Sein Herz schlägt „Ping-Pong“: Günther Angenendt stellt seit 25 Jahren seine Tischtennis-Sammlerstücke aus

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Diesen silbernen Barna-Schläger, heute im Besitz von Günther Angenendt, erhielten die Dameneuropameister 1968 als Ehrenpreis.
 
Tischtennisschläger und Bälle, Maskottchen und Bücher präsentiert Günther Angenendt in seinem Zuhause. Zu seinen vielen Schätzen gehört auch das Programmheft der WM von 1926.

„Damals gab es noch kein Tischtennis“, lautete die Antwort von Günther Angenendt, als Bavaria Film vor Jahren historische Tischtennisschläger für einen Film über Sophie, Sissis kleine Schwester, von ihm ausleihen wollte. Er hat sie dann aber trotzdem zur Verfügung gestellt. Doch nicht nur im Fernsehen waren seine Sammlerstücke zu sehen. Seit 25 Jahren stellt der Höntroper sein mobiles Tischtennismuseum bei internationalen und nationalen Meisterschaften aus.

In Kürze wird er seine Schätze auch auf einer eigenen Webseite präsentieren. 14.000 Fotos hat der gebürtige Essener, der als Kind am heimischen Wohnzimmertisch mit dem Tischtennis begann und dessen größter sportlicher Erfolg 1999 der Vize-Europameistertitel im Doppel bei den Senioren war, dazu von seiner Sammlung angefertigt. Diese umfasst unter anderem 200 Schläger, 450 Bücher, 200 Wimpel, Pokale, Maskottchen, Programmhefte von nationalen, Europa- und Weltmeisterschaften, eine Autogrammsammlung sowie 4.500 Anstecknadeln.
Mit diesen Nadeln hat 1986 alles angefangen. Da nahm Angenendt zum ersten Mal an einer Senioren-WM teil und bekam von einem Spieler aus Wales eine Anstecknadel. „Es ist üblich, dass man dem Gegner eine Kleinigkeit gibt, aber ich hatte nichts“, erinnert er sich, dass er den Brauch nicht kannte. Bei der WM 1988 in Zagreb reiste er mit 20 Anstecknadeln an, die ihm die Stadt Essen zur Verfügung gestellt hatte. Zurück kam er mit 120 Nadeln.

Sammlung erweitert

Die nächsten 600 Nadeln erlangte er, als er die Sammlung der Familie Schlaf kaufte. Jupp Schlaf war Generalsekretär des Deutschen Tischtennisbunds (DTTB) gewesen, seine Frau Hannelore in den 1950er Jahren eine erfolgreiche Spielerin. Angenendts Sammlung ist wohl die größte private. „Nur das Museum der International Table Tennis Federation in Shanghai hat mehr“, so der 69-Jährige.
Die erste große Ausstellung seiner Nadeln präsentierte er 1992 bei der EM in Stuttgart. „Der DTTB hatte mich eingeladen.“ Seitdem stellte er die Pins und andere Sammlerstücke bei weiteren EM, nationalen und internationalen deutschen Meisterschaften aus. Dieses Jahr war er beispielsweise bei der Deutschen Meisterschaft sowie der Deutschen Seniorenmeisterschaft, und als nächstes folgen jetzt im August die andro-kids open, das größte europäische Jugendturnier.

Autogramme viele Weltmeister

Zu den Prunkstücken seiner Sammlung gehört ein Album von der WM 1989 in Dortmund. Mehr als 600 Autogramme der angetretenen Spieler sammelte er – inklusive dem des damaligen Titelgewinners Jan-Ove Waldner. Ein einzelnes Blatt mit 55 Unterschriften von der WM 1932 in Baden bei Wien hält Angenendt auch besonders in Ehren. „Ich konnte 50 Autogramme identifizieren. Es sind 18 Weltmeister darunter, welche, die es damals schon waren oder die es später noch wurden.“
Sein teuerster Kauf ist eine Goldmedaille von der WM 1939 in Kairo. 500 Euro hat er dafür bei einer Telefonauktion bezahlt. Die meisten Stücke seiner Sammlung hat Angenendt jedoch geschenkt bekommen, denn im Laufe der Jahre konnte er viele Freundschaften schließen, zum Beispiel zum früheren Präsidenten des neuseeländischen Tischtennisverbands und zur mittlerweile verstorbenen rumänischen Rekordweltmeisterin Angelica Rozeanu. Diese Kontakte sind es, was ihn am meisten an seinem Hobby fasziniert – auch wenn er manche Menschen nie persönlich kennengelernt hat. „Meinen chinesischen Tauschpartner kenne ich seit 15 Jahren, aber nur über das Internet. Ich habe ihn nie gesehen.“

Studenten und Gelehrte

Die umfassende Sammlung von Günther Angenendt lockt immer wieder Studenten nach Höntrop, die Dokumente für ihr Staatsexamen kopieren möchten. „Und Anfang des Jahres war ein jüdisch-polnischer Gelehrter hier“, erzählt der 69-Jährige. „Er hat über den Einfluss der jüdischen Tischtennissportler im polnischen Tischtennis recherchiert.“
Über die Historie des Sports, der ursprünglich gar kein Sport war, sondern ein Gesellschaftsspiel, kann Angenendt auch viel erzählen und hält die passenden Exponate bereit. Sie reichen vom mit Saiten bespannten Schläger von 1890 aus der Anfangszeit des Ping-Pong bis zum Regelbuch, das der Wiener Tischtennisverband 1926 herausgegeben hat.
Nach rund 30 Jahren Sammelleidenschaft hat sich Angenendt Gedanken über die Zukunft seines mobilen Museums gemacht. Bereits zwei Drittel seiner Sammlung hatte er im vergangenen Jahr der Werner Schlager Academy bei Wien als Dauerleihgabe übergeben. Doch das Tischtennis-Hochleistungs-Trainingszentrum ist insolvent, und jetzt erwartet Angenendt seine Leihgabe in diesen Tagen wieder zurück in Höntrop.

Kontakt:

- Interessenten, die das Tischtennismuseum von Günther Angenendt besuchen möchten, sind willkommen.
- Dazu ist eine Anmeldung unter ttanpp@gmx.de erforderlich.
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