Was vom LippePolderPark bleiben soll

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Die Skizze der Deichkrone zeigt, wie die Plattform aussehen soll. (Foto: Observatorium)
 
Das Luftfoto zeigt die Stelle über dem Durchlassbauwerk, wo die Deichkrone entstehen soll. (Foto: Thomas Rath)
Dorsten: Deichkrone |

„Stadtpark für einen Sommer“ – so lautet das Motto des LippePolderParks. Enden wird der Sommer für den bereits beliebten Stadtpark am 13. September. Was bleibt danach vom PolderPark?

Der Lippeverband hat gemeinsam mit den beiden Künstlerinnen Brigitte Stüwe und Christa Zenzen, der Künstlergruppe Observatorium und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Dorsten die Idee für die „Deichkrone“ und die sogenannten „Polderklicks“ entwickelt. Die Deichkrone ist eine neue Aussichtsterrasse in Dorsten-Hervest, die einen hervorragenden Blick auf die Lippe bietet. Die „Polderklicks“ wiederum bieten per QR-Code und Smartphone interessante Einblicke hinter die Kulissen der Lippelandschaft. Eingeweiht werden sie am 4. September.

Mit dem LippePolderPark möchte der Lippeverband die Bevölkerung auf die wasserwirtschaftlichen Besonderheiten dieser Region aufmerksam machen. Rund 40 Prozent des Emscher-Lippe-Gebietes sind infolge des Kohleabbaus abgesackt – teilweise um bis zu 30 Meter. Zahlreiche Pumpwerke sowie meterhohe Deiche – wie an der Lippe in Dorsten – sorgen dafür, dass die Stadtteile dennoch trocken bleiben.

Diese Kernaufgabe des Lippeverbandes – Entwässerung von Poldergebieten und Hochwassermanagement – können die Bürger künftig von der Deichkrone erleben. Die Idee dazu entstand im Rahmen der vom NRW-Städtebauministerium geförderten Kooperation „Gemeinsam an der Lippe“, hier zwischen dem Stadtteilbüro Hervest und dem Lippeverband.

Dieser neue, u.a. von der Künstlergruppe Observatorium gestaltete Lippe-Balkon befindet sich rechtsseitig der Lippe im Bereich der Ellerbruchstraße, unweit des Tierschutzvereins. Die Terrasse liegt dabei genau über einem Durchlassbauwerk des Lippeverbandes und bietet neben einem tollen Ausblick auch eine Lehrstunde in Sachen Wasserwirtschaft.

Hier fließt bei Trockenwetter der Ellerbruchgraben durch das Bauwerk in die Lippe. Bei Hochwasser in der Lippe werden die Schieber des Durchlassbauwerks geschlossen, damit es keinen Rückstau aus dem Fluss gibt. In diesem Fall wird der Ellerbruchgraben über ein Pumpwerk, das sich direkt neben dem Tierheim befindet, über den Lippedeich gepumpt. Diese Rohrleitungen sieht man ebenfalls von der Deichkrone, sie liegen unmittelbar links vom Balkon.

Doch die Terrasse ist nicht alles, was geboten werden soll: Die beiden Künstlerinnen Brigitte Stüwe und Christa Zenzen haben die sogenannten Polderklicks entwickelt. Doch was verbirgt sich dahinter? Ganz einfach: „PolderKlicks“ bietet die Möglichkeit, einen Einblick hinter die Kulissen der Lippelandschaft zu nehmen. Steht man auf der Plattform des Durchlassbauwerks in Hervest unter der Deichkrone, schaut man auf die grünen Lippeauen. Aber welche Geschichten finden sich dahinter? Welche Menschen und Akteure planen und bauen dort? Wer lebt hinter dem Deich und wie fühlt sich dieses Leben über die Generationen hinweg an? Welche Technik arbeitet hinter der scheinbar völlig natürlichen Landschaft und wie hat sie sich verändert? Mit anderen Worten: Welche moderne(n) Kunst-Geschichte(n) verbergen sich hinter dieser Aussicht ins Grüne?

Da diese Geschichten zumeist nicht sichtbar sind, steigt auch der Besucher des Durchlassbauwerkes in Hervest mittels acht gestalteter QR-Codes, welche auf den beiden Motorblockkästen des Lippeverbandes montiert sind, in eine zunächst nicht erkennbare, sich digital erschließende Welt ein: Scannt man diese Codes mit dem Smartphone, so gelangt man auf eine Webseite, die spielerisch jeweils einen besonderen Aspekt der Lippelandschaft ins Bewusstsein bringt. Ob Zitat, Interview, Hintergrundinformation oder Film-, Audio oder Bildmaterial – die Geschichten, die erzählt werden sollen, geben die Form vor.

So entwickelt sich Internet-Klick für Internet-Klick bis Ende 2016 die (Kunst)-Geschichte von Lippe und Deich, Aue und Kanal, Deichkrone und LippePolderPark und den Menschen, die mit und hinter dem Deich in Hervest leben.

Hintergrund zum LippePolderPark:

Kunstobjekt und Central Park am Wasser für einen Sommer – das ist der LippePolderPark. Im Juli wurde zwischen Lippe und Wesel-Datteln-Kanal in Dorsten der „LippePolderPark“ eröffnet: als ein Stück Landschaftskunst, als Stadtpark für einen Sommer, als Drehscheibe und kultureller Treffpunkt umgeben von Wasser. Das künstlerische Konzept für den PolderPark an der Lippe stammt von der Rotterdamer Künstlergruppe Observatorium und der Dorstenerin Marion Taube, Kopf des Kreativlabels Freitaube.

Um die Realisierung des LippePolderParks kümmern sich der Lippeverband, der dafür auch Fördermittel des NRW-Städtebauministeriums aus der 2014 ins Leben gerufenen Kooperation „Gemeinsam an der Lippe“ einsetzt, und die Stadt Dorsten. Der LippePolderPark passt zu den wasserwirtschaftlichen Aktivitäten des Lippeverbandes, welche die Lippe auch für Freizeit und Naherholung erschließen.

Für die Stadt Dorsten bedeutet der PolderPark eine neue Sicht auf das Stadtgebiet beiderseits der Lippe und lädt dazu ein, den grünen Streifen zwischen Fluss und Wasserstraße zu entdecken und hieraus einen neuen Treffpunkt für ihre Bewohner zu entwickeln.

Namenspate des LippePolderParks sind „Polder“ – so werden in der Wasserwirtschaft Flächen bezeichnet, die tiefer liegen als der Wasserspiegel der angrenzenden Gewässer. Dazu zählt sowohl das Land, das die Holländer durch Eindeichen über die Jahrhunderte der Nordsee abringen konnten. Dazu zählen aber auch durch Bergbaueinwirkung abgesunkene Flächen an Emscher und Lippe, die zum Schutz vor Hochwasser dauerhaft eingedeicht werden müssen. Der Lippeverband kümmert sich um den Schutz der Polder in der Region in besonderem Maße. 38 Prozent des Emschergebiets und 14 Prozent des Lippeverbandsgebiets sind Polderflächen, die allerdings innerhalb des weitläufigen Lippe-Einzugsgebiet sehr unterschiedlich verteilt sind: In der ehemaligen Bergbaustadt Dorsten beträgt der Anteil der Polder am Stadtgebiet immerhin rund 73 (!) Prozent.
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