Filme bis zum Exzess

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Kuschelig-intim wird es beim Frauen Film Festival im Kino Sweet Sixteen im Depot. (Foto: Archiv)

Sechs Tage lang, vom 9. bis zum 14. April, rückt das Frauen Film Festival das Filmschaffen von Frauen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Thema ist in diesem Jahr Exzess. Das Publikum darf sich auf ein großes internationales Filmprogramm freuen, in dem bildgewaltige Spielfilme neben engagierten Dokumentarfilmen und Kurz- und Experimentalfilmen zu sehen sind. Insgesamt sind es 106 Filme aus 24 Ländern.
Böse Frauen, Selbstoptimierung und entfesselte Milliardäre - das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund| Köln stellt ein großes Programm zum Thema vor.

Am 9. April beginnt die aktuelle Ausgabe des Internationalen Frauenfilmfestivals. Das 6-tägige Kulturereignis zeichnet sich durch ein umfangreiches thematisches Filmprogramm aus, das Filme von Regisseurinnen aus der gesamten Filmgeschichte präsentiert. Seit Anbeginn hat das Festival in Dortmund eine Reihe von festen Kooperationspartnern und Förderern. Dazu gehören neben dem Land NRW vor allem die Stadt und seit über 20 Jahren die Sparkasse.

Mit einem Blick in die Filmgeschichte werden bereits erprobte künstlerische
Strategien mit aktuellen Positionen verknüpft. Das Spektrum reicht dabei vom frühen Stummfilm über Raritäten der 60er und 80er Jahre, vom Avantgarde- und Spielfilm bis zu preisgekrönten Dokumentationen. +

Dem Umgang mit „dem Anderen“ gilt das Interesse zahlreicher Filmemacherinnen. Wer wird in der Gesellschaft von wem ausgeschlossen? Welche Institutionen, von der Psychiatrie bis zur Asyl-Gesetzgebung, sind daran beteiligt? In „Die 727 Tage ohne Karamo“ (A, 2013) erzählt Anja Salomonowitz die Geschichten von binationalen Liebespaaren. Wenn Menschen aus Österreich Menschen aus Afghanistan, China oder Nigeria heiraten und mit ihnen leben möchten, dann aktiviert der österreichische Staat nicht selten ein Arsenal an bürokratischen und polizeilichen Mitteln, um die Heirat zu erschweren oder für ungültig zu erklären.

Der feministische Klassiker „Dialogues with Madwomen“ (USA, 1993) von Oscar-Preisträgerin Allie Light lässt sieben Frauen, einschließlich Light selbst, über ihren „Wahnsinn“ sprechen. Verrücktheit oder Normalität: Psychiatrische Diagnosen wie Persönlichkeitsspaltung, manische Depression oder Schizophrenie, erscheinen durch die persönlichen Ausführungen der Frauen in einem anderen Licht.

Eine kleine Hommage ist der im vergangenen September verstorbenen Experimentalfilmerin Anne Charlotte Robertson gewidmet, die die Diagnose „manische Depression“ ignorierte und an das Filmemachen und Gärtnern als Therapie glaubte.

Das Programm hat Wilbirg Brainin-Donnenberg (Österreich) für Dortmund zusammengestellt. Das Spektrum reicht vom Stummfilm „Rapsodia Satanica“ (Regie: Nino Oxilia, I, 1915) mit Lyda Borelli, in der die Protagonistin einen Teufelspakt für ewige Schönheit eingeht, über Videokunst der 80er Jahre bis zum Dokumentarfilm „Ballad of Genesis und Lady Jaye“ (Regie: Marie Losier, USA, D, UK, NL, B, F 2011), in dem die Um- Formung des Körpers zum Kunstprojekt wird. Spannend sind dabei die Beziehungen, die sich zwischen den Filmen aus verschiedenen Jahrzehnten entwickeln. Ein Klassiker ist „Variety“ (USA, 1983) von Bette Gordon:

Eine junge Frau übernimmt einen Job als Kassiererin in einem New Yorker Porno-Kino. Weniger aus erotischem Interesse als aus Wissensdrang beobachtet und verfolgt sie einen Kunden. Tradierte Rollenzuschreibungen werden ausgelotet und auf den Kopf gestellt. Um neue post-feministische Positionen und eine Analyse, wie zeitgenössische Medien Geschlechter-Differenzen immer neu generieren, wird es in einem Vortrag der Medienwissenschaftlerin Andrea Seier (Wien) gehen.

„E wie Erschöpfung“ lautet der Titel einer von der Bochumer Kuratorin und Autorin Katrin Mundt zusammengestellten Reihe, die sich dem merkwürdigen Zwiespalt zwischen Übermaß und Erschöpfung inhaltlich und formal nähert. Darin sind Arbeiten von Shelly Silver, Kristin Lucas, Lydia Schouten u.a. zu sehen.
...Exploitation-Film, das bedeutet Sex, Action, Gewalt und extrem billige Produktions-Standards im chauvinistischen Setting. Das Festival hat Filme der wenigen Frauen, die in diesem Kontext tätig waren, aus der Schmuddelkiste ausgegraben und will untersuchen, ob diese B-Ware für eine subversive Lesart aus feministischer Sicht taugt. Lustvoll zelebrierter Dilettantismus zeichnet eine der kuriosesten Gestalten der Filmgeschichte aus: Doris Wishman gilt als Königin des Trash-Films. Den Monsterfilm bedient Barbara Peeters mit „Grauen aus der Tiefe“ (USA, 1980) und ein echtes soziales Anliegen rund um die Punk-Szene von L.A. interessiert Penelope Spheeris in „Suburbia“ (USA, 1983).

Bis zu den „Bösen Frauen“ der vierten Reihe des Festivals ist es da nur ein kleiner Schritt. Weitere Infos zum Programm gibt es unter www.frauenfilmfestival.eu Das Festival wird am 9. April mit der Deutschlandpremiere von „Ginger & Rosa“ im Cinestar starten. Die Spielorte sind das Kino im U, Die Schauburg, Sweet Sixteen, Cinestar, und die VHS Dortmund.
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