Der Lärm und seine Folgen

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Kopfhörer und Ohrenstöpsel helfen gegen den hohen Lärmpegel, dem viele Menschen ausgesetzt sind. (Foto: Thiele)

Heute (30. April) ist der weltweite „Tag gegen Lärm“. Ziel des Aktionstages ist es, die Lärmproblematik und ihre Folgen in das Bewusstsein zu rücken. Doch wie wirkt sich Lärm eigentlich gesundheitlich aus? Welche Möglichkeiten gibt es, sich vor den Konsequenzen zu schützen? Wir haben bei Castrop-Rauxeler Ärzten nachgefragt.

„Es gibt störenden und schädigenden Lärm“, sagt Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Klaus Kröger. So sei Verkehrslärm störend, schädige aber nicht das Gehör. Erst Geräusche über 85 Dezibel, denen man über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sei, seien schädigend.
„Deswegen sind Kopfhörer oder Stöpsel ganz wichtig, wenn jemand einen lauten Arbeitsplatz hat“, so Kröger. Damit ließen sich größere Schäden und eine Lärmschwerhörigkeit, die über Jahre entstehe, vermeiden. Um einer akuten Hörminderung, wie sie zum Beispiel Konzertbesucher durch ein Knalltrauma erleiden können, entgegenzuwirken, rät er, Abstand zu der Lärmquelle zu halten.
„Was man als Lärm empfindet, spielt sich vor allem im Kopf ab und ist sehr subjektiv“, erklärt Kröger. So gebe es Menschen, die bereits 70 Dezibel als zu laut empfänden. „Ihnen empfehle ich, jeden Tag eine halbe Stunde Musik zu hören und sie täglich etwas lauter zu stellen, bis sie sich wieder an die Lautstärke gewöhnt haben.“
Grundsätzlich könne man jedoch nichts machen, um sich an großen Lärm zu gewöhnen, sagt Dr. Ralf-Jochen Kuhlmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie im EvK. „So etwas wie autogenes Training funktioniert da nicht.“
Das vegetative Nervensystem des Menschen sei auf Urwald geeicht, und dort bedeute Lärm Gefahr, so Kuhl­mann. Ständiger Lärm führe daher zu einer chronischen Adrenalinausschüttung und erhöhtem Blutdruck, was als Spätfolge wiederum Gefäßverkalkungen, Kreislaufprobleme und Gehirnblutungen verursachen könne. „Auch Schlafstörungen können durch Lärm entstehen, die dann zum Beispiel zu Depressionen oder Diabetes führen können“, so der Neurologe.
„Der Urwaldmensch würde ein Tal weiterziehen, wenn der Wasserfall zu laut ist“, meint Kuhlmann. In der heutigen Welt seien dagegen Doppelverglasung und Lärmschutzwände ein wichtiger mechanischer Schutz.
Nur selten, etwa fünf Mal pro Jahr, behandle das St. Rochus-Hospital Patienten wegen Lärmfolgen, wie Nervosität, Stress, Bluthochdruck oder Herzbeschwerden, erklärt Dr. Christian Szymanski, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. „Sie werden dann zum Beispiel wegen einer Blutdruckkrise eingeliefert, oder weil sie hyperventilieren.“ Betroffen seien vor allem Menschen, die an chronischem Lärm litten, „und dann kommt eine Akutsituation dazu, zum Beispiel wenn bei geöffnetem Fenster der achte Bus vorbeifährt“, nennt Szymanski ein Beispiel.

Schallschutz

Ab Herbst werden in Rauxel Schallschutzwände entlang der Köln-Mindener Eisenbahnlinie errichtet. Mehr Informationen dazu erhalten Bürger am Mittwoch (14. Mai) ab 19 Uhr bei einer Informationsveranstaltung im Hildegardisheim an der Clemensstraße 60.
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3 Kommentare
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Wolfgang Höffchen aus Castrop-Rauxel | 04.05.2014 | 11:00  
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Sandrina Klaver aus Weeze | 12.05.2014 | 10:38  
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Wolfgang Höffchen aus Castrop-Rauxel | 12.05.2014 | 10:42  
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