Bottrops Wirtschaftskraft: Aus dem Mittelfeld abgestürzt bis zum Schlusslicht

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Bottrop: das Schlusslicht unter allen kreisfreien Städten in Deutschland (Eigene Grafik auf der Grundlage der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sowie der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder)

Welche Stadt die schönste in Deutschland ist, darüber lässt sich trefflich streiten – schließlich entscheidet der persönliche Geschmack.
Geht es dagegen um einen Vergleich der wirtschaftlichen Stärke, ist die Messlatte klar: Hier zählt das Brutto-Inlands-Produkt (BIP) je Einwohner - und da ist Bottrop nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft auf dem LETZTEN Platz angekommen: auf dem letzten Platz aller 107 kreisfreien Städte in Deutschland.
Selbst das BIP von Düsseldorf - mit knapp 67.000 Euro je Einwohner die bestplatzierte NRW-Stadt nur auf Platz 6 - ist weit mehr als drei Mal so hoch wie das von Bottrop.
Dies war keineswegs immer so.

Sturzflug aus dem Mittelfeld

Vor 60 Jahren - in den Anfängen der Bundesrepublik - nahm Bottrop noch einen Platz im Mittelfeld ein.
Vor 20 Jahren - kurz nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten - war Bottrop unter allen kreisfreien Städten Westdeutschlands schon auf den letzten Platz abgerutscht.
Seitdem ist Bottrop auch noch von allen 18 kreisfreien Städten Ostdeutschlands überholt worden.
Innerhalb Nordrhein-Westfalens ist Bottrop inzwischen auch von fast allen Landkreisen abgehängt worden - sogar die sehr dörflich strukturierten Rand-Kreise Euskirchen und Höxter sind Bottrop meilenweit voraus.

Es kommt absehbar noch schlimmer

Ende 2018 kommt das Aus für den deutschen Steinkohlenbergbau: Nach mehr als 160 Jahren endet dann auch in Bottrop die Ära des Bergbaus.
Rund 3 Millionen Tonnen Jahresförderung fallen dann flach.
Rund 4.200 Arbeitsplätze entfallen von einem Tag auf den anderen.
Rund 250 Ausbildungsplätze in 16 Ausbildungsberufen fallen weg.

Im SPD-Kommunalwahl-Programm 2009 unter dem Titel "Bottrop gewinnt" hieß es dazu: "Die vorhandenen Arbeits- und Ausbildungsplätze im Bergbau und der angeschlossenen Zulieferindustrie sind über das Jahr 2018 hinaus zu erhalten. Dazu ist es notwendig, im Jahre 2012 die Revisionsklausel zu nutzen, um ein Umdenken in der nationalen Kohlepolitik zu erwirken. Die Bottroper SPD wird sich vehement dafür einsetzen."
LINKEN-Kreissprecher Günter Blocks meint hierzu: "Was ist seitens der Bottroper SPD für den Erhalt des Bergbaus unternommen worden? Was hat der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Gerdes hierfür getan? Nichts! - Dabei würde es wirklich Sinn machen, einen deutschen Sockel-Bergbau zu erhalten: allein schon um die deutsche Bergbau-Technologie anwendungsorientiert als Spitzen-Technologie weltmarktfähig zu erhalten."

"Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig bis 2018 ausreichend Ersatz-Arbeitsplätze für die wegfallenden Bergbau-Arbeitsplätze zu schaffen, dann droht Bottrop zum 'Detroit' des Ruhrgebiets zu werden", befürchtet Blocks.

"SPD und CDU sind für den beispiellosen wirtschaftlichen Absturz Bottrops verantwortlich"

"Jahrzehntelange verfehlte Wirtschaftsförderungs-Politik" benennt Blocks als "Hauptursache für Bottrops Absturz ins Amateurlager": "Allzu lange wurde fast ausschließlich auf den Bergbau gesetzt - garniert mit einer zugegebenermaßen attraktiven Innenstadt.
Aber Ersatz für mittelständische Produzenten wie Brockmann: Fehlanzeige!"

Stattdessen kamen dann solche Groß-Projekte wie ein "Flughafen-affines Gewerbegebiet": "Das Interesse bei Unternehmen tendiert gegen Null, wie Pricewaterhouse Coopers jetzt noch einmal ausdrücklich in einem Gutachten bestätigt", hebt Blocks hervor und spricht von einer "voraussehbaren Totgeburt".
Ähnliches gelte auch für "Innovation City": "Die Idee und die Ziele sind wirklich gut. Aber ohne soziale Flankierung der Mehrkosten für Mieter und Vermieter geht dieses Projekt an den Realitäten im Bottroper Südosten vollkommen vorbei. Deshalb bewegt sich - außer ein paar Pilot-Projektchen - auch so wenig."

Auch eine "Stadtmarketing-Gesellschaft", die "kein Geld in die Hand nehmen durfte", war "kein Beitrag zur Revitalisierung Bottrops". Da sei die Auflösung der Gesellschaft zum Jahresende nur konsequent.

Die Insolvenz beim Hansa-Center-Bau sei nur ein weiteres, akutes Beispiel mehr für das "Amateur-Theater der Bottroper Stadtpolitik".

Blocks weiter: "Den Vogel schießt die Ratsmehrheit aber damit ab, dass sie in dieser Stadt immer mehr die 'Bürgersteige hochklappt': Löcher in den Straßen und auf den Bürgersteigen, Ausdünnung des Nahverkehrs, Schließung der Stadtteilbibliotheken und am liebsten auch noch des einzigen Freibades - wie will man denn so noch Unternehmer und gut verdienende Beschäftigte nach Bottrop locken?"

Blocks' Fazit: "SPD und CDU haben sich in der Führung dieser Stadt mehrfach abgelöst und meist auch - unausgesprochen - miteinander koaliert:
Beide Parteien tragen gemeinsam die politische Verantwortung für Bottrops beispiellosen wirtschaftlichen Absturz.
Bei der Bundestagswahl im September und bei der Kommunalwahl nächstes Jahr im Mai werden sie die Quittung dafür erhalten."
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