Am Ende steht das Frauenhaus: "Gewalt zieht sich oft über Jahre hin"

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Andrea Hermanns leitet das Klever Frauenhaus.
Den Umzug haben sie seit einigen Wochen hinter sich - die Arbeit hat sich gelohnt, nicht nur für die Mitarbeiter des Frauenhauses, sondern vor allem für die Frauen, die hier um Hilfe nachsuchen.

Fünf Tage lang wurden Kisten und Kasten geschleppt - „damit war ein professionelles Umzugsunternehmen beauftragt“, so Viktor Kämmerer, Geschäftsführer des AWO-Frauenhauses. 1380 Kilogramm Altholz wurden entsorgt - beim Restmüll fiel die nicht unerhebliche Menge von 310 Kilogramm an. „Insgesamt hat uns der Umzug 70 000 Euro gekostet - die Kisters-Stiftung hat uns dankenswerterweise mit 50 000 Euro unterstützt“, so Kämmerer.

Der Betrieb des Frauenhauses schlug im vergangenen Jahr mit 253 000 Euro zu Buche. 123 000 Euro kamen vom Land, reichen aber nicht aus, um die laufenden Personalkosten zu finanzieren. Das Land beteilige sich zu rund 60 Prozent an den Personalkosten. „Wir zahlen nach Tarif, angelehnt an den öffentlichen Dienst. Seit 1998 ist der Landeszuschuss allerdings nicht mehr erhöht worden“, so Kämmerer. Die Finanzierungslücke wird durch Einnahmen aus den Tagessätzen, aus Spenden- und Gerichtsgeldern gedeckt.

Trotz Umzug sei die Beratung von Frauen Ende vergangenen Jahres weiter durchgeführt worden, erklärt Andrea Hermanns, Leiterin des Frauenhauses. Während des Umzuges seien allerdings keine Frauen aufgenommen worden. Das spiegelt sich in den Zahlen des vergangenen Jahres wider: Wurden in den vorausgegangenen Jahren zwischen 60 und 70 Frauen versorgt, waren es 2012 47 Frauen und 37 Kinder. Dabei erstaunte die Zahl der jungen Hilfesuchenden: 23 waren zwischen 19 und 25 Jahren alt. „Das war anders als in den Jahren zuvor“, so Andrea Herrmanns. Schwerpunkte der Beratung waren in dieser Altersgruppe neben Gesprächen zur Gewalterfahrung Fragen hinsichtlich Schule und Ausbildung, während für die 16 Frauen zwischen 26 und 40 Jahren vornehmlich Erziehunsgfragen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig waren. Acht Frauen zwischen 41 und 60 Jahren suchten im vergangenen Jahr Zuflucht.
„Gewalt kommt in allen sozialen Schichten vor“, informiert Hermanns. Im Frauenhaus entlaste oft schon die Begegnung mit anderen, die ein ähnliches Schicksal hätten. Die Gewaltspirale entwickle sich allmählich, beginne im allgemeinen mit übermäßiger Kontrolle und der Einschränkung sozialer Kontakte - Auslöser sei häufig die Geburt des ersten Kindes. Die Verweildauer lag im vergangenen Jahr zwischen sieben Tagen und einem Jahr.

Die Wohnungssuche gestalte sich als schwierig - kleine Wohnungen wie sie der Gesetzgeber für alleinerziehende oder alleinstehende Hartz IV Bezieher vorschreibe, seien schwer zu bekommen.

Im Frauenhaus arbeiten zwei staatlich anerkannte Sozialpädagoginnen, eine Erzieherin, eine halbe Stelle fließe in die Verwaltung, eine weitere halbe Stelle in die Hauswirtschaft.

Frauen in Not wenden sich ans Frauenhaus unter Tel. 02821/1 22 01 oder an die Polizei, Tel. 02821/50 40 oder Notruf 110.
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2 Kommentare
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Marlis Trapitz aus Düsseldorf | 04.04.2013 | 20:50  
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Willi Heuvens aus Kalkar | 06.04.2013 | 12:00  
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