Über den Wolken

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Die Anfänge des Segelfliegens: Die Piloten saßen in selbstgebauten Flugzeugen. Ein richtiges Cockpit gab es noch nicht. (Foto: LSCCR)
 
Ein modernes Segelflugzeug in der Luft. (Foto: LSCCR)

Jedes Jahr fliegen tausende von Menschen mit dem Flugzeug in den Urlaub. Sich selbst hinter den Steuerknüppel setzen, tun nur wenige. Dabei ist das Fliegen nicht zwangsläufig ein Hobby für privilegierte Schichten, wie der Luftsportclub Castrop-Rauxel beweist.

Derzeit bleiben die Maschinen am Boden. Die Segelflugsaison dauert von März bis Oktober. Untätig werden die rund 30 Mitglieder des Luftsportclubs Castrop-Rauxel (LSCCR) in dieser Zeit nicht. An den Fliegern werden Nachbesserungen vorgenommen; es wird repariert und gewartet.

Das Segelfliegen ist keine Beschäftigung für Einzelgänger. „Man kann sagen, dass es ein Gemeinschaftssport ist. Es funktioniert nur, wenn alle zusammen arbeiten“, betont Hans Joachim Benfer vom Vorstand des LSCCR. Und: „Mit Krokodilleder oder Sektkelch hat Segelfliegen wenig zu tun. Man muss schon ran.“ Bei einem Flugtermin heißt das, ein oder zwei fliegen, fünf schieben.

Zwei Fluglehrer hat der Club. Zwei bis drei Jahre dauert es, bis man den Pilotenschein machen kann. Den ersten Alleinflug können Schüler nach ein paar Monaten absolvieren. Die Flugausbildung darf übrigens schon im Alter von 14 Jahren begonnen werden. Ein segelflugbegeisteter Lehrer des Adalbert-Stifter-Gymnasiums bot eine Segelflug-AG an. Und an der Volkshochschule wurden sogar Segelflug-Kurse angeboten.

Die Anfänge des LSCCR liegen über 60 Jahre zurück. „Früher“, erzählt Benfer, „sind die Flugzeuge von den Vereinen selbst gebaut worden.“ 1951 ist der LSCCR gegründet worden. „Da waren ein paar Weltkriegsveteranen dabei.“ Die in Eigenarbeit hergestellten Flugzeuge besaßen noch kein richtiges Cockpit. Die Piloten saßen damals tatsächlich im Freien.

Was sich nicht geändert hat, ist das Grundprinzip. Segelflieger nutzen die Thermik. Nachdem sie entweder durch ein motorisiertes Flugzeug oder durch den sogenannten Windenstart gestartet sind, nutzen sie warme Aufwinde, um an Höhe zu gewinnen, und gleiten durch die Luft.

Bei einem normalen Rundflug erreichen die Segelflieger eine Flughöhe von etwa 400 Metern. Erfahrene Piloten erreichen, bedingt durch gute Wetterverhältnisse, durchaus größere Höhen – und beachtliche Strecken, die ein Laie dem Segelflieger auf Anhieb gar nicht zutraut. Vom Flugplatz Borkenberge bei Dülmen, dem Heimatflugplatz des LSCCR, flog Benfer Ende Mai bis in den Aachener Raum und wieder zurück. Dabei erreichte er zwischendurch eine Flughöhe von mehr als 1.600 Metern. Der Flug dauerte insgesamt dreieinviertel Stunden.

Nicht immer haben die Luftsportler Glück mit der Thermik. „Die Landung auf dem Acker ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Man ist wetterabhängig“, erläutert Benfer.

Drei Segelflugzeuge gehören dem LSCCR. Ein viertes ist vor Kurzem bei einem Startunfall kaputt gegangen. Der Club benötigt ein neues Flugzeug, doch die Anschaffung ist kostspielig. Segelflugzeuge werden nicht in Serie hergestellt, sondern als Einzelstücke. Rund 100.000 Euro müssen dafür in die Hand genommen werden. Aber das ist nicht alles. „Da gibt es Wartezeiten von bis zu zwei, drei Jahren“, sagt Benfer.

Finanzieren will der Club den Kauf des neuen Fliegers unter anderem über eine Luftbildaktion. Unter dem Titel „Unsere Heimat Castrop-Rauxel“ haben die Vereinsmitglieder Fotos von der Stadt aus der Luft aufgenommen und bieten diese zum Verkauf an. Weitere Informationen zu der Aktion und zum Luftsportclub insgesamt gibt es auf www.lsccr.de.
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