Lyrischer Zufall

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„Kennt jemand ein Gedicht von Goethe über den Frieden?“, frug unlängst Kollegin v.d. in die Redaktionsrunde. Hintergrund der Frage war, dass eine Initiative anlässlich des Attentats auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ einen Ginkgo-Baum an der Skateranlage in Habinghorst pflanzen möchte – als Symbol für Frieden.

Der Ginkgo war der Lieblingsbaum von Johann Wolfgang von Goethe. Redaktionsinterne Recherchen stießen uns bald auf das Gedicht „Gingo biloba“ (ohne „k“), das der Dichter 1815 Marianne von Willemer widmete. In der ersten Strophe heißt es: „Dieses Baums Blatt, der von Osten/Meinem Garten anvertraut,/Giebt geheimen Sinn zu kosten,/Wie‘s den Wissenden erbaut.“

Vier Jahre später nahm Goethe das Gedicht in seinen „West-östlichen Divan“ auf, das vom „Diwan der Ghaselen“ des persischen Dichters Hafis (1320-1389) inspiriert worden war. Wie es der Zufall will, bilden Hafis‘ Gedichte meine gegenwärtige Lektüre.

Übrigens: Auf das Goethe-Gedicht hat die Kollegin in ihrem Beitrag verzichtet.
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