Die drei Nachbarstädte ziehen an einem Strang

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Die Bürgermeister der drei Nachbarstädte stellten im Rathaus Langenfeld ihr neues Kooperationsmodell in Sachen Bildung vor. Von links: Frank Schneider, Birgit Alkenings und Daniel Zimmermann. Rechts im Bild der künftige Geschäftsführer der neuen gGmbH, Olaf Schüren, der seither in Hilden erfolgreich arbeitet. Foto: Stephan Köhlen
Schritt gehen die drei Nachbarstädte Hilden, Langenfeld und Monheim: Ab 1. Januar 2015 wollen sie gemeinsam eine Bildungsgesellschaft betreiben, die ein Ziel hat: Junge Menschen besser und gezielt in Lohn und Brot zu bringen.

Von Elfie Steckel

Unter dem Titel „Bildung ³“ wollen die drei Städte aus dem Südkreis im neuen Jahr den vermutlich landesweit einmaligen Schritt wagen. Und davon sollen und wollen alle drei profitieren. Hildens Beigeordneter Reinhard Gatzke formulierte es so: „Wir sind ein starker Wirtschafts- und Bildungsstandort, und das wollen wir offensiv und aktiv zum Ausdruck bringen. Wir alle drei haben das gleiche Ziel, nämlich junge Leute in Arbeit zu bringen!“

In einem gemeinsamen Pressegespräch im Langenfelder Rathaus stellten die drei Bürgermeister Birgit Alkenings aus Hilden, Daniel Zimmermann aus Monheim und Frank Schneider aus Langenfeld das Projekt vor, das künftig weit mehr als 600 junge Leute jedes Jahr profilieren wird. Schon seit Jahren – teilweise auch schon seit Jahrzehnten – machen alle drei Städte diverse Angebote (Gemeinnützige Jugendwerkstatt Hilden, Gemeinnützige Gesellschaft gegen Arbeitslosigkeit Langenfeld und Jugendwerkstatt Monheim). Immer geht es um Jugendförderung und -bildung, besonders für benachteiligte Jugendliche, meist auch ohne Schulabschluss. Doch alle haben auch das gleiche Problem: Allein sind ihre entsprechenden Einrichtungen zu klein, um an Ausschreibungen erfolgreich teilnehmen zu können.

„Wir sind uns schnell einig geworden, dass wir viel besser gemeinsam handeln können, um Jugendliche fit zu machen für den Arbeitsmarkt“, fasste Schneider die Gespräche zusammen, die seit etwa einem Jahr zum Zustandekommen der Kooperation aller drei Einrichtungen beigetragen haben. Jetzt stehen alle Beteiligten in den Startlöchern. Die Zustimmung der Kommunalpolitiker fehlt noch – doch das dürfte nach Ansicht aller drei Bürgermeister kein Problem sein.

Birgit Alkenings nannte einige Beispiele der praktischen Arbeit, die auch durch Förderung der Jobcenter oder der Agentur für Arbeit unterstützt werden, so die Unterstützung beim Schulbesuch, Qualifikation und Beratung, Maßnahmen zur Fachkräftesicherung, Eingliederungsmaßnahmen, Integration Behinderter und vieles andere mehr. Teilweise können diese Maßnahmen auch durch weitere städtische Einrichtungen wie die Volkshochschulen unterstützt werden.

„Zu dritt sind wir wirtschaftlich gesehen effizienter als jeder einzelne“, so kommentierte Daniel Zimmermann das Ziel der Kooperation. Als Netzwerkpartner wirke man über die Stadtgrenzen hinaus. Gemeinsam könne man ein vergrößertes und detaillierteres Angebot an die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in den Beruf machen.

Auf die Frage nach der Zahl der Jugendlichen, die von „Bildung ³“ profitieren, wurde eifrig gerechnet. Langenfelds GGA-Geschäftsführer Ulrich Moenen hatte andere Zahlen aus Berufsvorbereitung, Schulklasse und Hauswirtschaft zu addieren als Simone Feldmann aus Monheims Kinder- und Jugendförderung oder als Olaf Schüren, derzeitiger Geschäftsführer der Hildener Jugendwerkstatt und künftiger neuer Geschäftsführer der fusionierten GmbH, doch alle Beteiligten stimmten im Gespräch darin überein, dass es in jedem Fall mehr als 600 junge Leute sein werden, eher wahrscheinlich 800, die künftig Nutzen aus der Gesellschaft ziehen. Die Erfolgsquote von vermittelten Jugendlichen ist übrigens erfreulich hoch: Je nach Maßnahme zwischen 60 und 80 Prozent.

Schüren konstatierte: „Der Schulabschluss allein garantiert heute überhaupt nichts mehr. Wir wollen den jungen Leuten eine Perspektive geben, denn ohne diese Chance geht die Konjunktur an unserer Klientel völlig vorbei!“ Und Bürgermeisterin Alkenings betonte: „Wir bauen auch auf unsere Netzwerke mit den ortsansässigen Unternehmen“.


Kommentar:

Gemeinsam stark

Verblüffend, was möglich ist, wenn die Politik die eingefahrenen Gleise verlässt – und wenn sich die handelnden Personen über die starren Parteigrenzen hinweg setzen. Da vereinbaren eine SPD-Frau, ein CDU-Mann und ein jugendlicher Aufbegehrer („Peto“: „Ich fordere!“) eine garantiert viel beachtet werdende Kooperation ganz einfach zum Wohle hunderter junger Leute in ihren Städten, ohne zuvor das Plazet ihrer Stadträte einzuholen, nur mit dem Sachverstand ihrer Fachleute aus der Verwaltung, und wollen sie auch noch in knapp zwei Monaten in die Tat umsetzen.
Recht haben sie. Handeln ist gefragt und Menschen, die jungen Leuten eine Perspektive aufzeigen, die sie sonst nicht hätten, die ihnen zeigen, dass sie ihr Leben aus eigener Anstrengung finanzieren können. Und das kommt die beteiligten Städte um ein Vielfaches günstiger als Sozialhilfe, die sie im anderen Fall über Jahrzehnte an diese heutigen Jugendlichen zahlen müssten.
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