„Es geht um mehr als Knete“

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Menschenkette rund um die Bochumer Innenstadt. Kindergärten fordern bessere Ausstattung. Teilnehmer aus ganz NRW



Mit einer Menschenkette rund um die Bochumer Innenstadt demonstrieren am Samstag (1. Juli) zahlreiche Kindertageseinrichtungen (Kita) für eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung. Zu der Veranstaltung haben die evangelischen Kindergärten in Bochum aufgerufen. Start ist um 10.45 Uhr in der Innenstadt unter dem Motto: „Es geht um mehr als Knete“.


Das kann so nicht weitergehen, sind sich die Kita-Träger in NRW einig und fordern unisono eine bessere Ausstattung der Kindergärten. Eine Forderung, die auch die Evangelische Kirche in Bochum unterstützt.

„Wir leben mit Rahmenbedingungen der 70er Jahre und setzen die wertvollen Bildungsgrundsätze des 21. Jahrhunderts um“, kritisiert Dagmar Reuter, Fachberaterin für die Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Bochum: „Wer Zukunft verantwortungsvoll gestalten will, muss in die Bildung der Allerjüngsten investieren, denn sie sind die Gesellschaft von morgen.“

Das jährliche Minus der etwa 9.500 Kindergärten in NRW beträgt derzeit 1,5 Milliarden Euro. Das Kinderbildungsgesetz muss deshalb dringend reformiert werden, fordern die pädagogischen Fachkräfte der Evangelischen Kirche in Bochum und wollen dafür auf die Straße gehen.

Die Mängelliste ist lang: Es fehlen u.a. pädagogische Fachkräfte für Kinder unter drei Jahren, die Gruppen sind zu groß, die Leitungen der Kitas zeitlich überfordert mit zusätzlichen Verwaltungsaufgaben, und es fehlen auch zusätzliche Fachkräfte, um z.B. krankheitsbedingte Fehlzeiten auszugleichen, dazu kommen sachgerecht bezahlte Haushalts- und Reinigungskräfte.

"Pädagogik von heute in Räumen von gestern geht gar nicht“, sagt auch Kai Enstipp. Er leitet die Kita Arche Noah in Langendreer und muss jeden Tag mit den Lücken im System kämpfen. Sein Fazit: "Der Sack für Spielzeug ist leer. Wir haben keine Knete mehr!"

Unterstützung erhalten Reuter und Enstipp aus dem ganzen Land. Kindergärten aus dem Ruhrgebiet, aber auch aus Soest, Bielefeld, Unna, Vlotho und Lüdenscheid reisen am 1. Juli nach Bochum, um den Protest zu unterstützen. Die Veranstalter rechnen mit über 2.000 Teilnehmern.

Einer wird jedoch fehlen. Armin Laschet, designierter Ministerpräsident, könne seine Einladung wegen der Regierungsbildung nicht annehmen, ließ er mitteilen. Und so diskutieren nach dem Schließen der Menschenkette gegen 12.15 Uhr verschiedene Vertreter am Konrad-Adenauer-Platz ohne den CDU-Politiker über die Zukunft der Kindergärten.

Mit dabei sind u.a. Superintendent Gerald Hagmann, Helga Siemens- Weibring, politische Sprecherin der Diakonie RWL, Dolf Mehring, Jugendamtsleiter der Stadt Bochum, Carina Gödecke (Vizepräsidentin im Landtag), Prof. Dr. Christina Jasmund von der Hochschule Niederrhein, Marcel Hafke (MdL, Sprecher für Familie, Kinder und Jugend der FDP-Landtagsfraktion NRW)

Weitere Informationen im Internet unter www.kibizneindanke.de und unter www.kirchenkreis-bochum.de.
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