Hilfe mit Familienanschluss

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Flüchtlingspatin Sigrid Czyrt (v.l.), die geflüchteten Yahya und Mohammed aus Syrien, Michael Weber und Volker Töbel am Kaffeetisch. (Foto: Klinke)
 
Volker Töbel (r.) und Sigrid Czyrt mit ihrem Patenkind Yahya. Der 24-Jährige aus Syrien sucht eine Ausbildungsstelle zum Friseur. (Foto: privat)

Paten helfen Flüchtlingen im alltäglichen Leben.

Den ersten Kontakt mich Flüchtlingen hatten Volker Töbel und Sigrid Czyrt bei ihrer Arbeit im damaligen Protestcamp der syrischen Flüchtlinge an der Katharinentreppe. Die Geflüchteten demonstrierten damals gegen die schleppende Bearbeitung ihrer Asylanträge.

Sigrid Czyrt hatte damals, vor rund eineinhalb Jahren begonnen, die Menschen dort vor Ort in der deutschen Sprache zu unterrichten. Daraus wuchs ein langfristiges Ehrenamt und der gemeinnützige Verein Flüchtlingspaten Dortmund. "Meistens weisen uns die Flüchtlinge, die wir kennen, auf Personen hin, die besondere Hilfe brauchen", erklärt Sigrid Czyrt. So kommt dann der Kontakt zu den Paten zustande.

"Ein junger Mann aus Syrien wurde uns damals besonders ans Herz gelegt, er hatte große Angst, nach Italien, wo er in die EU eingereist war, zurückgebracht zu werden", erzählt Volker Töbel. Sigrid Czyrt und Volker Töbel brachten den heute 24-jährigen Yahya Kallab kurzentschlossen für fünf Monate in ihrem eigenen Haus unter. Mittlerweile hat der junge Mann eine eigene Wohnung, spricht Deutsch und besucht ein Projekt der Handwerkskammer, das Sprach- und Berufskenntnisse vermittelt. Für seinen Traumberuf Friseur sucht Yahya noch eine Ausbildungsstelle.

Auch Michael Weber ist Pate und betreut einen jungen Flüchtling. Mohammed ist 19 und stammt ebenfalls aus Syrien, seine Familie lebt derzeit im Libanon. Seit zehn Monaten ist Mohammed in Deutschland, seine Deutsch- und Englischkenntnisse verdankt er seinem Paten, den er "Papa Michael" nennt. Zunächst einmal beginnt er jetzt einen Deutschkurs bei der VHS, später möchte er zur Schule gehen und am liebsten Zahnmedizin studieren.

Jeder Pate im Verein hat ein "Patenkind" zu betreuen, nur die beiden Gründer Volker Töbel und Sigrid betreuen mehrere Flüchtlinge gleichzeitig, "Im Moment suche ich für eine junge, demnächst dreiköpfige Familie dringend eine Wohnung. Die Frau ist hochschwanger. Der Stadt-Anzeiger ist für unsere Suche nach Wohnungen das Hauptmedium", erklärt Sigrid Czyrt. "Und mit den Wohnungsanzeigen lernen sie gleich deutsch."

Auch Michael Weber bestätigt: "Wohnungen zu finden ist wirklich ein sehr schwieriges Feld, das tut schon manchmal weh." Die Chemie muss stimmen zwischen Paten und Patenkind, "man muss sich erstmal richtig kennenlernen und sich vertrauen", fasst Michael Weber seine Rolle zusammen.

"Wire helfen natürlich auch bei Post von den Behörden. Manchmal habe ich da Sachen vor mir, die muss ich als ehemaliger Deutschlehrer mehrfach lesen, um sie zu verstehen", erklärt Volker Töbel. Bei den Ämtern und Institutionen wie beispielsweise dem BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) haben die Vereinsmitglieder schon verschiedene Kontakte aufgebaut, das Netzwerk wächst.

Unterstützung kann der noch junge Verein, der sich erst im vergangenen Dezember gegründet hat, an verschiedenen Stellen brauchen:

So werden zum einen Menschen gesucht, die Patenschaften übernehmen wollen. Aber auch finanzielle Spenden sind willkommen: "Wir haben zum Beispiel die Nachfrage eine älteren Dame, die wie bei einer der großen Paten-Organisationen für ein Kind monatlich Geld einzahlen möchte. Damit können dann verschiedene Dinge bezahlt werden oder das Geld kann für die Ausbildung angespart werden", so Sigrid Czyrt.

Willkommen sind beispielweise auch Lehrer, die ehrenamtlich Deutsch unterrichten möchten: "Wir möchten gerne eine Lehrerkurs etablieren, damit die Flüchtlinge auch das B2-Level nachweisen können", so Sigrid Czyrt. Das ist besonders für die Aufnahme eines Studiums wichtig.

"Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Geflüchteten ändern sich ja ständig, da wäre es auch schön, wenn wir Kontakt zu Rechtsanwälten bekämen, die auf diesem Gebiet arbeiten", wünscht sich Volker Töbel.

Info:


Der Verein unterstützt Flüchtlinge bei alltäglichen Problemen mit Patenschaften

Er hilft beim Familiennachzug und bei der Familienzusammenführung

Er sammelt Spenden für Familiennachzug und für allgemeine Integrationsmaßnahmen

Weitere Infos gibt es auf der Seite www.fluechtlingspaten-dortmund.de, und per E-Mail an: info@fluechtlingspaten-dortmund.de

Zitat:

"Die Arbeit im Verein ist für mich ein ganz neuer Abschnitt im Leben. Es ist ein bisschen so wie Kinder zu bekommen. Da müssen auch ganz viele Dinge geregelt werden." Volker Töbel
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