Lars Wockenfuss ist der Saxophonator

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Auch das Spielen des Saxophons setzt eine gewisse Fitness voraus. Lungenvolumen ist dabei nur ein Kriterium.

„Es gibt einfach nichts Geileres, als auf der Bühne zu stehen – Musik ist Sprache – Sie lebt zwischen Dissonanz und Konsonanz – Es ist ein Spiel von Ruhe und Reibung – Musik ist Provokation.“

Lars Wockenfuss weiß wovon er spricht. Musik ist seine Passion. Der 46-jährige Westfale hat die ganz große Show sein Leben lang gelebt. Als Saxophonist tourte er um die ganze Welt. Von New Orleans bis Murmansk, nichts hat er ausgelassen. Und dennoch sehe ich ein glücklich zufriedenes Gesicht, wenn er von seinem Sax-Institut in Kamp-Lintfort spricht, von seinen Schülern, die zu klein sind, um das Saxophon zu halten oder mit 74 Jahren sich in den Bann von Jazz und Soul ziehen lassen.

„Wenn man Saxophon spielt, spricht man, man phrasiert die Musik. Wenn man spielt, lebt man“, schwärmt Wockenfuss und bildet die Laute eindrucksvoll nach. „Für mich gibt es keine schlechte Musik, es gibt nur schlecht gespielte Musik.“ In den letzten 20 Jahren, die er auf Tour war, hat er nebenbei noch drei Kinder großgezogen.

„Als ich mit der Aida oder der MS Deutschland unterwegs war, musste ich meine Kinder nachholen. Als Hauptbezugsperson war die Trennung für sie einfach zu groß. Das Geld, das ich auf dem Schiff verdient habe, ging also für meine kleinen Begleiter gleich wieder drauf“, sagt er und lacht. Auf Madeira übernahm der Musiker gleich die Leitung der Fahrradtouren für die Gäste, Wockenfuss‘ zweite große Leidenschaft.
„Sport ist ganz wichtig für mich. Die Bewegung ist der perfekte Ausgleich zum vielen Stehen. Gerade für die Knie ist das Fahrradfahren ideal“, erklärt er und ist gleich wieder in seinem Element. Denn mittlerweile hat er auch eine „mobile cycling band“ gegründet, die mit verschiedensten Road-shows durch die Republik tourt. Musik und Sport gehören zu einer ganzheitlichen humanistischen Bildung dazu.

Autodidaktik anstatt auswendig lernen


Beim Spielen fließt alles zusammen: Bewegung, Tanz, Intonation und das Instrument. Um das zu beherrschen wählt Wockenfuss deutlich kreativere wie flexiblere Ansätze. „Früher hat man die Kinder immer nur auswendig lernen lassen, Etüden üben und wiederholen lassen.“ Das führte zwangsläufig zu Frustration bei Schüler und Lehrer.
Es geht auch nicht darum, Kinder auf ein Elitelevel zu bringen. „Es ist wichtiger, 90 Prozent bei dem Instrument zu halten, als zwei Prozent auf einen Podiumsplatz zu führen.“

Unterricht by Call


Denn gerade die zeitlichen Kapazitäten haben sich auch bei den Jugendlichen verändert. Schule nimmt einen immer größeren Zeitraum ein, so dass Freizeit knapp wird. Aus diesem Grund bietet Wockenfuss neben dem klassischen Unterricht auch „Unterricht by Call“ an.

„Bei diesem Modell kann man selbst entscheiden, in welchen Abständen man Unterricht nimmt, wann man das Gefühl hat, das Erlernte vertiefen zu wollen. Jeder hat sein eigenes Pensum.“Aber auch was die Didaktik betrifft, geht Wockenfuss neue Wege. Gerade bei Kindern ist das Arbeiten mit Bildern und Metaphern besonders wichtig. Kinder visualisieren Musik anders als Erwachsene. Lautbilder wie das der tiefen Schiff-sirene oder das Kreischen von Möwen erleichtert ihnen, den richtigen Klang zu verstehen. „Auch das Vorspielen ist mir ganz besonders wichtig. Denn beim Vorspielen prägt sich der Klang ein. Kinder wie Erwachsene lernen dann autodidaktisch. Gerade im Bereich der improvisierten Musik wie dem Jazz ist diese Fähigkeit unabkömmlich.“ Aber auch Blockeinheiten in Form von Workshops bietet „Der Saxophonator“ an. „Innerhalb dieser drei Stunden kann man schon ganz gut beurteilen, ob das was für einen ist“.

Wie lange es braucht, um die ersten Lieder spielen zu können, will ich wissen und kann mein Erstaunen nicht verbergen. „Wenn man von einer normalen Befähigung ausgeht, kann man bei 75 Prozent schon sagen, dass sie nach drei Unterrichtsstunden die ersten Lieder spielen können.“


Mit der MS Europa geht es bald nach Skandinavien


Was die wenigsten wissen: Lars Wockenfuss ist eigentlich studierter Wirtschaftssoziologe, der sich aber sein gesamtes Studium durch das Erteilen von Musikunterricht finanzierte. Seinen ersten Auftritt hatte er mit zarten neun Jahren. Damals noch auf der Klarinette. Der Auftritt bei einer Feuerwehrkapelle brachte ihm auch das erste Geld ein. „Meine Finger waren viel zu kurz oder die Klarinette zu groß“, und dennoch war es der Beginn einer gefeierten Karriere. Wockenfuss unterrichtet in seinem Kamp-Lintforter Sax-Institut alle Holzblasinstrumente, spielte mit Freddy Breck und Gitte. Er unterrichtet an einem Krefelder Gymnasium und schmiedet schon die nächsten Pläne: Eine Tour auf der MS Europa nach Skandinavien.

Als ich wissen möchte, welche Rolle das Unterrichten in seinem Leben spielt ist sie wieder da: Die Begeisterung in seiner Stimme, die Spannung in den Worten. „Es ist dieses Strahlen in den Menschen, man sieht sofort, wie viel Energie fließt. Musik machen ist einfach das Schönste auf der Welt.“ Weitere Informationen gibt es unter www.dixieboys.de.
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