"Komma sonntags" zu uns ins Kick

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Das Kick-Angebot „Komma sonntags“ ist ein großer Erfolg. Es gibt sogar Überlegungen, in einen größeren Raum auszuweichen. Jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr trifft man sich zum Klönen in der Augustastraße 11. Fotos (2): Kosjak
 
Die Runde am Sonntag plaudert über alles, was ihr gerade so einfällt. Viele der Anwesenden haben noch einen Traum und wollen diesen auch erleben.
Hattingen: kick |

von Dino Kosjak

An jedem Sonntag lädt der Treff der Hattinger Unruheständler „Kick“ zum Gespräch bei Kaffee, Kuchen, Schnittchen. Unter dem Motto „komma sonntags“ trifft man sich und das Angebot wird gut angenommen.

Leonore Albrecht träumte von einer Reise auf der Hurtigruten, der berühmten norwegischen Schiffspassage. Ihr Ehemann verstarb und der Traum geriet in Vergessenheit. „Dann erinnerte mich mein Sohn: Mama, fahr endlich los“.
Sie brach mit einer Freundin auf zur großen Kreuzfahrt. „Es war noch viel schöner als in meinem Traum“, strahlt sie, „mir fehlten fast die Wort“. Sie blickt in die Runde. „Und? Habt ihr noch Träume?“
„Ein Segeltörn würde mich reizen“, meldet sich Sieglinde Zastrau, „seekrank werde ich schon nicht. Schließlich bin ich ein Seemannskind“.
Eine andere Besucherin erinnert sich ebenfalls an ein kleines Abenteuer. Sie fand sich wieder in einem Segelflieger, hinter dem Piloten. „Er warnte mich, es sei anders als im Auto“, erzählt sie, „es geht los in rasendem Tempo. Danach wird‘s gemütlicher.“ Sie fand umgehend Gefallen an dem Ausflug im ungewohnten Fluggerät, bat den Piloten zu einem Abstecher in Bodennähe. Zuhause berichtete sie ihrem Mann von der spontanen Unternehmung. „Der meinte, bei ihm sei auch was los gewesen“, lacht sie, „er hatte einen Drachen steigen lassen“.
Waltraud Vieten wagte zu ihrem 60. Geburtstag einen Fallschirmsprung im Tandem. „Der Schirm öffnete sich und plötzlich war völlige Ruhe“, sagt sie. Sie solle dann bloß die Augen aufhalten, war ihr zuvor geraten worden. „Das habe ich gemacht, habe sie aufgerissen und nur noch geguckt.“ So eine Erinnerung vergehe nicht mehr, sagt sie.
Hannelore Lange ist zum ersten Mal dabei, in Begleitung ihres Mannes. Die beiden sind kürzlich aus dem Sauerland nach Hattingen gezogen. „Ehrlich gesagt, ich bin auf der Suche nach Träumen“, sagt Hannelore Lange, „da bin ich bei euch offenbar in bester Gesellschaft“.
Aktive Frauen seien für seine Ehefrau die beste Gesellschaft, sagt Rüdiger Lange. „Es zieht sie raus aus dem Haus, mitten ins Leben.“
Eine weitere Besucherin schlägt einen ernsteren Ton an. Vor über dreißig Jahren habe sie sich aufgerafft, endlich eigene Arbeit zu suchen. „Bis dahin ging nur mein Mann arbeiten. Ich saß Zuhause und drehte Däumchen“, sagt sie. Sie fand eine kleine Anstellung, gegen den Willen ihres Mannes. „Ich ließ mich nicht beirren“, fährt sie fort, „schließlich hat er es akzeptiert“.
Das Gespräch über gelebte und ausstehende Träume beschließt die Runde mit einem Fazit: nicht zu viel abwägen. Risiken gebe es immer, so sei es halt. Irgendwann müsse man einfach aufbrechen – und den Traum Wirklichkeit werden lassen.
Seit November vergangenen Jahres lädt Kick sonntags von 15 bis 17 Uhr zum Gespräch unter dem Motto „komma sonntags“. Das Interesse sei groß, sagt Leonore Albrecht. „Wir saßen hier schon mit 24 Frauen.“ Geredet wird über alles, was die Runde bewegt.
Besondere Aufmerksamkeit erregt der Traum von einem mehrmonatigen Aufenthalt in einem Schweigekloster. Eine Besucherin geht dieser Idee seit Langem nach, beeindruckt von einer einfühlsamen TV-Dokumentation. Einige Frauen schauen verwundert. „Monatelang den Mund halten, in völliger Stille leben, das könnte ich nicht“, sagen sie. Ja, das sei ein völlig anderes Leben, räumt die Ideengeberin ein. „In sich einkehren und zur inneren Ruhe finden“, erläutert sie, „das fiele auch mir nicht leicht“. Sie lacht: „Ich sabbele ohne Unterlass.“
Die Faszination an dieser Seite des menschlichen Leben lasse sie nicht los. Sie müsse sich wohl auf die Suche nach so einem Kloster machen.​
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