Beim Hochwasserschutz sind auch die Bürger selbst gefragt

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Starkregen und überflutete Straßen haben die Region in diesem Jahr wiederholt in Atem gehalten. Bei einer Analyse des Wasserwirtschaftsjahres auf der Verbandssammlung sah Vorstandsvorsitzender Dr. Jochen Stemplewski den Lippeverband beim Hochwasserschutz gut aufgestellt, bezog aber die Eigenvorsorge von Kommunen und Bürger mit ein.

In der Jahressumme der Niederschläge sieht das Wasserwirtschaftsjahr 2014 (November 2013 bis Oktober 2014) eher unauffällig und durchschnittlich aus. Die Niederschläge in den einzelnen Monaten weichen dagegen extrem von den Mittelwerten ab. Im hydrologischen Winterhalbjahr war es von Dezember bis zum April äußerst trocken. Der Sommer, vor allem der Juli, war dafür sehr nass. Die Niederschlagssummen lagen an der Lippe vielerorts dreimal so hoch wie im Durchschnitt.

Ein klares Zeichen des Klimawandels


Der extreme Starkregen, der am 28. Juli weite Teile des Münsterlandes flutete und über Münster bis zu 292 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden niedergehen ließ, erwischte auch die Stadt Hamm mit immerhin 104 Litern pro Quadratmeter, dem höchsten, bisher überhaupt gemessenen Wert an der örtlichen Messstation des Lippeverbandes. Bei einem weiteren Unwetter am 19. September mit Schwerpunkt in Hamm und Teilen des Kreises Unna gab es Überschwemmungen in Bergkamen, in Hamm ließen die Wassermassen den kleinen Hoppeibach über die Ufer treten und setzten den be-nachbarten Straßenzug unter Wasser. Hier hat der Lippeverband inzwischen weitere Maßnahmen für mehr Hochwassersicherheit begonnen, der umfassende Umbau des Gewässersystems Hoppeibach und Herringer Bach folgt in den nächsten Jahren und wird auch ein deutliches Plus an Hochwassersicherheit bringen.
„Diese katastrophalen Starkregen lassen sich kaum vorhersagen. Sogenannte Superzellen bilden sich in weniger als einer halben Stunde, ohne Vorwarnung“, erläuterte Dr. Stemplewski, „es besteht auch bei den Meteorologen kein Zweifel mehr, dass die monsunartigen Regenfälle häufiger geworden sind - ein klares Zeichen des Klimawandels, das zeigen auch unsere Daten zur Zunahme der mittleren Lufttemperatur und die Trendlinie bei den Starkregenfällen im Lippe- und Emschergebiet“.

Kein absoluter Schutz vor Hochwasser und Überflutung

Einen absoluten Schutz vor Hoch-wasser und Überflutung gibt es nicht. Gegen das Hochwasserrisiko von den Gewässern aus nutzt der Lippe-verband alle verfügbaren Instrumente des Hochwassermanagements. Dazu gehören verbandsgebietsweit 34 Hochwasserrückhaltebecken mit einem Rückhaltevolumen von insge-samt 2,2 Millionen Kubikmeter, fast 200 Pumpwerke und 76 km Deiche an der Lippe und den Nebengewäs-sern. Die Deichsicherheit hat der Verband in den letzten Jahren an 46 Kilometern Deichstrecke durch geo-elektrische Messungen, Bodenson-dierungen und Standsicherheitsberechnungen überprüft.
Auch das kommende „HaLiMa“-Projekt, die Rückverlegung der Dei-che an der Lippe in Haltern, Marl und Lippramsdorf auf 5,8 km Lauflänge, wird rund 2,7 Mio. Kubikmeter mehr Rückhalteraum bei einem großen Hochwasser an der Lippe bringen. Nebenbei entstehen mit der Deichertüchtigung und -rückverlegung 50 Hektar neue Auenflächen – Hochwasserschutz multifunktional.

Die drei Hochwasserrückhaltebecken, die der Lippeverband im Rahmen des Sesekeprogramms in Dortmund-Scharnhorst, Bönen und Unna gebaut hat, addieren sich auf fast eine Mio. Kubikmeter Rückhalteraum. Sie ha-ben ihre Bewährungsprobe bei den Starkregenereignissen im Sommer gut bestanden.

Projekt Stark gegen Starkregen


Gerade die Extremereignisse in diesem Sommer haben gezeigt, dass oft der Extremregen, die Sturzflut vom Himmel und nicht das Hochwasser vom Gewässer aus für den größten Teil der Schäden ursächlich ist. Damit wird Überflutungsvorsorge zu einer Gemeinschaftsaufgabe für Wasserwirtschaft, Kommunen, Bürger und Politik. „Wir haben am Beispiel und gemeinsam mit der Stadt Unna im Rahmen unseres von der EU geförderten Klimaprojektes„Future Cities das Projekt Stark gegen Starkregen aufgelegt“, rief der Vorstandsvorsitzende in Erinnerung. Praktische Vor-Ort-Maßnahmen gegen Starkregen sollen Vorsorge und Schadensminde-rung bewirken. Die Grundlagen dafür - langjährige Klimadaten und digitale Geländemodelle – stellte der Lippe-verband zur Verfügung. Auf Fließwegekarten werden die Strömungsvorgänge bei rasch abfließenden Regenwassermassen dargestellt. Dar-aus lassen sich mögliche Maßnahmen zur gezielten Umlenkung der Wassermassen ableiten, z. B. Stra-ßen als sogenannte Notwasserwege und öffentliche Grünflächen oder Plätze zeitweilig als Rückhalteräume zu nutzen.

Gefahrenkarten nutzen


Die Starkregen-Gefahrenkarte schafft auch Transparenz für alle Bürgerinnen und Bürger: Jeder kann die Gefährdungslage seines Wohnhauses und Grundstücks nachvollziehen. Zu „Stark gegen Starkregen“ gehört deshalb auch eine Informationskampagne, die Möglichkeiten zur praktischen Eigenvorsorge aufzeigt wie Rückstauklappen, überflutungssichere Kellerschächte, wasserdichte Kellerfenster und -türen oder höher gelegte Eingangsbereiche. Dr. Stemplewski: „Unna ist ein Pilotprojekt für die Starkregenvorsorge; das kann auch in jeder anderen Kommune im Lippeverbandsgebiet umgesetzt werden“.
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