Der Nächste, bitte! Aus der Praxis des EKM. Heute: Hepatitis C.

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Hepatitis C wird vor allem durch Blut übertragen. (Foto: Foto: PR-Fotografie Köhring)
 
Prof. Dr. Philip Hilgard (Foto: Foto: PR-Foto Köhring)

Holger B. hat Glück gehabt, dass die Krankheit bei ihm frühzeitig diagnostiziert wurde. Denn Menschen, die an Hepatitis C leiden, verspüren in der ersten Phase oft keine Beschwerden. Holger B. fühlte sich zwar müde und abgeschlagen und hatte Gelenkschmerzen, aber diese Beschwerden ordnete er einem grippalen Infekt zu. Sein Hausarzt stellte die Krankheit bei einer Vorsorgeuntersuchung fest.

Die Hepatitis C ist eine Infektionskrankheit, die durch einen Virus ausgelöst wird. „Typische Beschwerden, die auf eine Hepatitis C hinweisen können, sind eine Dunkelfärbung des Urins, eine Hellfärbung des Stuhls und Gelbsucht, aber nur wenige Betroffenen haben diese Beschwerden, bevor eine Leberzirrhose entstanden ist“, sagt Prof. Philip Hilgard, Chefarzt der Medizinischen Klinik für allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am Evangelischen Krankenhaus Mülheim (EKM).

Viele leiden nur unter ähnlichen und damit unspezifischen Symptomen wie Holger B. und wissen daher nichts von ihrer Erkrankung. Dabei ist es wichtig, Hepatitis C frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, denn aus einer akuten Krankheit kann sich schnell eine chronische Infektion entwickeln.

Der Verdacht auf eine Hepatitis C-Erkrankung entsteht oft, wenn im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen die Leberwerte im Blut überprüft werden, so wie bei Holger B. Spezielle Tests in einem medizinischen Labor können diesen ersten Verdacht bestätigen. Und dann kann die Behandlung beginnen. „Seit 2014 sind neue Wirkstoffe auf dem Markt, mit denen die chronische Hepatitis C zuverlässig geheilt werden kann“, sagt Prof. Hilgard. „Das war ein entscheidender Durchbruch in der Therapie.“

Gute Heilungschancen

Die Therapie mit den seitdem neu zugelassenen Medikamenten haben praktisch keine Nebenwirkungen – anders als die bis dahin verwendeten Medikamente. Außerdem ist die Therapiedauer mit acht bis zwölf Wochen recht kurz. „Und die Heilungsrate bei der erstmaligen Therapie liegt bei über 95 Prozent“, sagt Prof. Hilgard. Das heißt, bei fast allen behandelten Patienten sind nach drei Monaten keine Hepatitis-C-Viren mehr nachweisbar. Holger B. hat also gute Chancen, geheilt zu werden.

„Aber auch Patienten, die bereits eine Leberzirrhose haben, haben dank der Therapie mit den neuen so genannten direkt antiviral wirksamen Medikamenten (DAA) sehr gute Heilungschancen“, sagt Prof. Hilgard. Die Leberzirrhose entsteht oft, wenn eine chronische Hepatitis C nicht erkannt und behandelt wird. Bei einer solchen Leberzirrhose kommt es zur Bildung von Narbengewebe in der Leber und die Funktion des Organs – wie die Entgiftung des Körpers und die Bildung der Eiweiße für die Blutgerinnung – kann stark eingeschränkt werden. „Dass auch diese Patienten nun sehr gute Heilungschancen haben, ist eine äußerst positive Nachricht“, sagt Prof. Hilgard. Und er betont die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen, das heißt die Kontrolle von Leberwerten beim hausärztlichen "Check Up".
Das Risiko einer sexuellen Übertragung ist, im Gegensatz zu Hepatitis B, gering. Eine Impfung gibt es bislang nicht.
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