Brunftzeit: Wild im Scheinwerferlicht

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Vorsicht vor Wild auf der Fahrbahn! Foto: ADAC
 

Mit eindrucksvollem Röhren melden sich die Hirsche derzeit in den nahen Wäldern zu Wort: Die Brunftzeit hat begonnen. Neben Laub und Dunkelheit stellt das liebestolle Wild derzeit die größte Gefahr für den Straßenverkehr dar. Autofahrer sollten daher vorsichtig sein.

Die Blätter werden bunt in diesen Tagen, und der Herbst hält Einzug. Für das Schalenwild beginnt nun die Paarungszeit: Hirsche und Rehe suchen jetzt nach geeigneten Partnern, und gerade bei den männlichen Tieren lässt der Hormonschub und die gesteigerte Aggressivität nun die gewohnte Vorsicht vermissen. Für Autofahrer, die keine Lust auf einen Zusammenstoß mit einem liebestollen Rehbock oder sogar Hirschbullen haben, ist nun erhöhte Wachsamkeit in Waldgebieten geboten.

So empfiehlt es sich vor allem in der Dämmerung und den Abendstunden, den Abstand zum Vordermann nicht zu klein werden zu lassen. Muss der Vorfahrende wegen eines Tieres plötzlich abbremsen, landet man so nicht so schnell in seinem Heck. Ohnehin ist eine gemäßigte Geschwindigkeit empfehlenswert, denn schon ein gerade mal 17 Kilo schwerer Rehbock, der bei 50 km/h noch mit einer Wucht von 425 Kilo auf die Motorhaube schlägt, liefert bei 70 km/h schon ein Aufschlaggewicht von umgerechnet 850 Kilo. Ein schwereres Tier, etwa ein Wildschweinkeiler, bringt es bei der Kollision leicht auf mehrere Tonnen - Lebensgefahr für die Fahrzeuginsassen.

Bei der Frage der Ausleuchtung sind sich die Experten nicht einig: Während bei Fernlicht Tiere auch an ihrer Irisspiegelung frühzeitig erkannt werden können, kann es aber auch zum plötzlichen Stehenbleiben im Lichtkegel führen. Es wird daher oft diskutiert, ob man in Waldgebieten das Fernlicht überhaupt nutzen soll. Eins ist jedoch Konsens: Sobald Wild im Scheinwerferlicht auftaucht, sollte man daher abblenden.

Im Notfall "draufhalten"


Manchmal ist es aber zu spät, und Hirsch, Reh oder Schwein stehen mitten auf der Straße - direkt vor dem Kühler. Da hilft es nur, die Zähne zusammen zu beißen und die Lenkung festzuhalten. "Keinesfalls sollte man waghalsige Ausweichmanöver starten, um einen Zusammenstoß mit Wild zu vermeiden", so Polizeihauptkommissar Gregor Steffes. Zu groß sei die Gefahr, an einem Baum oder im Graben zu landen. Experten sprechen umgangssprachlich vom "draufhalten", dem gezielten Spurhalten in das Hindernis hinein.

Hat es gekracht und der Fahrer ist hoffentlich unverletzt aus der Kollision hervorgegangen, muss die Unfallstelle gesichert werden. Das bedeutet: Warnblinker an, Warnweste überziehen und das Warndreieck in entsprechendem Abstand aufstellen. Sind Verletzte zu beklagen, geht Erste Hilfe vor, dann sollte so schnell wie möglich die Polizei benachrichtigt werden.

Liegt das Tier bereits tot oder verwundet auf der Straße, sollte es keinesfalls berührt werden. Zu groß ist die Gefahr von Tollwut oder, bei Wildschweinen oder Füchsen, von Bissen. Kann das Wild noch laufen und verschwindet im Wald, sollte man sich die Stelle und Richtung für die spätere Nachsuche durch Jäger oder Förster merken.

Und auch wenn es Liebhabern von Wildgerichten manchmal ein Dorn im Auge ist: Das tote Tier darf nicht mitgenommen werden. "Die nicht zum Zwecke der Ablieferung erfolgte Mitnahme von überfahrenem Wild erfüllt den Tatbestand des § 292 StGB (Jagdwilderei) und damit eines Vergehens", so die Polizei.
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