Erfolgreiche Kanalarbeiten schützen Bäche und Bewohner in Datteln und Oer-Erkenschwick
Eine saubere Lösung

Kein Abwasser mehr im Dattelner Mühlenbach! Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand Lippeverband, Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender Lippeverband, Carsten Wewers, Bürgermeister Stadt Oer-Erkenschwick, Bodo Klimpel, Ratsvorsitzender Lippeverband, und André Dora, Bürgermeister Stadt Datteln (v.l.) liefern den Beweis.
  • Kein Abwasser mehr im Dattelner Mühlenbach! Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand Lippeverband, Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender Lippeverband, Carsten Wewers, Bürgermeister Stadt Oer-Erkenschwick, Bodo Klimpel, Ratsvorsitzender Lippeverband, und André Dora, Bürgermeister Stadt Datteln (v.l.) liefern den Beweis.
  • Foto: Kirsten Neumann / EGLV
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Ein Riesen-Bauprojekt ist abgeschlossen. Wie der Lippeverband meldet, sind die Kanalarbeiten in Oer-Erkenschwick und Datteln beendet. Heißt: In den Dattelner Mühlenbach und in den Dümmerbach gelangt kein Schmutzwasser mehr. 
Seit Ende der 1980er Jahre wurde die Entflechtung des Abwassersystems Dattelner Mühlenbach in Datteln und Oer-Erkenschwick auf einer Länge von insgesamt 13 Kilometern geplant und durchgeführt. Gebaut wurden Kanäle entlang des Westerbaches, Steinrapener Baches, Dümmerbachs und Dattelner Mühlenbaches, aber auch verschiedene Anlagen zur Hochwassersteuerung.

Trennung von Kanal und Bachlauf

Die Entflechtung, also die Trennung von Kanal und Bachlauf, setzte der Lippeverband seit 2005 gemeinsam mit den Kommunen um. Kostenvolumen - rund 120 Millionen Euro.
„Überirdische Abwasserführung ist eine Besonderheit im Ruhrgebiet und zum Glück bald Geschichte. Die Beseitigung der letzten offenen Schmutzwasserläufe ist ein wichtiger Schritt, der das Bild des Ruhrgebiets verändert und von dem die Menschen in der gesamten Region profitieren“, bekräftigte Bodo Klimpel als Ratsvorsitzender des Lippeverbandes.
„Wenn ein kilometerlanges unterirdisches Kanalsystem neben einem Gewässer verlegt wird, dann geht das nicht spurlos am Alltag der Bürgerinnen und Bürger vorbei, sondern ist ein großer Eingriff in die städtische Infrastruktur“, sagte Dattelns Bürgermeister André Dora. „Deshalb danke ich den Menschen vor Ort für ihre Geduld.“ Am Dümmerbach, wo die Arbeiten zuletzt liefen, grenzten die Gärten der Anlieger teilweise direkt an das Gewässer.

Renaturiertes Gewässer

Dora: „Ist doch klar, dass man dabei nicht unbedingt in der ersten Reihe sitzen möchte. Ich denke aber, dass sich die, die die Arbeiten jahrelang miterlebt haben, sich so langsam auch auf ein renaturiertes Gewässer und Blaue Klassenzimmer freuen.“ Coronabedingt musste die Bürgerbeteiligung für den Lernort am Wasser allerdings auf 2021 verschoben werden.
Über sauberes Wasser im Bach freuen sich die Oer-Erkenschwicker bereits seit 2017. 2015 hatte der Lippeverband dort mit dem Bau der geschlossenen Abwasserkanäle auf einer Länge von 3,7 Kilometern begonnen.

Kanalbau am Westerbach und Steinrapener Bach

Für den Kanalbau am Westerbach und Steinrapener Bach hatte der sondergesetzliche Wasserwirtschaftsverband rund 24 Millionen Euro in die Hand genommen. „Jetzt kann die Renaturierung des Gesamtsystems erfolgen. In diesem Zuge entstehen neue Radwege entlang des Westerbaches - ein toller Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger“, fasste Carsten Wewers, Bürgermeister der Stadt Oer-Erkenschwick, zusammen.

Verbesserter Hochwasserschutz

Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverbandes, betonte, dass neben den ökologischen Aspekten auch ein verbesserter Hochwasserschutz Hintergrund für die Maßnahme gewesen sei: „Seit Mitte der 1990er-Jahre haben wir darum neben dem großen Hochwasserrückhaltebecken an der Stemmbrückenstraße für den innerstädtischen Bereich, mit einem Volumen von 130.000 Kubikmetern, schrittweise drei Stauraumkanäle, ein Regenrückhaltebecken und zwei Pumpwerke gebaut.“ Auch diese Herausforderung hat man im engen Schulterschluss mit den Kommunen gelöst.
Noch leitet der Lippeverband das Wasser aus dem Mühlenbach durch die Kläranlage, bis alle Verunreinigungen der Restsedimente geklärt sind. Zukünftig fließt das saubere Wasser dann direkt durch in die Lippe. Für die Kläranlage auch eine wirtschaftliche Entlastung, da sauberes Wasser nicht mehr „mitgereinigt“ wird.

Ökologische Verbesserung des Gewässersystems

Nun ist der Bach wieder sauber, das Abwasser fließt im unterirdischen Kanal. Wann der Lippeverband mit der ökologischen Verbesserung des Gewässersystems starten kann, ist allerdings noch unklar. Die Genehmigung für die Umgestaltung und Fördermittel sind beantragt. Dann entfernt der Lippeverband die Betonsohlschalen und gestaltet den Flusslauf - unter anderem im Bereich „An der Hagemer Binsenweide“ und hinter dem Zechenbahndamm, wird das Gewässer aufgeweitet, um Tieren und Pflanzen mehr Raum zu bieten.

Über den Lippeverband

  • Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen.
  • Er orientiert sich ans Genossenschaftsprinzip.
  • Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung.
  • Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe.
  • Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe.
  • Dem Lippeverband gehören zurzeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren.
  • Weitere Infos im Netz: www.eglv.de
Autor:

Lokalkompass Ostvest aus Datteln

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