Ausstellungseröffnung Schwarzes Revier. Fotografien von Heinrich Hauser vom 27.09.2010 bis 16.02.2011 auf Zollverein in Essen

Anzeige
Dr. hc. Fritz Pleitgen ( Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH )
 
Prof. Dr. Ulrich Borsdorf ( Direktor des Ruhr Museums )
Essen: Zeche Zollverein | Pro
Schwarzes Revier. Fotografien von Heinrich Hauser
Galerieausstellung des Ruhr Museums auf Zollverein in Essen
27. September 2010 – 16. Februar 2011

Nach der Eröffnung seiner Dauerausstellung zur Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets und einer Reihe von erfolgreichen Sonderausstellungen kann das Essener Ruhr Museum mit der Eröffnung seiner Ausstellungsgalerie auf der 21-Meter-Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche des Welterbes Zollverein ab dem 27. September 2010 den letzten Baustein derÖffentlich-keit zugänglich machen. Die erste Ausstellung ist bereits ein Glanzstück. Sie zeigt das „Schwarze Revier“ von Heinrich Hauser, die erste zusammenhängende Fotoreportage über das, entstanden in den späten 1920er Jahren, der Hochphase der Industrialisierung. Als vollständige Ausstellung ist das „Schwarze Revier“ im Ruhr Museum zum ersten Mal zu sehen. Heinrich Hauser (1901-1955) war Fotograf, Journalist, Romancier, Sachbuchautor, Seemann,
Flieger, Dokumentarfilmer, Farmer – ein Mann, der in keine Schublade passt. Unangepasst, zwischen allen Stühlen sitzend, hat er unter teilweise sehr harten Bedingungen ein vielseitiges Werk geschaffen. In den 1930er Jahren war seine Haltung zur NS-Diktatur zunächst ambivalent – so widmete er 1934 Hermann Göring sein Buch „Ein Mann lernt fliegen“. In den Folgejahren rückte er vom NS-Regime ab und versuchte, sich mit Aufträgen für Buchpublikationen der Industrie (Opel) in einer Art „geistiger Emigration“ (Hauser) durchzula-vieren. Seine jüdische Frau Ursula Bier emigrierte 1937 nach New York. 1939 ging Hauser, inzwischen selbst von der Gestapo vorgeladen und verhört, ebenfalls in die USA. 1948 kam er nach Deutschland zurück,um Chefredakteur des „Stern“ zu werden. Sein Gesuch, 1949 in die USA zurückzukehren, wurde
von den dortigen Behörden abgelehnt. 1955 nahm er sich in seinem Haus in Dießen am Ammersee das Leben.

Ab 1925 hatte Heinrich Hauser erfolgreich für die Frankfurter Zeitung geschrieben. Zwischen 1925 und 1954 erschienen zahlreiche Romane und Sachbücher. Den Gerhart-Hauptmann-Preis erhielt er 1928. Im gleichen Jahr beauftragte ihn der S. Fischer Verlag mit einer Fotoreportage über das Ruhrgebiet. 6000 Kilometer fuhr er, nach eigenen Angaben, kreuz und quer durch diese Industrielandschaft des frühen 20. Jahrhunderts. Als Autodidakt machte Hauser zahlreiche Schwarzweiß-Fotografien im Stil des in den 1920er Jahren durch László Moholy- Nagy propagierten Neuen Sehens. So entstand die erste zusammenhängende Fotoreportage über das Ruhrgebiet.
127 Fotografien erschienen 1930 in seiner mittlerweile klassischen Beschrei-bung der Reise durch das Ruhrgebiet, dem Buch „Schwarzes Revier“. Das heute vergriffene Werk, eine antiquarische Kostbarkeit, wird aus Anlass der Ausstellung im Ruhr Museum in erweiterterForm wieder aufgelegt.
Die Ausstellung kann sich auf den Bildfundus des Sammlers Peter Geller stützen, der zahlreiche Negative von Hausers Fotografien und Abzüge aus den 1950er Jahren besitzt. Darunter befinden sich nicht nur Motive aus dem Buch, sondern auch viele andere, bisher nicht veröffentlichte oder kaum bekannte Fotografien. Die Ausstellung ist in fünf Kapitel gegliedert: I. „Landschaft“, II. „Städte“, III. „Leben als Arbeiter“, IV. „Ernte und Vorfrühling der Industrie“, V. „Zeche, Hochofen, Kokerei, Drahtwalzwerk, Gleisanlagen“. Die Kapitel lehnen sich in der Abfolge von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion, von der Totalen zum Detail, an die Anordnung der Fotografien im Buch von 1930 an. Die Textzitate zu den Kapiteln stammen aus Heinrich Hausers Buch „Schwarzes Revier“.
Alle gezeigten Fotografien bis auf die beiden Porträts von Heinrich Hauser wurden von ihm selbst gemacht. Weitaus die meisten der Abzüge stammen aus dem Folkwang-Auriga Verlagsarchiv (Formate 17 x 23 cm und 28 x 38 cm). Zur Ergänzung von Bildfolgen wurden einige Reprints von Originalnegativen angefertigt, wenn kein Abzug aus den 1950er Jahren vorhanden war. Die Reprints werden in der Beschriftung als solche gekennzeichnet. Heinrich Hauser selbsthat die Bilder meistens nicht direkt zugeordnet. Es ging ihm um eine Typologie und nicht um topographische Zuschreibungen.
Peter Geller, dem Besitzer des Folkwang-Auriga Verlagsarchivs und Leihgeber aller Exponate, ist für seine großzügige Unterstützung sehr zu danken.
Die Ausstellung wird gefördert durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen der Projekte der Kulturhauptstadt RUHR.2010.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
6.079
Jo Schwalke aus Balve | 13.12.2010 | 01:03  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.