Schwarz steht für die Zukunft: Stadtförster Martin Erben erläutert die Waldbewirtschaftung

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Von diesen beiden Eschen soll die schwächere, gelb markierte weichen, um der stärkeren mehr Wuchsraum zu geben.
 
Dieses Teilstück des Waldgebiets Berger Feld wurde schon im vergangenen Winter durchgeforstet und ist dadurch deutlich lichter als das übrige Areal, das auch bald durchgeforstet werden soll.

Wer die Wege im Waldgebiet Berger Feld entlanggeht, sieht gelbe Markierungen an so manchem Baum. Andere wiederum sind schwarz gekennzeichnet. In dem 17 Hektar großen Gebiet steht demnächst eine Durchforstung an. „Viele Leute sprechen mich wegen der Markierungen an“, erzählt Stadtförster Martin Erben, lässt aber zugleich keinen Zweifel daran, dass es notwendig ist, hier Bäume zu fällen.

„Wenn man runter auf den Weg guckt, ist es sehr dunkel“, erläutert er. Zu wenig Licht dringt auf den Weg, der dadurch zu feucht ist und immer mehr zerstört wird. Deswegen werden einige der Bäume entlang der Wege weichen müssen.
Zugleich dient die geplante Durchforstung dazu, besonders gute Bäume, die vital sind, zu fördern. Diese „Zukunftsbäume“ sind schwarz gekennzeichnet. Die „Bedränger“ dagegen, die den Wuchs der „Zukunftsbäume“ behindern, sind gelb markiert – als Zeichen, das sie gefällt werden. Erben verdeutlicht das Prinzip an zwei nebeneinander stehenden Eschen: „Beide sind gleich alt, aber eine hat einen dickeren Stamm und eine größere Krone. Die andere steht mit ihrer Krone in der Krone der größeren Esche und stört ihren Wuchs.“ Daher wird der schwächere Baum entfernt, um dem stärkeren mehr Raum zu geben.
Alle fünf bis zehn Jahre erfolgt im Rahmen der Waldbewirtschaftung solch eine Durchforstung in Bochums Wäldern. Sukzessive können sich die geförderten Bäume dann immer mehr entfalten. Zu entscheiden, wo welcher Baum gefällt werde, sei die „hohe Disziplin des Försters“, so Erben.
Wie der Stadtförster erklärt, sei es auch in einem natürlichen Wald üblich, dass nicht alle Bäume erhalten blieben. Die schwächeren stürben ab und kippten um.

Künstlich angelegt

Das Waldstück Berger Feld ist dagegen künstlich angelegt. Vor 65 Jahren war es noch ein Acker, bevor man hier die beiden Edellaubhölzer Ahorn und Esche und auch Buche, Linde, Kirsche und Lärche anpflanzte. Solch eine homogene Fläche sei eher ungewöhnlich für Bochum, sagt Erben.
Ohne menschliche Eingriffe oder Störflächen bestünden die Wälder in Bochum zu etwa 85 Prozent aus Buchen. Was eine Störfläche ist, verdeutlicht Erben im Weitmarer Holz, wo der Sturm „Ela“ an Pfingsten 2014 auf einer größeren Fläche die Bäume umkippen ließ. Bereits im Herbst desselben Jahres pflanzte die Stadt dort einige hundert Rotbuchen und Eichen.

"Ela": Stadt musste aktiv werden

„Hier hilft sich die Natur nicht so schnell allein“, erklärt der Stadtförster, warum die Stadt aktiv werden musste. In gewisser Weise hat der Sturm auf der Störfläche die Durchforstung und Verjüngung des Baumbestands vorweggenommen. „,Ela' hat uns die Chance gegeben, Bäume wieder einzuführen“, macht Erben auch Vorteile deutlich. Die nun angepflanzte Eiche ist nämlich rückläufig, obwohl sie sehr wichtig ist. „Viele bedrohte Arten sind auf die Eiche angewiesen, zum Beispiel der Eremit und der Hirschkäfer.“
Einen guten Meter hoch sind die Rotbuchen und Eichen jetzt. „Bis man von dem Schaden nichts mehr sieht, wird ein Jahrhundert vergehen“, sagt Erben mit Blick auf das Nebeneinander von jungen und alten Bäumen.
In Bochums Wäldern, deren Gesamtfläche rund 970 Hektar beträgt, sind die Schäden, die der Sturm „Ela“ verursacht hat, abgearbeitet. „Alle Wege sind wieder frei“, erläutert Erben. Den ein oder anderen zerstörten Stamm hat die Stadt aber bewusst – für Fußgänger abgesichert – stehen gelassen, denn auch Totholz ist für die Entwicklung eines Walds wichtig. Hier bauen Spechte ihre Höhlen, die später von Fledermäusen und anderen Vögeln übernommen werden, und auch Käferarten nutzen die Stämme als Lebensraum.
Aus demselben Grund gehört auch nicht nur die Verjüngung zur Waldbewirtschaftung. Genauso lasse man einige Bäume gezielt überaltern, erläutert Erben. Sie sterben dann ab, und ihre Überreste dienen als Unterschlupf und Nahrung, bevor sich letztlich neue Pflanzen ansiedeln.
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