„Info-Börse“ für Flüchtlingshilfe - damit Missverständnisse keine Chance mehr haben

Anzeige

Absolute Empörung am Telefon: Marlene W. aus Rheinberg kann sich vor Ärger kaum bremsen. Der Grund: Flüchtlingshilfe - Nein, danke.

Die Aufregung in ihrer Stimme ist unüberhörbar. Verständlich. Doch was genau steckt dahinter, will ich wissen. Ausgangssituation ist folgende: Marlene W. ist eine von vielen Bürgern, die Anteil nehmen, Anteil an dem, was nicht nur das Land, sondern auch die Medien überflutet. Unabsehbare Flüchtlingsströme, die auch den Niederrhein erreichen. „Da kommen Menschen von weither. Haben nichts. Ich habe zum Teil Bilder im Fernsehen gesehen, wo sie nicht einmal Schuhe trugen“, so die immer noch aufgebrachte Stimme am Telefon.

Und wie so viele Menschen dieser Zeit, packt auch sie einige Pakete mit den Dingen, die sie als sinnvoll empfindet, zu spenden. Darunter befinden sich Kleidungsstücke, Steppbetten, Handtücher, aber auch etwas für die Kleinen, wie zum Beispiel ein Kinderroller oder ein Fahrradhelm.

Ich bin beeindruckt von dem Umfang ihrer Pakete und die Auswahl, die sie getroffen hat. „Meine Eltern waren selbst Flüchtlinge“, betont sie, „ich weiß, wie sich Menschen fühlen, die alles verloren haben und weiß, wie dankbar sie waren, als man ihnen half.“

So weit, so gut. Doch was nun folgt, verschlägt selbst mir die Sprache: Nachdem sie bei verschiedenen Organisationen in Moers und Rheinberg angerufen hat, steht sie kopfschüttelnd immer noch zu Hause vor ihren Paketen. „Nicht nur, dass man mir gesagt hat, dass man meine Sachen nicht haben wolle, hat man mich mit einem so unverschämten Ton bedacht, dass mir wirklich die Worte fehlten. Die haben mich wie Dreck behandelt.“

Und ja, im ersten Moment fehlen auch mir die Worte angesichts einer so eklatanten Paradoxie. Erst der Aufruf nach Spenden und nun eine Verweigerung der Annahme.
Doch bei genaueren Hinschauen ist die Tatsache, dass eine absolute Überforderung dabei herrscht, Strukturen und Abläufe sinnvoll zu etablieren, Grund für diese unzureichende und schwierige Situation. Denn in welche Stadt man derzeit schaut, sind die Organisatoren durch die Bank überfordert, denn niemand hat auch nur im Entferntesten mit diesem Flüchtlingsansturm gerechnet.

Ergo: Keine Stadt hat sich auf eine solche Situation adäquat vorbereiten können. Auf Nachfrage bei den Organisatoren für Flüchtlingshilfe hören wir immer das gleiche. Ja, es stimmt, wir müssen Menschen mit Sach- und Kleiderspenden häufig abweisen, weil man einfach keine Kapazitäten mehr habe. Oft stünden Menschen mit Kisten vor der Tür, die allesamt vertröstet würden, zu warten, bis man einen geregelten Ablaufplan etabliert hätte. Die Städte arbeiten auf Hochtouren. Dennoch - und das muss einfach klar sein - ist es absolut unwürdig, Menschen, die offenen Herzens helfen und spenden wollen, in solch einem Ton abzufertigen.

Um solche Situationen in Zukunft zu vermeiden, hat das Wochen-Magazin eine Art „Info-Börse“ zusammengestellt, die einen Überblick darüber verschaffen soll, welche Ansprechpartner die richtigen sind. Da es in einigen Städten noch keine klare Verteilung gibt, beansprucht diese Übersicht keine Vollständigkeit, wird aber mit fortlaufenden Entwicklungen selbstverständlich vom Wochen-Magazin regelmäßig aktualisiert.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.