Trauer ist im Treff das ganze Jahr Thema

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Im November steht der Tod ganz besonders im Fokus, nicht nur auf den Friedhöfen. (Foto: Magalski)
 
Angelika Kristan (2.v.r.), Gundel Strzedulla (r.) und Silke Fischer stehen Trauernden zur Seite. Pfarrerin Andrea Ohm (l.) ist beeindruckt vom Engagement der Ehrenamtlichen. (Foto: Magalski)
Im Leben eines Menschen ist keine Sache so sicher wie der Tod. Sterben und Trauer aber sind ein schwieriges Thema, fast ein Tabu. Angelika Kristan und ihr Team helfen Betroffenen im Treffpunkt für Trauernde durch diese schwere Zeit.

Im November ist der Tod präsenter als in anderen Monaten, rücken ihn doch die stillen Feiertage in den Fokus. Hier, im Treffpunkt für Trauernde, im Altenzentrum an der Bebelstraße hat das Thema das ganze Jahr den gleichen wichtigen Stellenwert. Angelika Kristan leitet den Treffpunkt. Menschen in ihrer Trauer nicht alleine lassen, das ist für die Lünerin ein sehr persönliches Anliegen, denn sie verlor als junge Frau ihren Ehemann. Die Witwe hätte sich in dieser schweren Zeit Begleitung und Austausch gewünscht, doch es fehlten die Angebote. Jahre später ergriff die Sozialarbeiterin die Initiative. Kristan gründete den Treffpunkt für Trauernde als Ergänzung zum Trauer-Café des Hospizvereins. Gastgeberin des Treffs im Altenzentrum an der Bebelstraße ist die evangelische Kirchengemeinde Horstmar-Preußen.

Team mit großer Kompetenz

Andrea Ohm, Pfarrerin in der Gemeinde Horstmar-Preußen, kennt den Kontakt mit Trauernden nicht nur bei Beerdigungen als Teil ihrer täglichen Arbeit und auch deshalb hat sie großen Respekt vor dem Engagement der Ehrenamtlichen in diesem doch nicht gerade leichten Thema. Ohm weiß aber, was das Team im Treffpunkt für Trauernde leisten kann und spricht nicht ganz ohne Stolz von "geballter Kompetenz". Angelika Kristan, die ausgebildete Trauer- und Sterbebegleiterin ist, hat sehr erfahrene Unterstützung. Silke Fischer etwa ist der Tod ein enger Begleiter, jeden Tag schaut sie ihm ins Gesicht. Im Beruf Bestatterin steht die Frau aus Lünen auch in ihrer Freizeit Trauernden zur Seite. Dritte im Bunde ist Gundel Strzedulla - sie war bis zur Rente vor eineinhalb Jahren Sozialarbeiterin im Altenheim an der Bebelstraße. Ein Beruf mit vielen schönen Momenten, aber eben auch traurigen Augenblicken. Wenn Bewohner des Altenheims auf die Zielgerade ihres Lebens einbogen, dann stand Gundel Strzedulla ihnen und den Angehörigen zur Seite. Helfen wollte Strzedulla auch im Ruhestand und so kam sie zum Treffpunkt.

Zeit für Trauer und Lachen

Der Treffpunkt für Trauernde gibt es dem Tod jeden vierten Montag im Monat Raum. Die Teilnahme hängt aber nicht von Konfession oder Glaubensrichtung ab und auch wie lange ein geliebter Mensch schon nicht mehr am Leben ist, spielt keine Rolle. Trauer ist eben von Mensch zu Mensch ein individuelles Empfinden und so hat auch die Trauerarbeit viele Gesichter. Reden. Schweigen. Erinnern. Im Treffen ist nichts davon ein Muss. Im Gespräch in der Gruppe ist Zeit für gemeinsame Trauer, für Stille und Gedenken, aber auch für ein Lachen und die Hoffnung. Ein Leben nach dem Tod gibt es nämlich, auch für die Angehörigen und Freunde eines Verstorbenen. Die Trauer ändert im Laufe der Zeit ihre Form. "Ein Stück bleibt immer zurück, aber es integriert sich im besten Fall in das Leben und macht Platz für Neues", erklärt Angelika Kristan. Trauernde finden in den Treffen - das ist den Organisatoren wichtig - eine geschützte Umgebung. Verschwiegenheit ist eine wichtige Regel für Besucher und Helfer - was im Raum gesprochen wird, bleibt im Raum.

"Mitfühlen, aber nicht mitleiden"

Im Kopf nehmen aber auch die ehrenamtlichen Helfer so manche Geschichte mit in ihren Alltag. Frau Kristan, woher nimmt man auf Dauer die Kraft für diese Aufgabe, wie erträgt man soviel Traurigkeit? "Wichtige Unterstützung ist mein christlicher Glaube, denn im Gebet lege ich meine Sorgen vor Gott, ich muss sie nicht alleine tragen", erklärt die Trauerbegleiterin. Silke Fischer verbringt Zeit mit ihren Pferden und in der Natur, das ist ihr Weg zu neuer Kraft. Gundel Strzedulla kennt die Signale ihres Körpers. "Mitfühlen ja, aber nicht mitleiden, das ist der Schlüssel."

INFORMATION
Der Treffpunkt für Trauernde ist ein kostenloses und offenes Angebot, jeden vierten Montag in Monat von 15.30 bis 17.30 Uhr im evangelischen Altenzentrum an der Bebelstraße 200 in Lünen. Ansprechpartnerin Angelika Kristan unter Telefon 02306 / 47802.

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