Malmsheimer im Bühnenhaus: Wortgewaltiger Abend mit nz-Endungen und abgebundener Frappanz

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Immer skeptisch unterwegs, der Mann. (Foto: Jürgen Spachmann)
Die Wortgewalt ist sein Ding. Semantisch und artikulatorisch. Mit Kritik hinterm Berg halten? Wohin dann mit dem Adrenalin? 2010 waren's die "arktischen Fallwinde" auf der Hinterbühne, die ihn über Wesel nölen ließen. 2013 ließ er sich zu dieser lieblichen Beschreibung des Bühnenhausumfeldes hinreißen: „Der Außenbereich hat seit meinem letzten Besuch nicht wirklich gewonnen!“

Letztere Einlassung wiederholte der Künstler gerne zum Beginn seines aktuellen Programms Ermpftschnuggn trødå! - hinterm Staunen kauert die Frappanz. Meckern ist schließlich Malmsheimers liebste Passion. Aber die macht ihn auch irgendwie sympathisch.

So nölt er sich durch die Themen "aussterbendes Deutschland", Schlabberhosen, Männer um die Fünfzig, das Neandertal und die Sprachasylanz. Gibt's das überhaupt? Egal - Malmsheimer mag Substantive mit nz-Endung.

Geschmeidig erklärt er die Vater-Sohn-Problematik so: "Kinder fragen bloß, damit ihre Eltern Zugang zu anderen Themen bekommen!" Wundert sich (wie auch 2013) über die Konsistenz seines Erfrischungsgetränks: "Dieses Wasser muss man trinken, bevor es abbindet!" Und erteilt zeitgemäß um Kinderbeine schlabbernden Hosen via Psalm einen Tadel. Um dann bei der Selbsterkenntnis zu landen: "Wichtig ist, in Würde zu altern, - auch wenn man nicht weiß, wo das liegt!" (dauert ein bisschen, bis man's kapiert)

Witzig, bei aller Malmsheimer-Weisheit: der Mann kann über sich selber lachen. Mit Sätzen wie: "Ich finde, das erklärt nicht viel - und das Wenige auch nur schlecht!" Klar, er ist ja "was die ganz einfachen Dinge des Lebens angeht, von einer erstaunlichen Kenntnislosigkeit". Wie die meisten Leute halt.

Und was könnte mehr Beweis sein als der kleine Unfall, bei dem der Neandertaler dem Cro-magnon-Menschen erst erschlägt und anschließend grillt? Oder dass im Zentrum der deutschen Sprache die "Flurwoche" den Aufnahmetest der Wortkartenversammlung nicht besteht und das "Chillen" mit Kusshand in den Sprachschatz aufgenommen wird?

So ist das eben mit der Toleranz, radebricht der Malmsheimer und wird plötzlich ungekannt politisch. Besonders im zweiten Set fällt dem Publikum die Kinnlade runter angesichts der schier unglaublichen Sprachleistung des Bochumers, der am Ende gar nicht mehr nölt, sondern Milde walten lässt: "Teile des Theaters sind beheizt!" Das freut ihn.

Und ab geht's zum Buchverkauf, dessen Resonanz nicht nur auf "nz" endet, sondern in erstaunlicher Frappanz den Abend erfrischend abbindet!
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5 Kommentare
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Michael Schnickers aus Wesel | 13.11.2015 | 14:37  
Dirk Bohlen aus Wesel | 13.11.2015 | 14:59  
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Elmar Begerau aus Kamp-Lintfort | 13.11.2015 | 21:00  
Dirk Bohlen aus Wesel | 14.11.2015 | 09:57  
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Martina Janßen aus Hattingen | 14.11.2015 | 22:54  
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