L 519 in Stemel zur schlechtesten Landesstraße im HSK gekürt

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Daumen runter für die L 519, die die IHK jetzt zur schlechtesten Landesstraße im HSK kürte (v.l.): Hans-Jürgen Schauerte (Ortsvorsteher Sundern), Hubertus Gössling (IHK Verkehrsausschuss), Dr. Ilona Lange (IHK-Hauptgeschäftsführerin) und Bürgermeister Detlef Lins.
 
Spurrillen, Schlaglöcher, brüchige Bankette - die L 519 in Stemel ist in einem desolaten Zustand

„Gute Straßen sind essentiell“, brachte es Dr. Ilona Lange, Haupteschäftsführerin der IHK, auf den Punkt. Der IHK-Verkehrsausschuss hat jetzt die L 519 zwischen Sundern und Hachen als schlechteste Landesstraße im HSK prämiert.

„In der Region Südwestfalen gibt es mehr als 140 Weltmarktführer. Südwestfalen als drittstärkste Industrieregion Deutschlands ist mit dem eher grobmaschigen Bundesstraßennetz auf die Landesstraßen angewiesen“ , machte Dr. Ilona Lange deutlich.
„Die L 519, über die der Industriestandort Sundern an die A 46 angebunden wird, weist zahlreiche Spurrillen und Schlaglöcher auf. Die Bankette ist teilweise brüchig und neigt sich stark zur Seite“, begründet der IHK-Verkehrsausschuss die Auszeichnung.
„Das Netz der Landesstraßen in Südwestfalen weist insgesamt einen überdurchschnittlich schlechten Zustand auf“, bestätigte auch IHK-Verkehrsreferent Stephan Britten, der während der Vorauswahl für den Verkehrsausschuss rund 400 km der Strecken selbst „erfahren“ hat. Während in NRW im Schnitt 42 Prozent der Landesstraßen in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand seien, reiche der Anteil im südwestfälischen Straßennetz an die 60 Prozent-Marke heran. „Es werden ca. 100 Mio. Euro pro Jahr für die Straßenerhaltung benötigt, um den Zustand des Landesstraßennetzes überhaupt nur zu erhalten“, erklärte Britten. „Ca. 130 Mio. Euro wären nötig, um den Zustand zu verbessern.“

Wichtige Verbindungsfunktion

Bei der IHK-Auswahl spielte nicht allein die Verkehrsbelastung eine Rolle, sondern auch die Verbindungsfunktion der Straßen. Die L 519 habe nicht nur für Unternehmen eine herausragende Bedeutung u.a. durch die Anbindung mehrerer Gewerbestandorte, sondern auch für Private, denn es gibt eine hohe Pendlerverflechtung mit dem Arnsberger Raum. Durchschnittlich 9169 Fahrzeuge befahren nach den letzten Messungen täglich den Ortsausgang Hachen, 14.631 den Ortseingang Sundern. Wirkliche Alternativen zu der Strecke gibt es nicht.
„Seit Jahren brennt dieses Thema den Unternehmen in der Region unter den Nägeln“, erklärte der Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses Hubertus Gössling. Bereits 2002 sei erstmals die schlechteste Landesstraße prämiert worden (L 541 in Eslohe), seitdem habe sich der Straßenzustand insgesamt weiter verschlechtert. „Wir fahren auf maroder Substanz.“

„Chronische Unterfinanzierung“

„Ausschlaggebend für diese höchst unbefriedigende Situation ist die chronische Unterfinanzierung des Landesstraßenbauetats“, betonte Gössling. Seit Jahren werde deutlich zu wenig investiert. Damit finde ein fortschreitender Substanzverzehr statt. „Rechtzeitige Instandsetzung könnte größere Folgeschäden verhindern und wäre damit ein Beitrag zur Kostendämpfung“, so der Arnsberger Spediteur.
Ändere sich an der Mittelausstattung nichts, müsste nach einer Untersuchung der Uni Siegen damit gerechnet werden, dass der Anteil von Strecken, die mit Warnschildern und Geschwindigkeitsbegrenzungen versehen werden müssen, weiter steigt.
Seit 25 Jahren wurde an der Stemeler Straße nichts mehr gemacht. Neben der starken Belästigung der Anwohner ergibt sich ein Gefahrenpotential auch durch längere Bremswege. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zustand der Straßen und der Unfallhäufigkeit“, machte Thomas Frye von der IHK aufmerksam. Ansprechpartner sei aber nicht Straßen NRW, so Frye mit Blick auf Düsseldorf - „was nicht an Mitteln da ist, kann auch nicht verbaut werden.“ Die IHK fordert daher eine zeitnahe und dauerhafte Aufstockung der Erhaltungsinvestitionen für das Landesstraßengesetz.
Auch Sunderns Bürgermeister Detlef Lins war zu dem Termin in Stemel gekommen.„Es ist eine Auszeichnung, die man nicht so gerne entgegen nimmt“, erklärte er im Konferenzraum der Fa. Lübke & Vogt nahe der prämierten Straße. Die L 519 sei von besonderer Bedeutung für die Stadt Sundern, die sich seit Jahren um Ortsumgehungen für Stemel und Hachen bemühe.

L 519 von besonderer Bedeutung für Sundern

„Ich bin der IHK Arnsberg daher dankbar, dass sie den Finger in die Wunde legt“. Mit Blick auf Eslohe äußerte Lins die Hoffnung, dass so ein Projekt auch angegangen werde, wenn man besonders darauf aufmerksam mache. In Eslohe war die L 541 nach der Prämierung zur schlechtesten Straße von Straßen NRW in das Instandhaltungsprogramm aufgenommen und schließlich saniert worden.
Sundern und auch Arnsberg sind in der Liste stark vertreten. „Wir werden das zum Anlass nehmen, auch in der Politik nochmals einen Fokus darauf zu legen und gemeinsam Druck zu machen“, erklärte Lins.

Einige Mitfavoriten auf der IHK-Liste:
HSK: L 537 (Ortsdurchfahrt Arnsberg-Holzen), L 544 (Arnsberg-Ainkhausen), L685 (In der Flamke, Sundern), L 686 (Sundern - Westenfeld), L 735 (Arnsberg-Wennigloh);
Soest: L 732 (Arnsberg-Neheim - Ense-Höingen), L 735 („Lattenberg“)
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