„Eine positive Ausnahme“: Demenz als zunehmende Herausforderung für Pflegepersonal

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Elise Ritter (l.) freut sich auf ihren 100. Geburtstag. Mit auf dem Bild: Giorgia Dimou von der Seniorenresidenz Castroper Holz. Foto: Wengorz
„Am Sonntag, da wird gesungen“, freut sich Elise Ritter auf ihren ganz besonderen Ehrentag. Am 4. August feiert sie in der Seniorenresidenz an der Holzstraße ihren 100. Geburtstag. Dort sind längst nicht alle Bewohner so rüstig wie die Jubilarin. „Die Demenz ist für uns eine ganz große Herausforderung“, weiß Einrichtungsleiterin Georgia Dimou. Indem die Menschen immer älter würden, veränderten sich auch die beruflichen Anforderungen in der Altenpflege.

Ein Geheimrezept, wie man im Alter fit bleibt? „Nein, so etwas habe ich nicht“, lacht Elise Ritter. „Männer werden einfach schneller alt als Frauen“, ist sie überzeugt.
Grundsätzlich sei Lebensqualität im Alter aber wohl auch immer eine Frage der Erwartungen, die man habe. „Man muss alles so nehmen, wie es kommt und mit dem zufrieden sein, was man hat“, sagt sie. Bücher lesen könne sie zum Beispiel nicht mehr, die Augen seien zu schlecht geworden. Aber auf die Gesellschaftsspiele in großer Runde, die täglich auf dem Programm stehen, freue sie sich immer wieder sehr.
Elise Ritter lebt seit acht Jahren in der Seniorenresidenz am Castroper Holz. „Nicht ganz freiwillig“, räumt sie ein. Sie habe zunächst bei ihrer Tochter in Henrichenburg gewohnt. Diese sei inzwischen allerdings auch schon 73 Jahre alt und konnte sich irgendwann nicht mehr um die Mutter kümmern. „Sie wurde krank, deshalb ging es nicht mehr“, erzählt Ritter.
Mit ihren 100 Jahren, sei „Frau Ritter eine sehr positive Ausnahme“, berichtet Einrichtungsleiterin Georgia Dimou. Das Problem, mit dem man in der Einrichtung vor allem zu kämpfen habe, sei, dass die Bewohner zwar immer älter würden und immer länger körperlich gesund blieben, mit dem Alter aber auch die Demenz komme.
„Ich war zweieinhalb Jahre in der Elternzeit“, erzählt Dimou. „Viele Bewohner haben sich in dieser Zeit wirklich sehr verändert.“
Nicht nur im Rahmen ihrer Ausbildung würden die Pflegekräfte deshalb psychologisch geschult. Es sei inzwischen üblich, umfangreiche Fortbildungen im Bereich der sogenannten Geronto-psychologie zu durchlaufen. „Sehr wichtig im Umgang mit Demenzkranken ist auch die Biografiearbeit“, weiß sie aus Erfahrung. Man müsse sich sehr intensiv mit den Menschen beschäftigen, die Tagesabläufe ganz genau planen und auf Augenhöhe mit den Menschen kommunizieren. All dies mit den gegebenen geringen personellen Kapazitäten zu schaffen, sei die große Herausforderung der Zukunft.
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