Flüchtlingsrealität: Willkommen in der Fremde

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Die irakische Familie Kueda ist seit vier Monaten wieder vereint. Zusammen leben sie jetzt in einer Unterkunft in Bergkamen. (Foto: Lina Hilsmann)
 
So oder ähnlich sieht in der Regel die erste Unterkunft aus, die Asylsuchende in Deutschland bekommen. (Foto: Steffen Korthals)

Über Flüchtlinge weiß zur Zeit jeder ganz genau Bescheid, aber die wenigsten beschäftigen sich mit den Menschen und Schicksalen, die da hinter stehen. Die irakische Familie Kudeda hat sich dazu bereit erklärt, mir von ihrer Geschichte und derzeitigen Situation zu erzählen und mich dafür in ihre Unterkunft in Bergkamen eingeladen.


Hady (33), Wansa (32), Hanaa (13) und Haman (9) sind seit vier Monaten wieder eine richtige Familie und können nur hoffen in Deutschland bleiben zu dürfen. Hady, der Vater der kleinen Familie, musste bereits vor drei Jahren aus seiner Heimat, dem Irak, flüchten, da er als Polizist aufgrund seiner vorherigen Zusammenarbeit mit amerikanischen Soldaten von Terroristen verfolgt und bedroht wurde. Hady floh durch mehrere Länder, bis er Deutschland erreichte und wo er nun einen Status mit Bleiberecht aus humanitären Gründen erhalten hat.
Dadurch erhielt er das Recht, einen Sprachkurs zu besuchen und Unterstützung durch das Jobcenter zu bekommen.
Wansa, Hanaa und Haman konnte er jedoch erst im März diesen Jahres mit einem befristeten Visum nach Deutschland holen. Sie hatten sich zuvor seit August 2014 in den Bergen nahe ihrer alten Heimatstadt versteckt, weil diese von den Truppen des IS angegriffen wurde.

Flucht vor den IS-Truppen


Da die Familie Kudeda dem jesidischen Glauben angehört und damit zu den bevorzugten Zielen der Extremisten zählt, blieb den Dreien, zusammen mit vielen anderen, nur die Flucht.
Leider warteten in Deutschland schon die nächsten Probleme. Sich ohne Deutschkenntnisse, und zunächst ohne Recht auf einen Sprachkurs, durch den Bürokratiedschungel zu schlagen, ist keine leichte Aufgabe.
Da in Deutschland neu angekommene Familienangehörige in den ersten drei Monaten ihres Aufenthaltes keine Leistungen beantragen können, war es zunächst schwer, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen. Außerdem bereitete das Jobcenter der Familie einige Schwierigkeiten, indem sie auch dem Familienvater die Leistungen minderten. Da dieser nun nicht mehr als Alleinstehender gehandelt wurde, sondern zusammen mit seiner Familie als Bedarfsgemeinschaft, gab es weniger Geld.
Die Kudedas hatten Glück, im Bergkamener Flüchtlingscafé die Familie Wohlgemuth kennenzulernen, die ehrenamtlich als Flüchtlingshelfer tätig ist. Diese half den Kudedas trotz gekürztem Geld, alles Lebensnotwendige zur Verfügung zu haben.
„Ein Gesetzesfehler brachte die Familie an den Rand der Existenz. Sie sollten von 80 Euro im Monat leben“, erklärt Katja Wohlgemuth. Damit über die Runden zu kommen, gelang lediglich durch Spenden der evangelischen Kirche und Unterstützung durch die Bergkamener Flüchtlingshilfe.

Wenig Geld - große Gastfreundschaft


Obwohl dieser Familie selbst so wenig zur Verfügung steht, habe ich selten eine so bewundernswerte Gastfreundschaft erleben dürfen und war gerührt, wie viel mir angeboten und wie offen mit mir über das Erlebte gesprochen wurde.
Beide Kinder besuchen hier die Schule, haben bereits Freunde gefunden und integrieren sich gut. Hady hofft die Möglichkeit zu bekommen, sich weiterzubilden und in Deutschland wieder als Polizist tätig sein zu können.
Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der Notwendigkeit für Deutschland mehr gut ausgebildete Migranten aufzunehmen, scheint es rätselhaft, dass es für diese Familie noch immer unklar ist, ob und wie lange sie in Deutschland bleiben kann.

Ehrenamtliche helfen den Flüchtlingen


Viele Flüchtlinge wurden, genau wie Hady, schon in ihren Herkunftsländern zu Fachkräften ausgebildet und sind gewillt, in Deutschland einen Neuanfang zu wagen.
Am Beispiel der Kudedas wird allerdings deutlich, dass dieser Neuanfang auch unsererseits nicht immer einfach gestaltet wird und Probleme auf diese Menschen zukommen, die sie alleine nicht bewältigen können.
Nur mit der Hilfe Freiwilliger, wie der Familie Wohlgemuth, kann diesen Menschen geholfen werden, sich in Deutschland angemessen zu integrieren und ein Teil unserer Gesellschaft zu werden.
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