Ein Blick voraus: Die Saison 2017/2018 am Schauspielhaus wird eine Spielzeit der Bochumer Erstaufführungen

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Olaf Kröck, in der Spielzeit 2017/2018 Intendant des Schauspielhauses. (Foto: Knotan)
 
Martina van Boxen, Leiterin des Jungen Schauspielhauses. (Foto: Knotan)

Intendant Anselm Weber verlässt zum Ende der Spielzeit das Schauspielhaus; Johan Simons tritt sein Amt als Leiter an der Königsalle erst im Herbst 2018 an. In der Zwischenzeit bestimmt Olaf Kröck für ein Jahr die Geschicke des Hauses. Von einer Interimsspielzeit möchte er, bislang Chefdramaturg des Schauspielhauses, nicht sprechen: „Ein Haus mit dieser Geschichte hält keinen Zwischenzustand aus. Das ist ganz einfach die kürzeste Intendanz, die das Schauspielhaus je hatte und vermutlich auch jemals haben wird.“

Eine Spielzeit wie jede andere wird die kommende Saison aber trotzdem nicht werden. „Wir verlieren viele Produktionen – etwa 'Romeo und Julia' -, sind aber zugleich in der Situation, kein neues Repertoire aufbauen zu können“ , beschreibt Kröck die Situation.
„Wir zeigen in der kommenden Spielzeit fast nur Bochumer Erstaufführungen“, gibt er die Richtung vor. Nur vier der geplanten Stücke sind zuvor bereits am Haus inszeniert worden - „Peter Pan“, Schillers „Maria Stuart“, das im deutschsprachigen Raum selten aufgeführte Shakespeare-Stück „Ende gut, alles gut“ und Sartres „Geschlossene Gesellschaft“. Trotzdem deckt der Spielpaln mit seinen 25 Neuproduktionen die gesamte Theatergeschichte von der Antike bis zur Gegenwart ab.

Ein Stück aus der Antike mit aktuellem Bezug

So wird die „Orestie“ des Aischylos', 458 vor Christus entstanden, erstmals auf der Bochumer Bühne realisiert. „Jana Schulz und Anke Zillich sind mit dabei“, erklärt Regisseurin Lisa Nielebock, die das Schauspielhaus-Publikum bereits durch ihre Inszenierung von Joseph Roths „Hiob“ kennt. „Inhaltlich“, ergänzt sie, „geht es um die Hoffnung, dass der Kreislauf der Rache irgendwann zu einem Ende kommt – eine Utopie, die auch heute noch nicht eingelöst ist.“ - Zu sehen ab 18. November 2017.
Dafür, dass die Gegenwartsdramatik nicht zu kurz kommt, sorgt Selen Kara, die Nesrin Samderelis „Träum weiter“, eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus, am 24. Februar 2018 erstmals auf die Bühnenbretter bringt. „Mich hat das ambivalente Verhältnis der türkischen Gesellschaft zur Homosexualität interessiert“, erklärt Kara, was den Reiz des Stoffes für sie ausmacht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Torsten Kindermann, der auch schon bei anderen Produktionen die musikalische Leitung übernommen hat, realisiert sie außerdem den Liederabend „Istanbul“. Der ist bereits ab 20. Oktober 2017 zu sehen und zu hören.

Europäische Erstaufführung

Sage und schreibe zehn Uraufführungen warten ab 21. September, wenn die Spielzeit mit Hermann Schmidt-Rahmers neuer Inszenierung „Volksverräter!“ eröffnet wird, auf das Publikum. Als europäische Erstaufführung inszeniert Otto Kukla, der in der Intendanz von Claus Peymann als Schauspieler an der Königsallee gearbeitet hat, „The Humans. Eine amerikanische Familie“, Stephen Karams Broadway-Erfolg. „Es geht um eine Familie“, sagt Dramaturgin Annelie Mattheis, „für die sich der amerikanische Traum nicht erfüllt hat. Stattdessen bestimmen Altersarmut und Angst vor Krankheit die Situation. Das Ganze ist jedoch humorvoll, leicht und alltäglich erzählt. Das Stück hat einen großen Weg auf europäischen Bühnen vor sich.“ - Die Premiere in Bochum ist für den 9. Dezember 2017 angesetzt.
Im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters geht 2018 in Bochum eine Ära zu Ende: Martina van Boxen, die elf Jahre lang das Junge Schauspielhaus geleitet hat, beendet dann ihre Tätigkeit in Bochum. „Für die kleinsten Zuschauer ab etwa vier Jahren“, gibt sie Einblick in ihre Pläne für ihre letzte Saison, „kommt 'Lindbergh – Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus' auf die Bühne – ein Stück mit Figuren und Musik.“ - Die Uraufführung, die ab 14. Oktober 2017 zu sehen ist, basiert auf Torben Kuhlmanns hochgelobtem Kinderbuch. Auch für ihr Projekt „Schulen in Bewegung“, bei dem Schüler aller Schulformen gemeinsam ein Theaterstück realisieren, hat sie für ihre letzte Inszenierung noch viel vor: „Ich wollte noch einmal etwas machen, wo die Fantasie Purzelbäume schlagen kann. Deshalb erfülle ich mir den Wunsch, 'Peter Pan' zu realisieren – allerdings nicht in der bekannten Fassung von James Matthew Barrie. Ich werde eine eigene Version erstellen, in der Peters Vorgeschichte erzählt wird.“ Premiere ist im Juni 2018.

Wolfram Koch und Jana Schulz auf der Bühne

Viele Ensemblemitglieder wie Günter Alt, Therese Dörr oder Friederike Becht bleiben dem Publikum erhalten. Als Gast wird auch Wolfram Koch zu sehen sein, der ab Januar 2018 in Jakob Fedlers Inszenierung von Einar Schleefs „Gertrud“ auf der Bühne stehen wird, einer Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin. Christoph Kalkowski, der Jewgenij Samjatins Roman „Wir“ bereits als Hörspiel realisiert hat, bringt den Stoff im Mai 2018 auch auf die Bühne. Auch in dieser Inszenierung wird die renommierte Theaterschauspielerin Jana Schulz zu sehen sein. „Die Inszenierung wird sehr aufwendig“, blickt Intendant Kröck voraus, „deshalb werden wir sie wohl nur wenige Male präsentieren.“

Die Spielzeiteröffnung
- Die Spielziet wird am 21. September mit dem Stück „Volksverräter!“ eröffnet. Das beliebte Theaterfest findet am Samstag, 23. September, statt. Geplant sind ein Frühstück, Auftritte verschiedener Bands, Mitmachaktionen und zahlreiche kleinere Auftritte.
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