Bilder einer Ausstellung: Kunstmuseum Bochum lud zu Blick hinter die Kulissen

Anzeige
Die Bilder hängen bereits, aber die Informationen fehlen noch.
 
Chen Ruo Bing erläutert Museumsdirektor Dr. Hans Günter Golinski (r.) die Markierung seiner namenlosen Bilder: fortlaufende Nummer, Maß, Jahreszahl und Signatur.

Gute zwei Monate wird die Ausstellung „Der Maler Chen Ruo Bing“ im Kunstmuseum zu sehen sein, die am Sonntag, 31. Juli, eröffnet wird. Die Planungs- und Vorbereitungszeit, damit die Besucher die Werke des chinesischen Künstlers dort betrachten können, betrug dagegen rund ein Jahr. Einige Tage vor der Eröffnung lud das Museum nun zu einem Blick hinter die Kulissen ein.

Die meisten Bilder von Chen Ruo Bing hängen schon in dem großen lichtdurchfluteten Raum, mehr aber noch nicht. „Das ist die ideale Ausstellungssituation“, sagt Museumsdirektor und Kurator Dr. Hans Günter Golinski. „Keine Texte, keine Infos, nur die reine Kunst.“ In der Tat ist geplant, bei dieser Ausstellung mit den Informationen sehr behutsam zu sein. „Es wird einen kleinen Film geben, der zeigt, wie Chen Ruo Bing malt“, kündigt Golinski an. Außerdem ist eine Videokabine vorgesehen, in der die Besucher einiges über die klassische chinesische Tuschemalerei, die Tradition, aus der Chen ursprünglich kommt, erfahren können.
Wo welches Bild hängt, hat der Maler, der an der Kunstakademie in Düsseldorf studierte, selbst bestimmt. Dazu hat er im Vorfeld eine sogenannte Maquette, ein Modell des Museumsinnenraums, gebaut und alle Werke der Ausstellung im Kleinformat dort hinein platziert.

Große Formate

Einige Bilder, die nun entsprechend seinen Vorgaben zu sehen sein werden, hat Chen speziell für die Ausstellung im Kunstmuseum Bochum gemalt. Fünf Meter breit sind zwei der Werke, was vor allem für Werkstattleiter Peter Abramowski und sein Team eine Herausforderung bedeutet. „Da ist es gut, wenn man jede Ladeöffnung des Hauses kennt und weiß, wie man ein Bild hinein bekommt“, so Abramowski.
Das Werkstattteam sorgt dafür, die Werke in Absprache mit Künstler und Kurator ins rechte Licht zu rücken. In Chen Ruo Bings Fall sind dazu nur Hammer, Nagel und Wasserwaage nötig, aber falls es um Objekte oder Skulpturen geht, „bauen wir auch Sockel oder Vitrinen“, erklärt der Leiter. „Außerdem ist sprachliche Kompetenz gefragt, auch auf Englisch“, nennt Golinski weitere Fähigkeiten des Werkstattteams. „Daneben muss das Team teilweise Psychologie leisten, denn Künstler sind manchmal ein bisschen angespannt.“
Inwieweit dies auch auf Chen zutrifft, ist nicht überliefert. „Ich bin mit 22 Jahren nach Deutschland gekommen“, erzählt der 46-Jährige. Bis dahin habe er zwar einiges über westliche Kunst erfahren, aber wenig gesehen. „Die westliche Kultur war ein Geheimnis, das mich fasziniert hat.“

Durch Farbmaler beeinflusst

Zu denen, die ihn in seiner weiteren künstlerischen Entwicklung beeinflusst haben, gehören Farbmaler wie Josef Albers, Frank Stella und Kasimir Malewitsch. „Um zu zeigen, dass sich Chen Ruo Bing in der westlichen Tradition bewegt“, so Golinski, werden einige Werke seiner Wegbegleiter ebenfalls in der Ausstelung zu sehen sein. Zum Teil sind es Leihgaben, aber auch Bilder aus dem Eigenbesitz des Museums.
Eines davon ist ein Gemälde von Rupprecht Geiger, das im Magazin aufbewahrt wird. An Schiebewänden hängen die Bilder, die im Besitz des Museums sind – alphabetisch sortiert. Deswegen befindet sich Geiger an einer Wand mit Kuno Gonschior, Werner Graeff, Thomas Grochowiak, und dann geht es mit H wie Wladyslaw Hasior weiter.
Mit Handschuhen, um keine schädlichen Fingerabdrücke zu hinterlassen, ergreift Udo Küpper vom Werkstattteam Geigers Bild und bringt es im Aufzug nach oben in den Ausstellungsraum. Hier hängt er es zusammen mit Peter Abramowski auf. „Alle Bilder werden auf einer gemeinsamen Mittelachse aufgehängt“, erklärt der Werkstattleiter. „Dann müssen sich die großen Besucher nicht bücken und die kleinen nicht strecken.“

Plakate, Flyer und Katalog

Damit möglichst viele Menschen eine Ausstellung besuchen, darf die Werbung mit Plakaten und Flyern nicht fehlen. Deren Gestaltung wird mit den Künstlern abgesprochen und dann von einem Grafiker umgesetzt. „Da das Format eines Plakats meist nicht auf das eines Bildes abgestimmt ist, stellt sich die Frage, wie man das Bild beschneidet“, erläutert Golinski. Das könne Stress bedeuten, da die Vorstellung von Künstler und Grafiker manchmal auseinander gehe.
Für die Ausstellung „Der Maler Chen Ruo Bing“ ist sogar auch schon der Katalog vor der Eröffnung fertig. „Das ist eher die Ausnahme“, sagt Golinski, während Abramowski ergänzt: „Ein Glück.“ Denn für ihn und sein Team bedeutete dies, dass große Teile der Ausstellung wesentlich schneller als üblich bereits hängen mussten.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.