"Wir wollten das Brauhandwerk nicht sterben lassen"

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Das Schwelmer gibt es leider nicht mehr. Foto: Jarych
 
Roman Voss und die anderen Mitglieder des Vereins für Erhalt und Förderung der Schwelmer Brautradition stellen das "Use Beerken" her. (Foto: privat)

2011 ist als eines der schwärzesten Jahre in die Geschichte der Stadt Schwelm eingegangen. Die traditionsreiche Schwelmer Privatbrauerei, die seit Mitte der 90er Jahre immer wieder von der Schließung bedroht gewesen war, schloss endgültig ihre Pforten. Damit ging eine Brautradition, die durch Johannes Klein begründet worden war, zu Ende.

Vor der Schließung hatte sich im Online-Netzwerk Facebook eine Gruppe gegründet, um sich für den Erhalt der Brauerei einzusetzen. Daraus ging der Verein für Erhalt und Förderung Schwelmer Brautradition hervor. Die Abwicklung der Schwelmer Traditionsbrauerei konnte der Verein zwar nicht stoppen. Doch die Vereinsmitglieder machten weiter und beschlossen, die Brautradition ihrer Heimatstadt zu bewahren und selber Bier zu brauen.

Die Schotten haben ihren Whisky, die Franzosen ihren Wein – wenn man ein Volk über seine Getränkekultur definiert, dann ist Deutschland wohl das Land des Bieres. Im April 1516 trat die wohl älteste Lebensmittelverordnung der Welt in Kraft: das deutsche Reinheitsgebot für Bier, das besagt, dass für dessen Herstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser – später erweitert um Hefe – verwendet werden dürften. Das Reinheitsgebot hat sich bis heute im Biergesetz der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

Der Gerstensaft wird nicht nur hierzulande geschätzt, aber für viele Deutsche ist Bier mehr als nur ein Getränk, sondern Kulturgut. Kein Wunder, werden doch überall in Deutschland die unterschiedlichsten Biere gebraut – auch in unserer Region. Der Schwelmer Johannes Klein gründete seine Brauerei 1830. 1867 verkaufte Klein seine Brauerei. Seit 1897 wurde dort das Schwelmer Ur-Pils hergestellt. 1904 stellte das Unternehmen von Holzfässern auf Emaillegefäße um. Als 1997 Veltins Eigentümer der Traditionsbrauerei wurde, läutete dies das Ende ein.

Die Übernahme durch die Lohbeck-Gruppe konnte das Aus des heimischen Gerstensaftes nicht verhindern. 2009 wurde der Insolvenzantrag gestellt, zwei Jahre später war endgültig Schluss: Schwelm hatte sein wohl bedeutendstes Wahrzeichen verloren. Bis auf die denkmalgeschützten Teile sind Gebäude der Brauerei abgerissen, brautechnische Anlagen demontiert worden.

„Wir wollten das Brauhandwerk nicht sterben lassen“, erklärt Roman Voss, erster Vorsitzender des Vereins für Erhalt und Förderung der Schwelmer Brautradition, warum er und seine Mitstreiter selber Bier herstellen. Damit schwimmt der Verein auf einer Welle, die – mutmaßlich – auch die Brauertei hätte retten können. Denn regional hergestellte Biere von kleinen, unabhängigen Brauereien werden mittlerweile genauso angefragt wie die Erzeugnisse des sogenannten Craft Brewings.

Zunächst ging es darum, den Verein aufzubauen. Seit Ende 2012 brauen Roman Voss und die anderen Vereinsmitglieder ihr eigenes Bier. „Das ist keine große Kunst“, sagt Voss. Im Internet findet man Anbieter, welche die notwendigen Zutaten liefern und auch anschaulich erklären, wie Bier gebraut wird: vom Maischen über das Läutern und das Hopfenkochen bis zur Gärung und Flaschenreifung. So macht das auch der Verein. „Wir haben einfach angefangen“, erzählt Voss. Es wurde ein Brausatz im Internet bestellt und in der Folgezeit mit unterschiedlichen Gersten- und Hopfenarten experimentiert. „Was uns am besten geschmeckt hat, dabei sind wir geblieben“, sagt Voss.

Der Verein stellt ein dunkles, naturtrübes, obergäriges Bier her: „Use Beerken“ – also „unser Bierchen“ – heißt es, im Prinzip ein Altbier. Unverdünnt hat es einen Alkoholgehalt von 7,7 Prozent. Es wird auf circa 5 Prozent runterverdünnt, bevor es in 0,3-Liter-Flaschen abgefüllt wird. „Wir brauen hauptsächlich für den Verein. Verkaufen dürfen wir es nicht“, sagt Voss. Das soll sich aber ändern – nicht um mit „Use Beerken“ Profit zu erwirtschaften, sondern um in absehbarer Zeit ein eigenes Vereinsheim finanzieren zu können. „Dort könnte man zum Beispiel Brauseminare machen“, sagt Voss.

Der Verein organisiert bereits regelmäßig Veranstaltungen. So gab es im Juni den ersten öffentlichen Brautag. Kürzlich gab es die erste Schwelmer Brauschau, aber der neben dem „Use Beerken“ auch andere Bierkreationen aus der Region verkostet wurden. „Es wäre schön, wenn sich das etabliert“, sagt Voss. Und wenn es das „Use Beerken“ in naher Zukunft vielleicht zu kaufen gibt.
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