Situation Kunst: Schüler besuchen Ausstellung „fremdes sehen“

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(Foto: Lessing-Gymnasium)
 
(Foto: Lessing-Gymnasium)

Unlängst besuchte ein Kunst-Grundkurs der Oberstufe der Lessing-Schule die Ausstellung „fremdes sehen“, die bis zum bis 21. April zu sehenb ist, in der Situation Kunst. Zuvor hatten sich die etwa 30 Schülerinnen und Schüler bereits intensiv mit den Themen Fotografie und Medien befasst.

Monika Hubers in der Serie Einsdreißig zusammengefassten, direkt vom Fernsehbildschirm fotografierten und malerisch bearbeiteten Nachrichtenbilder von Krisen und Kriegen bedeuten für die Schüler dennoch zunächst eine besondere Herausforderung. Das Zusammenspiel von Malerei und Fotografie irritiert sie, animiert aber zugleich zu lautem Nachdenken darüber, wie ein Medium auf das andere einwirkt. Eines der Bilder etwa zeigt fragmentarisch eine Straßenschlacht. Das Geschehen ist nur schemenhaft zu erkennen und regt dadurch die Fantasie an. Rote Farbe wird als Blut verstanden. „Wenn man nicht alles sieht, sondern da eine Leerstelle bleibt und man sich was vorstellt, ist das gut“, findet eine Schülerin.

Eine andere malerisch überarbeitete Fotografie zeigt eine komplett verschleierte Frau, nur ihre Augen sind sichtbar. Doch ist der Schleier wirklich abfotografiert, oder wurde er nachträglich mittels Malerei eingefügt? „Vielleicht will die Künstlerin die Betrachter ja auch dazu bringen, hinter den Schleier zu gucken. Und vielleicht wird die Verschleierung erst durch die Bearbeitung erzeugt, um Klischees zu entlarven“, überlegt der 20-jährige Kai Kaminski. Es zeigt sich, dass die Klasse sich der Manipulierbarkeit medialer Bilder durchaus bewusst ist. Was sagen uns die Bilder, wenn sie nicht klar erkennbar sind? Ein Schüler beobachtet: „Man bekommt immer nur die Hälfte mit, bzw. man fragt sich, was bekommt man eigentlich mit?“

Auch in Ingeborg Lüschers Video-Installation Die andere Seite geht es um die Thematisierung von Krieg und Gewalt. Menschen aus Israel und aus den Palästinensergebieten wurden von der Künstlerin gebeten, darüber nachzudenken, was ihnen durch die jeweils „andere Seite“ angetan wurde und zu überlegen, ob sie dies vergeben können. Ihre Gesichter sind in einer überdimensionalen Dreikanalprojektion zu sehen. Nur am jeweiligen Mienenspiel der in Nahaufnahmen gezeigten Antlitze lässt sich erahnen, wie die Reaktionen eines jeden Gefragten ausfallen. Einige brechen in Tränen aus, vielen sieht man die Anstrengung an, mit der sie ihre Emotionen beherrschen. Auf die Frage, wie die Schüler und Schülerinnen die Konfrontation mit dem gezeigten Leiden empfinden, antwortet einer der Schüler „Das ist eine anstrengende Wahrheit!“ Die Ausstellung, so Lars Kaysler (19 Jahre), wirke schon bedrückend. „Doch es ist gut, so was mal zu sehen. Das ist anders, als wenn im Unterricht etwas an die Wand projiziert wird. Man kann die Emotionen viel mehr nachvollziehen.“

Das von Situation Kunst (für Max Imdahl) angebotene Kunstvermittlungsprogramm für Schulklassen bietet unter Anleitung fortgeschrittener Studierender des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum die Möglichkeit, die Ausstellungen im Kubus und die ständige Sammlung gemeinsam und im Dialog zu entdecken. Führungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

fremdes sehen. Monika Huber: Einsdreißig und Ingeborg Lüscher: Die andere Seite, bis 21. April 2013
Situation Kunst (für Max Imdahl)
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum
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