Fest zum Jubiläum: 100 Jahre leben im Marthaheim

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Feierten gemeinsam „100 Jahre leben im Marthaheim“: Lucia Formagiu, Pflegedienstleitung (1. v. l.) und Joachim Georg, Leitung (m.), mit den Bewohnerinnen (v. l.) Elisabeth Derkmann, Maria Knierim und Erika Jansen vor der Keilrahmenwand.
Gladbeck: Marthaheim |

Mit einem bunten Programm für Jung und Alt feierte das Marthaheim jetzt sein 100 jähriges Bestehen. Selten kann ein Haus auf eine so wechselvolle Geschichte zurückblicken wie das Marthaheim. Es war Armenhaus, Kinderheim, Altenheim und auch Jugendamt der Stadt Gladbeck. Heute gilt es trotz der historischen Bausubstanz als ein modernes Seniorenzentrum.

Das mit Farblicht-Therapie für Schwerstpflegebedürftige, einer besonderen Palliativkultur und einem innovativen Orientierungssystem aus zum Teil plastischen Wandgemälden mit historischen Lied- und Gedichtelementen auch außerhalb von Gladbeck wahrgenommen wird.
Am 4. Dezember 1912 weihte Pfarrer Wilhelm von Bodelschwing aus Bielefeld das Marthaheim ein. Es war zunächst für Waisenkinder und arbeitsunfähige Alleinstehende gedacht. Die Versorgung übernahmen vier Diakonissen aus dem Mutterhaus „Sarepta“ bei Bielefeld . Zu Beginn lebten acht Waisenkinder und „einige alte Leute“ im Marthaheim.

1924 kam es zur ersten Erweiterung des Marthaheims. 25 neue Räume entstanden dabei und ein Kindergarten und eine Handarbeitsschule in der „schulentlassene“ Töchter der Gemeinde in den wichtigen Arbeiten des Haushaltswesens wie nähen, flicken, waschen und kochen“ unterwiesen wurden.
1936 wohnten bereits 100 Personen im Marthaheim. 1938 mussten die Schwestern das Haus verlassen. Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) übernahm die Leitung der Einrichtungen. Diesen weltlichen Schwestern wurden alle Waisenkinder der Stadt zugewiesen. Damit versuchte der Nationalsozialistische Staat hauptsächlich den religiösen Einfluss im Haus zu unterbinden.

Beschädigung durch Bombenangriffe

1942 erreichte der Krieg das Marthaheim, bis zum Ende1945 wurden die Waisenkinder in das Ostseebad Heringsdorf evakuiert. Doch angesichts der Kriegs-entwicklung konnten sie auch dort nicht bleiben und wurden von März bis August 1945 in einer Schule im Kreis Beckum untergebracht. 1945 wurde das Marthaheim bei Bombenangriffen erheblich beschädigt.
Nach dem Krieg kamen die Diakonissen zurück und nahmen 1946 wieder die ersten Kinder auf. Ebenso wurde der Kindergarten neu eröffnet. Ab April 1947 war wieder ein normaler Betrieb möglich. Der Wiederaufbau war im Wesentlichen bis 1949 abgeschlossen.1958 übernahmen Schwestern des evangelischen Kölner Schwesternverbandes die Leitung des Hauses im Rahmen eines Personalgestellungsvertrages mit der Stadt Gladbeck.
1968 wohnten 64 Menschen im Altenheim und 45 Kinder im Kinderheim. 90 Kinder besuchten den Kindergarten. Alle lebten unter einem Dach. 1981erfolgte der Anbau im Souterrain und die Einrichtung einer Pflegestation. Auch in der Kinderbetreuung ging man neue, zeitgemäße Wege. Das Jugendamt der Stadt Gladbeck bezog Räumlichkeiten des ehemaligen Waisenhauses. 1984 verlassen die Schwestern das Marthaheim und die städtischen Einrichtungen Martha- und Vinzenzheim erhalten mit Marianne Berger eine gemeinsame Leitung. Die ersten staatlich anerkannten Altenpfleger werden im Marthaheim eingestellt. 2002 übernahm das Diakonische Werk beide Häuser von der Stadt. 2004 bis 2006 erfolgte die Kernsanierung und Teilneubau des Gebäudes.
Die jetzige Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten in der Beckstraße in Bottrop wurde als „Ersatz“-Marthaheim umgebaut und bot den Bewohnern bis zur Fertigstellung des eigentlichen Marthaheims ein Zuhause. Heute leben im Seniorenzentrum Marthaheim 74 Bewohner in 56 Einzel- und neun Doppelzimmern.

Nostalgie rund ums Haus

Nach einer offiziellen Feierstunde für geladene Gäste am Vormittag, begann das eigentliche Fest für alle Interessierten am Nachmittag. Die Jubiläumsbesucher erwartete ein buntes Programm - Exponate der Dorstener Ausstellung „1000 Jahre Leben“, historische Autos, Livemusik von „früher“ sowie ein Kuchenbuffet nach historischen Rezepten und alte Fotos luden bei bestem Wetter ein, in Erinnerungen zu schwelgen.
Auf dem „Jahrhundert-Markt“ im Atrium des Marthaheims bummelten die Besucher an den Ständen mit Schmuck, Dekoartikeln und anderen Mitbringseln vorbei.

Jeder Besucher war zudem eingeladen, an einem Jahrhundert-Kunstobjekt mitzuwirken. 100 kleine Keilrahmen warteten darauf, bemalt oder gestaltet zu werden. Die Quadrate werden dann im Anschluß als Gesamtkunstwerk zusammengefasst und sollen an die 100 Jahre Leben im Haus erinnern.
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