„Der tollste Musiker der Jetzt-Zeit“ beim moers festival

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  Moers: Festivalhalle |

moers festival gewinnt bedeutenden Preis


Am frühen Freitagabend eröffnete der diesjährige „Improviser in Residence“, Hayden Chisholm, mit dem Lucerne Jazz Orchestra die 44. Ausgabe des moers festivals. Hayden Chisholm lebt und arbeitet ein Jahr in Moers, er komponiert, er organisiert Konzerte und arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Moers und Umgebung.

Als „Artist in Residence“ fungierte der Saxophonist Colin Stetson, der an allen Tagen in unterschiedlichen Formationen auftrat. Am Freitagabend stand er mit seiner Lebensgefährtin Sarah Neufeldt auf der Bühne, am Samstag in einem Trio und am Sonntag mit einer orchestralen Großformation, die, absolut außergewöhnlich, Henryk Goreckis Symphonie der Klagelieder in ihrer eigenen Weise aufführte. Alle Auftritte Stetsons waren umjubelt, der Mann spielt Tenor-, Bariton-, Bass- und sogar Subkontrabasssaxophon in einer archaischen Weise, mit einer Urkraft, die einen, sollte man unmittelbar ungeschützt vor ihm stehen, wegbläst. Stetson spielt perfekt, wendet eine Zirkularatmungstechnik an, so dass mit einem zusätzlichen Kehlkopfmikro ein mehrstimmiges, faszinierendes Soundgebilde entsteht.

Neben den Großformationen (Eve Rissers White Desert Orchestra, Michael Mantlers Nouvelle Cuisine Big Band, Sara McDonalds Big Band, Mikko Innanens 10+ und das Trondheim Jazz Orchestra) setzen auch wieder Duos und Trios Glanzpunkte (sPacemoNkey, Peter Evans Pulverize the Sound).

Zehn Jahre Reiner Michalke

Im zehnten Jahr unter der künstlerischen Leitung von Reiner Michalke hat das Festival ein Niveau erreicht, dass seinesgleichen auf diesem Musik-Planeten sucht. Michalke fing im Jahr 2006 an, das Programm speziell auf die Improvisierte Musik hin auszurichten. Mit jedem Jahr wurde die Richtung klarer, mit jedem Festival wurden die Strömungen noch aktueller nach Moers transportiert. Viele Musiker wollen in Moers spielen, hier eine Auswahl zu treffen, wer denn gerade „en vogue“ ist und der Musik neue Impulse verschafft, darf als eine hohe Kunst bezeichnet werden. Michalke beherrscht diese Kunst und hat das Festival konstant peu à peu auf einen Gipfel gehoben, auf den alle anderen Festivals hinaufschauen.

Als besondere Auszeichnung erhielt das moers festival in diesem Jahr den prestigeträchtigen Preis der Europe Jazz Network verliehen. Die Jury lobt das Festival „ ... für seine programmatische Zielsetzung, sich immer wieder der Erneuerung und dem Experiment zu widmen und sich gleichzeitig seiner großen Geschichte treu zu bleiben“.

Sorgen, das man das erreichte Niveau nicht halten kann, muss man sich nicht machen. Die Musiker sind heutzutage nicht nur technisch hervorragend ausgebildet, sie sind in der Lage, ihre Erlebnisse, ihre Gefühle in der Musik zu verarbeiten und sie alleine oder vernetzt mit anderen Musikern auf allen Kontinenten weiter zu entwickeln. Oder man trifft sich in Moers. Der syrische Oud-Spieler Ziad Rajab legte am Sonntagnachmittag mit seinem Trio einen viel umjubelten Auftritt hin und spielte am nächsten Morgen bei den „morning sessions“ mit ihm völlig unbekannten Musikern. Die hohe Improvisationskunst des einzelnen ergab im Trio eine Win-Win-Situation für alle und die Zuhörer.

Lob für das Publikum

So entstehen neue Freundschaften und neue musikalische Zusammenarbeiten permanent beim moers festival. Die Bedingungen sind exzellent, die von Zuschauern wie Musikern hoch gelobte Festivalhalle will keiner mehr missen. Der Außenbereich wurde nach den ersten Erfahrungen deutlich vergrößert und wesentlich schöner gestaltet. Auch der Händlermarkt und die Gastronomie bekamen schönere Plätze. Das Festival hat eine neue Heimstatt und ist bereits im zweiten Jahr angekommen.

Und jedes Jahr sind die Musiker begeistert von der Sachkenntnis, der Empathie und Euphorie der Zuhörer. In Anlehnung an den erhaltenen Preis meinte Eve Risser, sollte es jemals einen Preis für das beste Publikum geben, dann müsste er zwingend nach Moers gehen. Auch Colin Stetson hielt nach seinem vierten Auftritt, einer 54-minütigen Solo-Nummer (!), eine feine Dankesrede, die zusammengefasst und sinngemäß sagte: Ihr seid die Besten! Wir hörten den Besten, Reiner Michalke nennt ihn stolz „ ... den tollsten Musiker der Jetzt-Zeit“.

alle Fotos: Heike Cervellera
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