Der Tag an dem die Musik starb..

Anzeige
Von uns gegangen ist ein besonderer Mensch, ein begabter Organist und ein Cantor, der mit seiner schönen Stimme und mit seinem Chor unsere Kirchengemeinden reich, sehr reich beschenkt hat.

Als ich vor 13 Jahren zum ersten Male in Till zur Kirche ging, wurde ich schon beim öffnen der Tür mit der Überschrift „Venite adoremus“, „kommt lasset uns anbeten!“ willkommen geheißen.
Nicht durch Menschen, wohl aber durch Engelsmusik aus einer Orgel. „Hier lass dich nieder, hier ist gut verweilen“, klang es einladend. Dann wurde es kurz vor Messebeginn still, und der Spieler dieser Musik ließ mich rücksichtsvoll allein um mich zu sammeln.
Es war der am 16. November mit 53 Jahren verstorbene Dieter Albers.

Er holte das Beste aus der singenden Gemeinde, so dass wir wirklich kommen konnten um Gott anzubeten, mit Gaben die manch einer gar nicht in sich vermutete.

Als Organist überraschte er mich einst mit einer Interpretation eines Stückes von Erik Satie während der Kommunion. Es war die Gymnopédie No. 1, die durch ihn zur religiösen Musik geadelt wurde.

Mit seinem Chor bracht er viele schöne Stücke, eins davon war das mehrstimmige „Eucharistische Gebet“ von Edith Stein, das die Heilige nicht als Lied geschrieben hat und das eigentlich vom Text her sperrig ist. Man liest über ihre Zeilen hinweg, wie über jede fromme Äußerung, aber Chor und Dirigent machten daraus etwas Ergreifendes das unter die Haut ging.

Er spielte mit „fluwelen vingers“, wie Holländer sagen, sanft wie Samt, mit einer wohltuenden Zurückhaltung, die singende Gemeinde anleitend, tragend, unterstützend. Glück entsteht durch eine fließende Bewegung einer Handlung die gelingt. Deswegen wählte er, in seiner Funktion als Cantor, auch stets Lieder die durch die Gemeinde gut gesungen werden konnten. Es war heilsam solches Glück in der Kirche zu erleben, in einer Welt wo sonst so wenig gelingt!
Mehr über die Kirche in Till
0
1 Kommentar
27.410
Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 01.12.2013 | 14:37  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.