Katholische Stadtkirche fragt: „Was kommt nach dem Willkommen?“

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Experten aus unterschiedlichen Bereichen gestalteten die Diskussion zur Frage „Was kommt nach dem Willkommen?“ im Katholischen Centrum. Das Impulsreferat hielt Ulrich Kober von der Bertelsmann-Stiftung (Reihe oben, 2.v.l.). (Foto: pdp)

Rund 60 Millionen Menschen weltweit sind derzeit auf der Flucht. Viele von ihnen suchen Schutz in Deutschland. Doch wie kann man sie am besten in die Gesellschaft integrieren?

„Nach dem Willkommen ist vor dem Willkommen“, so leitete Ulrich Kober, Direktor des Programms Integration und Bildung der Bertelsmann-Stiftung, im Katholischen Centrum eine Informationsveranstaltung zum Thema „Willkommenskultur und Zuwanderung“ ein. Man müsse sich darauf einstellen, dass noch viele Schutz suchende Menschen zu uns kommen und auch lange bleiben werden.

Darüber, wie die notwendige Integration gelingen kann und was die Zuwanderung für die Gesellschaft bedeutet, sprachen Ludger Rickert, von der Katholischen Bildungsstätte für Erwachsenen- und Familienbildung, Jutta Reiter, Vorsitzende des DGB Dortmund-Hellweg, Astrid Neese, Leiterin der Arbeitsagentur, Annette Sprenger, Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe, Manfred von Kölln von der Caritas und Friedrich Stiller, Leiter des Referats für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche.

Integration durch Arbeit durch Bildung seien die Königswege, betonte Ulrich Kober. Das sei aber nicht ohne Investitionen möglich. Investitionen, die sich aber langfristig für die Gesellschaft auszahlen werden. „Wir brauchen etwa eine halbe Millionen Zuwanderer pro Jahr, um bis zum Jahr 2050 das derzeitige Potential erwerbstätiger Menschen aufrecht zu erhalten“, rechnete er vor. Investitionen im sozialen Wohnungsbau oder beim Ausbau von Ganztagsschulen würden darüber hinaus letztlich der gesamten Bevölkerung zugutekommen und auch Arbeitsplätze schaffen.

Astrid Neese wies darauf hin, dass es sich bei den Flüchtlingen zunächst um Schutzsuchende und nicht um Arbeitsmigranten handle. Gleichwohl brauche Deutschland Arbeitskräfte. „In der aktuellen Entwicklung stecken mehr Chancen, als wir ahnen, aber auch Herausforderungen“, meinte Neese.

Zu diesen Herausforderungen zählt nicht zuletzt der Umgang mit kulturellen Unterschieden und verschiedenen religiösen Traditionen. Friedrich Stiller verwies in diesem Zusammenhang auf den gelebten interreligiösen Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen in Dortmund. „Wir wollen die Dialogführung zu den Flüchtlingen tragen“, erklärte er. Es gehe darum, Orte der Begegnung zu schaffen und so Verständnis zu fördern und Veränderungen zu ermöglichen.

Mit Blick auf die aktuelle Situation beim Thema „Wohnen“ erläuterte Manfred von Kölln, dass die Flüchtlinge voraussichtlich länger unter schwierigen Bedingungen in einer Übergangseinrichtung leben müssten. Daher seien eine Tagesstruktur und Integrationsangebote wichtig.

Hilfen sollten nicht die Unselbständigkeit fördern, betonte Annette Sprenger, die als Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe tätig ist: „Viele Flüchtlinge haben bereits eine große Alltagskompetenz und wir dürfen ihnen nicht alles abnehmen.“

Notwendig ist die Hilfe aber beim Spracherwerb. Man müsse nicht notwendigerweise Lehrer sein, um Flüchtlingen beim Deutsch lernen zu helfen, sagte Ludger Rickert. Oft gehe es um einfache alltagstaugliche Dinge, die in der Begegnung erklärt werden könnten.
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