Kinder und Jugendliche reden und entscheiden mit

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Eifrig ist sie dabei (Foto: Marita Gerwin)
 
Mit Haut und Haaren im Planungsprozess verteift (Foto: Marita Gerwin)
"Meckern kann jeder. Mitmachen ist die Devise in der Akademie 6 bis 99!“, sagte Werner Roland zur Begrüßung der Gäste im Berufskolleg am Eichholz in Arnsberg.

"So gefällt uns unsere Stadt"

Ein Thema am 21.9.2013 für Groß und Klein.

„Junge Menschen verstehen sehr wohl, dass Stadtentwicklung, Stadt- und Raumplanung kein Wunschkonzert sind“, antwortet Paivi Kataikko aus Finnland, Vorsitzende des Verein JAS e.V. Jugend, Architektur Stadt e.V., die mit ihren jungen Kolleginnen Barbara v. Jagow aus München und Caroline Berlingen aus Mönchengladbach angereist ist, um im Dialog mit den Kindern und Jugendlichen über ihre Sicht auf die Ideen für die gebaute Umwelt zu treten.

Ihre Philosophie: „Kinder und Jugendliche wollen mitreden, mitgestalten, ernst genommen werden. Sie sind Experten ihrer Lebens- und Erfahrungswelt. Unser Ziel ist es, sie zu einem verantwortungsvollen, selbstbewussten und kreativen Umgang mit den unterschiedlichen Räumen zu ermutigen. Wir möchten, dass sie ihre Meinung äußern. Sie ist gewollt und wichtig! Getreu dem Zitat von Johann Wolfgang v. Goethe: "Sag es mir und ich werde es vergessen. Zeig es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lasse es mich selbst tun, und ich werde es können!“

In der Akademie 6 bis 99 erleben die Gäste, was es heißt, die eigene Lebenswelt zu erkunden, zu kartieren, wahrzunehmen, zu verändern. Gemeinsam mit dem "Arnsberger Modell Baukultur", ein Vorhaben im Rahmen des nationalen Forschungsfeldes "Baukultur in der Praxis" wurden Interessierte jeden Alters eingeladen, sich Gedanken zur Stadtgestalt und Planung einer Stadt zu machen.

Spannend ist es, Generationen übergreifend auf die unterschiedlichen Vorstellungen der zukünftigen Umwelt zu schauen. Junge Menschen setzen in jeder Generation neue Maßstäbe an die Gesellschaft und Baukultur. Wollten z.B. die 8-jährigen Kinder Charlotte, Pauline und Carolin eine „saubere, grüne Stadt mit vielen Bäumen zum Klettern und Obst-Naschen“, so sorgte sich der ein oder andere Erwachsene um das herbstliche Laubfegen, die Wespenplage in der Erntezeit und die Fruchtstände der Linden, die parkende Autos verschmutzen. “Wer soll die Bäume pflegen im öffentlichen Straßenraum? In 20 Jahren seht Ihr das auch kritischer!“, kommentierte ein Vater die Anregungen der Kinder.

Madita ( 5 J.) wünscht sich „Spielstraßen, wo ich auch mit Kreide malen kann und die Autos langsam fahren“. Die anderen Kinder ergänzen “Wir möchten Radwege durch die ganze Stadt. Die Autos sollen zukünftig mit Elektromotoren fahren, um die Umwelt nicht noch mehr zu verschmutzen“. Die Älteren runzeln die Stirn. Sie sagen es nicht, doch ihre Blicke verraten, was sie denken...

Fußgänger-Ampeln, Zebrastreifen, Kreisverkehre, Verkehrsberuhigte Zonen, Simply City, geöffnete Einbahnstraßen für den Radverkehr; all dies sind spannende Themen, die emotional und kontrovers in der Akademie 6 bis 99 diskutiert werden.

„Mir gefällt es nicht, dass in den kleineren Dörfern überall die Läden schließen, beschweren sich die Grundschulkinder. „Auch der Schulweg ist gefährlich. Die Eltern fahren oft viel zu schnell, wenn sie uns mit dem Auto hinbringen. Ich würde viel lieber zu Fuß mit meinen Freunden zur Schule gehen, wie beim Walking-Bus auf dem Schreppenberg“, ist ihre einhellige Meinung.

Die Erwachsenen staunen, als die Kinder selbstbewusst ihre Visionen präsentieren. Den jungen Menschen wird klar, dass die anwesenden Raumplaner, Stadtentwickler, Klimamanager, Architekten ihre Ideen ernst nehmen.

Paivi Kataikko gibt den Erwachsenen mit auf den Weg „Lassen Sie die junge Generation mitreden. Ihre Beteiligung an Weichen stellenden Planungsprozessen sollte zukünftig selbstverständlich sein. So fördern sie die baukulturelle Bildung der nächsten Generation. Ermutigen Sie die Kinder und Jugendlichen ihre Bedürfnisse stärker und reflektierter zu formulieren. Öffnen Sie Ihre Ideen- und Zukunftswerkstätten. Sprechen Sie Jugendzentren, Schulen und Kindergärten an. Selbstverständlich sind dazu eigene Methoden und Instrumente erforderlich. Da reicht es nicht aus, zu reden! Kinder wollen beobachten, experimentieren, gestalten, entwerfen, präsentieren. Sie werden erleben, wie leidenschaftlich diese jungen Menschen darüber diskutieren, was Arnsberg für sie lebens- und liebenswert macht; wie Häuser, Nachbarschaften, Quartiere, Stadtteile, Grünflächen aussehen sollen. Bindet sie ein, denn es ist ihre Welt, in der sie morgen mit allen Generationen zusammen leben werden“.

Carolin (8J.) setzt den Schlusspunkt: „Eins habe ich heute verstanden: Nicht immer kann Weihnachten sein und nicht alle Wünsche können in Erfüllung gehen. Aber wenn ich sagen kann, was mir gefällt und was nicht und ihr mir zuhört, das finde ich cool.“

http://www.jugend-architektur-stadt.de/
http://baukultur-arnsberg.de

http://www.arnsberg.de/zukunft-alter/projekte/Ruec...
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