"Smartphones gehören nicht in Kinderhände": Gespräch mit dem Medienbeauftragten des Kinderschutzbundes Düsseldorf

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Die Frage, wie viele Stunden vor dem PC vertretbar, wie viele "ungesund" seien, lasse sich pauschal nicht beantworten, sagt Ansgar Sporkmann, Medienbeauftragter des Kinderschutzbundes Düsseldorf. "Wichtig ist, dass das Gleichgewicht stimmt." (Foto: DKSB/Susanne Tessa Müller)

Vor rund zehn Tagen befreite ein Sondereinsatzkommando der Polizei den zwölfjährigen Paul aus der Wohnung eines 35-jährigen Mannes in Hassels. Der Junge aus der Schweiz hatte den mutmaßlich Pädophilen in einem Internet-Chatroom kennengelernt und sich dann mit ihm verabredet. Wie können Eltern ihre Kinder vor Gefahren aus dem Internet schützen? Darüber sprach der Rhein-Bote mit Ansgar Sporkmann, dem Medienbeauftragten des Kinderschutzbundes Düsseldorf.

Online-Spiele, soziale Netzwerke, Chatrooms: Das Internet bietet 1.000 und eine Möglichkeit, mit anderen Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Doch nicht immer sind diese Kontakte harmlos. Für Kriminelle ist es ein Leichtes, unter falscher Identität gezielt auf Opfersuche zu gehen. Auch für Pädophile.
"Früher standen sie am Schultor, heute können sie anonym vom PC aus agieren", sagt Ansgar Sporkmann. Das ermögliche ihnen beispielsweise, sich ebenfalls als Kind auszugeben und ein freundschaftliches Verhältnis zum potenziellen Opfer aufzubauen, dessen Interessen und Vorlieben in Erfahrung zu bringen. Gesundes Misstrauen sei daher bei Kontakten im Netz wichtig. Und da können Eltern ihr Kind stärken: "Vertrauen ist das A und O. Eltern sollten sich dafür interessieren, welche Spiele ihre Kinder spielen, wo sie im Netz unterwegs sind und mit wem sie chatten. Fragen Sie nach, lassen Sie sich Dinge, die Sie nicht kennen, erklären. Spielen Sie mit. Kinder möchten sich ernst genommen fühlen, dann suchen sie auch das Gespräch, wenn Probleme auftauchen. Grundsätzlich gilt: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser."

"Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser"


Die Frage, wie viele Stunden vor dem PC vertretbar, wie viele "ungesund" seien, lasse sich pauschal nicht beantworten, sagt der Experte. "Wichtig ist, dass das Gleichgewicht stimmt. Trifft das Kind Freunde? Treibt es Sport? Ist es aktiv? Dann ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn das neue Computerspiel am Anfang exzessiver als üblich gespielt wird."

Das Gleichgewicht muss stimmen


Dennoch gebe es Regeln, die Kinder im Netz dringend einhalten sollten: "Niemals die Adresse angeben. Niemals Fotos schicken, wenn der GPS-Modus aktiviert ist, weil dann der Aufenthaltsort ebenfalls gesendet wird. Möglichst keine Verabredungen via Internet treffen und wenn doch, niemals alleine hingehen", rät Sporkmann.
Wichtig sei, dass Eltern begleiten, zum Beispiel gemeinsam mit dem Kind die Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke vornehmen, erklären, warum sie wichtig sind und auf mögliche Gefahren hinweisen. "Ein Mediennutzungsvertrag zwischen Eltern und Kind ist eine sinnvolle Sache. Darin können beide Seiten Rechte und Pflichten festlegen. Man begegnet sich also auf Augenhöhe."

Verdächtige Kontakte sofort blockieren


Was aber tun, wenn ein Chat-Kontakt plötzlich intime Fragen stellt oder das Kind zu etwas drängen möchte? "Verdächtige Kontakte sollte man sofort blockieren. Und dann die Augen offen halten. Denn oft melden sie sich unter anderem Namen neu an und suchen wieder den Dialog." Sinnvoll sei auch, gemeinsam über die aktuelle Berichterstattung - etwa im Fall von Paul - zu diskutieren. Nicht, um Angst zu schüren, sondern um zu überlegen: Wie konnte es dazu kommen? Wie ließe sich eine solche Situation möglicherweise vermeiden?

Welcher Fehler ist vielen Eltern in Bezug auf den Umgang mit Medien gar nicht bewusst? "Der fahrlässige Umgang mit Smartphones. Sie gehören einfach nicht in Kinderhände, weil das offene Internet zu viele Risiken birgt. Ein Smartphone kommt frühestens ab zwölf Jahren in Frage."

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