Rottstr5-Theater bringt mit Dennis Kellys "Schutt" ein selten gespieltes Stück auf die Bühne

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Johanna Wieking und Tim-Fabian Hoffmann in "Schutt" (Foto: Rottstr5-Theater)

"Mit 'Schutt' gab der Gegenwartsautor Dennis Kelly 2003 sein Debüt. Damals wurde das Stück viel gespielt, mittlerweile ist es aber etwas in Vergessenheit geraten", sagt Hans Dreher, Mitglied des Leitungsteams des Rottstr5-Theaters. Regisseur Michael Lippold ergänzt: "Ich habe mich in die Figuren und die Geschichte verliebt. Es geht um zwei weggeworfene Kinder, eine moderne Variante der 'Hänsel und Gretel'-Geschichte. Das Ganze ist zugleich tragisch und komisch."

Dennis Kellys Dramatik ist dem Bochumer Theaterpublikum nicht unbekannt. Seit der vergangenen Spielzeit ist sein Stück "Waisen" im Theater Unten des Schauspielhauses zu sehen. "'Schutt' ist im Gegensatz zu 'Waisen' nicht durch eine realistische, sondern durch eine zugleich rohe und poetische Sprache geprägt", ordnet Lippold ein. Er fügt an: "Die Sprache ist wie Musik. Es handelt sich nicht um ein klassisches Dialogstück, da es auch viele Monologe gibt. Es ist bei aller Ernsthaftigkeit leicht und charmant."
Michelle (Johanna Wieking) und Michael (Tim-Fabian Hoffmann) sind sich als Geschwister in Hassliebe verbunden. Sie versuchen, ihre traumatische Kindheit zu verarbeiten, indem sie darüber Geschichten erzählen. Michael findet ein verlassenes Baby und tauft es auf den vielsagenden Namen "Schutt". Diese Erfahrung lässt ans Licht kommen, was den Geschwistern widerfahren ist. "Die beiden haben sich dabei", sagt Regisseur Lippold, "den Hunger nach Leben bewahrt."
Lippold inszeniert nach "Der Disney-Killer", "Nibelungen: Ute, die Gute" und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" bereits zum vierten Mal an der Rottstraße. Auch Schauspieler Tim-Fabian Hoffmann ist hier kein Unbekannter, ist er hier doch in "Othello", "Odyssee" und "Der Kissenmann" zu sehen. Im Theater Unten ist er in "Co-Starring" präsent. In dieser Spielzeit wird er im Schauspielhaus im Kinderstück "Das Sams" mitwirken. Johanna Wieking steht im Prinzregenttheater in "Tschick" und "Bilder deiner großen Liebe" auf der Bühne.
Gemeinsam haben sie mit "Schutt" ein "kleines, fieses Stück" realisiert, wie Lippold sagt. "Es ist unser Anspruch", sagt Hans Dreher, "wenig gespielte Stücke wiederzubeleben." Lippold sieht das Stück in der Tradition Samuel Becketts. "Es ist ein gutes Stück", sagt Dreher, "das auf gesellschaftliche Missstände hinweist." Lippold ergänzt: "Es geht um Menschen in prekären Lebenssituationen, wie es sie sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland gibt. Dabei geht der englische trocken-böse Humor nie verloren." Lippold, der mit Johanna Wieking bereits in Bonn und Regensburg zusammmengearbeitet hat und sich auch von Tim-Fabian Hoffman sehr angetan zeigt, verspricht einen "schönen Schauspielerabend".
Dabei klingen die ernstesten Fragen an. "Es kreist immer wieder um den Gedanken, wie das Leben hätte sein können", sagt Lippold, "dabei wird eine im Grunde immergleiche Geschichte aufgearbeitet." Er gibt noch ein weiteres Argument, das Stück ausgerechnet im Theater unter den Gleisen zu zeigen: "Der karge Raum ist für das Stück ideal. Es passt in ein armes Theater - arm nicht von seinen künstlerischen Mitteln, aber was die finanzielle und materielle Ausstattung betrifft." So bleibt das Theater seine Linie treu, sich nicht auf Werke des klassischen und modernen Kanons zu beschränken, sondern auch neuere und vor allem ansonsten wenig beachtete Stücke zu präsentieren.

TERMINE

- Seine Premiere erlebt "Schutt" am Freitag, 23. September, im Theater an der Rottstraße 5.
- Auch am Samstag, 1. Oktober, ist das Stück zu sehen. Beide Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr.
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