Bürgerinitiative „Moers unter Hochspannung“ macht sich Sorgen um die Zukunft

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vl. stellver. Vorsitzender Bernhard Schellen und 1. Vorsitzender Helmut Breitfeld.
 

Meerfeld. Die Regenbogenschule liegt schön abseits an mehreren Feldern und in der Nähe zum beliebten Rodelberg. Viel Platz also zum Spielen für die Grundschüler. Wären nicht genau über ihnen mehrere Strommasten.

Diese Strommasten sind natürlich nicht erst seit gestern da, sondern bereits seit 1926, wie Helmut Breitfeld, Erster Vorsitzender der Bürgerinitiative Moers unter Hochspannung berichtet: „Damals gab es allerdings noch keine konkreten Vorschriften zum Bau von Umspannungswerken. Die sind erst 1935 entstanden.“ Zu der Zeit war weder von einer Schule noch von dem angrenzen Kindergarten die Rede. Ganz im Gegenteil, „damals war hier alles noch plattes Land, da gab es auch noch kein Utfort und Meerfeld in der heutigen Ausdehnung.“


Seit den 70er Jahren Beschwerden der Bewohner


Mittlerweile hat sich einiges verändert. Es wurde viel gebaut in den letzten Jahren und 1980 ist zudem eine zweite Trasse entstanden. Damit begannen auch die Beschwerden, wie Breitfeld weiß: „Bereits in den 70er Jahren gab es Bedenken der Anwohner. Durch die Energiewende sollen die Leitungen vom Anbieter Amprion verstärkt werden und die Trassen erneut ausgebaut werden – ein Unding.“ Bernhard Schellen, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative, macht es anhand eines plastischen Beispiels deutlich: „Stellen Sie sich vor, wir machen eine Badewanne voll mit Wasser, in der sie aber auch noch rein müssen, ohne dass das Wasser überläuft. Dreiviertel voll war die Wanne bereits 1980 und jetzt soll sie komplett vollgemacht werden in der Hoffnung, das wir irgendwie mit schwimmen.“

Eine Alternative wäre für die Bürgerinitiative, die mittlerweile bereits 150 Mitglieder umfasst, eine Trassenführung entlang der A42 oder eine Verlegung von Erdkabeln, wie es in Bayern bereits üblich ist: „Warum klappt es denn in Bayern und hier nicht? Sind wir Bürger zweiter Klasse?“ fragt Schellen verärgert. Die Konsequenzen sind vielseitig: „Das Schlimme ist, dass man nicht direkt krank wird, sondern verspätet. Umso öfter und länger ich mich hier unten den Masten aufhalte, umso höher die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung“, so Breitfeld. Die Bürgerinitiative verweist dafür auf einen Vortrag von Dr. Philippe Roch vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, indem er mitteilt, dass „die Wissenschaft sich weitestgehend einig ist, dass Hochspannungsleitungen bereits ab einem Strahlungswert von 0,4 Mikro-Tesla krebserregend sein könnten.“ Schellen und Breitfeld sind sich einig: „Man hätte hier niemals die Schule und die Kindertagesstätte bauen dürfen.“

Laut Amprion keinerlei Gefährdung


Auf Anfrage vom Wochen-Magazin teilt Andreas Preuß, Pressesprecher von Amprion mit, das „im Planungsverfahren auch alternative Trassenführungen geprüft werden, wie zum Beispiel entlang der A42. Ob diese Trasse „bürgerfreundlicher“ wäre, kann letztlich erst die Prüfung dieser Variante ergeben. Allerdings wohnen entlang der Autobahn auch Menschen, die dieselben Rechte haben wie die Anwohner an der bestehenden Trasse.“ Eine Erdkabelverlegung sei in Meerfeld zudem nicht möglich, da es sich dabei bisher nur um einen Pilotbetrieb handele: „Da die Technik auf dieser Spannungsebene bisher nicht getestet ist, hat der Gesetzgeber Pilotstrecken vorgesehen. Dazu gehört die Leitung in Moers nicht“, so Preuß. Auf Anfrage, ob es richtig ist, dass es zu heutigen Zeitpunkt keine Genehmigung mehr gäbe, da der Mindestabstand von 400 Metern nicht eingehalten werde, erklärt Preuß, dass es sich um eine Bestandstrasse handele und daher „Bestandsschutz besteht.“ Abschließend weist der Pressesprecher des Unternehmens daraufhin dass der „Grenzwert für magnetische Felder in der gesamten Europäischen Union bei 100 Mikrotesla liegt. Der deutsche Gesetzgeber hat diese Werte bei der Novellierung der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung 2015 noch einmal bestätigt. Auch auf Grundlage von Empfehlungen des zuständigen Bundesamtes für Strahlenschutz. Die Weltgesundheitsorganisation hatte vorgeschlagen, die Grenzwerte auf 200 Mikrotesla zu erhöhen, da es keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die auf eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch magnetische Felder der Höchstspannungsleitungen hindeuten.“

Eine Gefährdung soll also demnach nicht entstehen beziehungsweise vorhanden sein. So ganz geheuer ist es einem aber trotzdem nicht, wenn man unter den bedrohlich nah wirkenden Strommästen steht und das laute Zurren hört.

Alle Fotos: Heike Cervellera
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