Bücherkompass: Andre Comte-Sponville - SEX - Eine kleine Philosophie

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Der Autor
Herr Comte-Sponville geht in diesem Buch der Frage auf den Grund, was Sex in der Philosophie bedeutet.

Warum fällt es den Menschen so schwer, über Sexualität zu reden, geschweige denn, sie vor anderen Augen zu praktizieren? Weil man, wie auch beim Tod, nicht weiss, was in dem anderen vorgeht?

Die erste Hälfte beschäftigt mit den unterschiedlichen Standpunkten bekannter, junger sowie alter Philosophen. Fast alle Philosophen von Epikur bis Spinoza, nennen sie ein Übel, das man am besten nicht praktiziert. Im Grunde sei die Erfüllung der Sexualität nur ein Abwenden von Schmerz.
„Unser Wohlsein ist nichts anderes als die Abwesenheit von Unwohlsein!“
Einzig Montaigne sieht es anders. Er tut seiner „Fleischeslust“ Genüge, statt sie zu bekämpfen.
Schopenhauer sieht die Sexualität als den höchsten Ausdruck des Willens zu Leben. Er reduziert sie auf den Fortpflanzungstrieb. Das wirft die Frage auf, wozu dann noch Liebe?Kommt die Liebe noch hinzu, wird nicht nur die Quantität gesichert, sondern auch die Qualität. Und beantwortet damit auch die Frage nach dem häufigen Scheitern von Liebschaften.
Eine weitere Frage ist die nach der Erbsünde. Warum sucht die Religion die Schuld vor allem bei den Genitalien und dem Sex und nicht bei anderen Organen oder Funktionen?Desweiteren versucht er zu ergründen ob nun Nietzsche mit seiner These, das die Unterwerfung der Frau oder aber nach Spinoza die Dominanz des Starken (Mannes) zum Ziel (Erhaltung der Art) führen.
Dabei musste ich immer an meine Mutter und einen ihrer Sinnsprüche denken ,-) „Der Klügere gibt nach!“
Diesen Teil schliesst er mit einem Zitat von Kant ab, das ich auch nennen möchte:
„Geschlechtsgemeinschaft ist der wechselseitige Gebrauch, den ein Mensch von eines anderen Geschlechtsorganen und Vermögen macht!“

Die zweite Hälfte geht auf die einzelnen Aspekte der Sexualität ein.
Er trifft die Aussage das die Sexualität ohne Liebe eine bestürzende Ähnlichkeit mit Hass hat.
Auch die verschiedenen Gewichtungen der Sexualität von Männern und Frauen versucht er zu ergründen. so sagt er beispielsweise, das Männer zu allem bereit seien, um mit einer Frau zu schlafen, sogar zur Liebe. Frauen hingegen seien, um zu lieben und geliebt zu werden, zu allem bereit, sogar dazu, mit einem Mann zu schlafen..
Immer wieder kommen Tod und Tiere vor. Tiere als das was wir sind, und die Sexualität OHNE Erotik als mittel zum Zweck, der Tod quasi als der Zwilling der Sexualität.

Ich habe das Buch mit einem leichten Schmunzeln gelesen, denn es ist nicht gänzlich ohne Humor geschrieben. Im zweiten Teil ist es etwas langatmiger als am Anfang.
Jedoch im grossen und ganzen hat es mir keine NEUEN Erkenntnisse beschert, wohl aber die vorhandenen vertieft und in andere Zusammenhänge gebracht. Manches lässt mich nachdenken, anderes widerspricht meiner Auffassung.
Insgesamt wäre es ein Buch für Zwei. Sicherlich kann man gut darüber diskutieren. Mit seinem Partner oder Freunden. Es ist für beides geeignet, sogar für schamhafte Menschen ,-))
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