervertreter noch tun? "Wir können nur noch versuchen, die Folgen einer solchen Entscheidung abzumildern", sagt Robert Sadowsky. "Und das bedeutet, wir müssen das für das Unternehmen so teuer wie möglich machen."
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