Aufregung in der Heimaterde - BV verschiebt Beschlussfassung

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Die Anwohner im Finkenkamp können noch einmal über die Varianten diskutieren. (Foto: PR-Foto Köhring/KP)
 
Karsten Heuser, Bezirksbürgermeister Arnold Fessen, Andreas Pape und Helmut Voß (von links) informierten über die Möglichkeiten der Straßenerweiterung in der Kolumbusstraße und im Finkenkamp.

Die Ankündigung der Stadt, Abschnitte der Straßen Kolumbusstraße und Finkenkamp in der Heimaterde zu erneuern, sorgt für Aufregung. Auf einer Bürgerversammlung, organisiert von der Siedlervereinigung Heimaterde, informierte die Stadtverwaltung über die Pläne.

Am Ende der Veranstaltung im Krug zur Heimaterde herrschte Unmut und Unzufriedenheit.
Helmut Voß, Andreas Pape und Karsten Heuser vom Amt für Verkehrswesen und Tiefbau hatten am vergangenen Donnerstag keinen leichten Stand, als sie die Baumaßnahme vorstellten.
Die Kosten der Erneuerung liegen im Finkenkamp bei rund 350.000 Euro. Einen Großteil davon müssen die Anwohner tragen. „Im Durchschnitt sind das rund 5000 Euro“, bezifferte Heuser den jeweiligen Anteil. Die Baumaßnahme im Kolumbusstraße (zwischen Sunderweg und der bereits gepflasterten Straße) veranschlagt die Verwaltung mit rund 350.000 Euro. Wegen der größeren Grundstücke zahlen die Anwohner anteilig Beträge, die zwischen 6000 und 8500 Euro liegen. Ein Raunen der rund 100 Besucher ging durch den Saal.
Da war es dann auch kein Trost, dass nach der Erneuerung für zirka 45 Jahre keine neuen Straßenbaukosten auf die Eigentümer zukommen.

Die Straßen haben ihr Alter erreicht

Grund für die Erneuerung sei das Alter der Straßen, erläuterte Voß. Im Rahmen der Erschließung baute das zuständige Unternehmen seinerzeit die Straßen und übergab sie Ende der 50er-Jahre an die Stadt. Mit dem Fällen der angeschlagenen Bäume nach dem Sturm Ela rückte die längst fällige Erneuerung der Straßen in der Prioritätenliste der Verwaltung nach oben. Denn nun konnte der Grünstreifen, auf dem die Bäume standen, planerisch zur Erweiterung beider Straßen herangezogen werden. Die ist nötig, weil diverse Gesetze heute eine entsprechende Straßenbreite vorsehen. Außerdem entsprächen weder die heutige Asphaltdecke noch der Unterbau den gesetzlichen Anforderungen an eine verkehrssichere Straße.

Straße für Müllwagen zu eng


Hinzu kämen Probleme mit der Müllabfuhr. „Die MEG benötigt für ihre Fahrzeuge eine Netto-Mindeststraßenbreite von 3,55 Metern, um für die Müllwerker entsprechende Sicherheitsräume zu schaffen.“ Die seien aber bereits jetzt nicht vorhanden, weil parkende Autos die Straßen verengen. Rechne man die parkenden Autos mit ein, werde eine Straßenbreite von 5,55 Metern benötigt. „Die MEG ist auf Dauer nicht mehr bereit, ihre Mitarbeiter zu gefährden“, sagte Voß. Bliebe es beim jetzigen Stand, müssten die Anwohner ihre Abfalltonnen künftig zu einem Sammelplatz an einer gefahrloseren Stelle bringen. Einen Einsatz kleinerer Müllwagen schließe die MEG aus, sagte Voß auf Nachfrage von Bürgern, weil diese die Abfallentsorgung für alle Bürger erheblich verteuern würde. Alternativ könnten Parkverbotsschilder aufgestellt werden. „Aber weder das eine noch das andere kann in Ihrem Interesse sein“, betonte Voß.

Parkbuchten einbauen

Deswegen plädiere die Verwaltung in der Kolumbusstraße für die Erneuerung und ausgewiesene Parkbuchten. Allerdings könnte auch in diesem Fall nicht überall geparkt werden, weil es an einigen Stellen Engpässe gebe. Im Rahmen der Sanierung fiele auch das eingebaute Plateau weg, das vor allem von den Rettungskräften kritisiert werde.
„Wir wollen den gewonnenen Platz nach dem Fällen der Bäume nun nutzen und beide Straßen, wo immer es geht, entsprechend breiter machen, damit die Müllwagen passieren können und an vielen Stellen geparkt werden kann“, erläuterte Voß.

Pflaster statt Asphalt

In beiden Straßen schlägt die Verwaltung vor, auf eine Asphaltierung zu verzichten. Stattdessen soll Pflaster gelegt werden, das rund vier Euro pro Quadratmeter günstiger ist. Diese Variante sorgte für Zustimmung.
Für den Finkenkamp stellte die Verwaltung zwei Lösungen vor: Die eine sieht vor, den bestehenden Fußweg in die Verkehrsfläche mit einzubinden, so dass eine Verkehrsmischfläche entsteht. Auf ihr könnte eine Geschwindigkeits-begrenzung auf sieben Stundenkilometer festgesetzt werden. In dieser Variante würde die meisten Parkplätze entstehen. Außerdem verhindere sie zu schnelles Fahren. Die Variante zwei sieht den Erhalt des Bürgersteiges vor. Das würde dazu führen, dass nur an sehr wenigen Stellen Parkbuchten gebaut werden können.

Nach einer rund einstündigen Fragerunde zu beiden Straßen, fragte die Politik die Anwohner des Finkenkamp, welche Variante sie bevorzugen.
Bei der Abstimmung plädierte die Mehrheit für den Erhalt des Bürgersteiges. Das dies die Variante mit dem größten Parkplatzverlust ist, war vielen nach der langen Diskussion nicht mehr bewusst.

Beschluss in den Januar verschoben


Eigentlich wollte die Bezirksvertretung am kommenden Donnerstag, 1. Dezember, eine Entscheidung über die Erneuerung der beiden Straßen herbeiführen. Bezirksbürgermeister Arnold Fessen kündigte nach der Bürgerversammlung an, eine Beschlussfassung auf die Januarsitzung zu verschieben. Damit erhalten die Anwohnern des Finkenkamp noch einmal die Gelegenheit, die entsprechenden Varianten zu diskutieren und abzuwägen.

Viele Bürger verließen unzufrieden die Versammlung. Vor allem die Fragen, warum ausgerechnet nach Sturm Ela nun plötzlich die Straße erneuert werden müsse, und die Fragen ob ohne Sturm ebenfalls saniert worden wäre, und wie eine Sanierung dann ausgesehen hätte, blieb nach ihrer Ansicht unbeantwortet. Aber auch die Tatsache, dass nun plötzlich die Müllabfuhr Probleme hätte, obwohl die Müllwerker seit über 40 Jahren immer den Abfall abgeholt hätten, stieß auf Unverständnis.
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