Die Dokumentarin des Wandels

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Vom Stahlwerk zum See - die Dortmunder Fotografin Eva Horstick-Schmitt hat diese Veränderung dokumentiert. „Ich habe ja seit 1997 die Dinge dort fotografiert. Etliche Filme in Schwarzweiß und Farbe erstellt, die Veränderungen des Geländes am Phoenix-See und auf Phoenix West allerdings in Farbe. Jedes Jahr.“

Dabei hat sie nicht nur abgebildet, was sie dort gesehen hat, sie hat auch Fotos inszeniert. So stehen dann die chinesischen Arbeiter, die das Stahlwerk damals abgebaut haben, neben semiprofessionellen Fotomodels. Die wiederum posieren in einer leeren Werkshalle. Ein Bild, das das Spannungsfeld, in dem Eva Horstick-Schmitt sich bewegt, gut illustriert: Zwischen Modeschau und Models, Frauenrechten und gesellschaftlichem Engagement, zwischen Nonprofit-Projekten und Hochglanzbildern.

„Vergessene Räume, historische Bauwerke, Gegenstände, die nie mehr benötigt werden, das hat mich interessiert“, erzählt die Fotografin, die zum Studium 1991 vom Münsterland nach Dortmund kam und sofort von der Industriekulisse und der Industriekultur hier fasziniert war:

„Veränderungen, Abriss, Erinnerungen an das Arbeitsleben des Reviers. Bilderzählungen aus der Vergangenheit in eine eher ungewisse Zukunft für die Menschen, das wollte ich festhalten.“ Dabei hat sie nicht nur dokumentiert, sie hat sich auch engagiert: „Ich war auch bei der Demo der Hoeschianer gegen die Schließung der Standorte dabei.“

Eva Horstick-Schmitt bleibt gerne dran an den Dingen. Sie arbeitet an vielen Langzeitprojekten mit übergeordneten Themen:„ Das ist mein Drang, Altes irgendwie zu bewahren und mit neuen Bildern in die Zukunft zu bringen.“ In Hörde sollten die Grenzen des Alltags und die Sensibilität für die Vergangenheit und Klarheit für das Jetzt aufeinander treffen - als Langzeitprojekt.

Nach der Ausbildung zur Fotografin und dem Studium, dass sie mit der Prüfung zur Reportage-Fotografin abgeschlossen hatte, reiste sie in den Kossovo. Eine Reportage folgte, die das Leben der Frauen dort zwischen Zwangsprostitution und Menschenhandel und die Arbeit der UNO dort zeigte. „Ich habe eine Polizistin aus Hannover dort begleitet, alles ohne Blitz und aus der Hand fotografiert, ich wollte Geschichten erzählen, nichts inszenieren.“ Diese Arbeit war nicht ganz ungefährlich, es gab brenzlige Situationen.

Danach hat die alleinerziehende Mutter eines inszwischen erwachsenen Sohnes ganz verschiedene Dinge gemacht: Reportagen fotografiert, Modenschauen organisiert, viele Frauen an vielen Orten in Dortmund fotografiert, eine Serie von Familienbildern im Ruhrgebiet realisiert. Die Industrie lässt sie aber nicht los, vor kurzem war sie noch auf der Kokerei Hansa, mal nachsehen, was sich so verändert hat.
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