Tatoo aus Duisburg

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Heimatliebe, die unter die Haut geht: Mitarbeiter von thyssenkrupp lässt sich Duisburgs „Roten Riesen“ tätowieren

Nach sechs Stunden hilft auch die größte Heimatliebe nicht mehr: Dann ist mit Tätowieren erst einmal Schluss. Die Haut braucht eine Pause. Aber der Hochofen 8 des thyssenkrupp-Stahlwerks in Duisburg-Hamborn, ein prägnantes Wahrzeichen der Stadt, ist inzwischen ein ganzes Stück kompletter geworden. Andreas Krug lässt sich den sogenannten „Roten Riesen“ auf den rechten Unterarm tätowieren. Der 44-jährige ist gebürtiger Rheinhauser und arbeitet seit bald 30 Jahren bei thyssenkrupp. Der gelernte Energieelektroniker begann im Thyssen-Werk in Duisburg-Hochfeld und arbeitet jetzt als Prozesskoordinator in der Bandbeschichtungsanlage in Beeckerwerth. Die Tätowierungen sind für ihn bleibendes Zeichen seiner Heimatverbundenheit: Duisburg auf der Haut und im Herzen.

Kleiner Atlas der Heimatliebe: Hochofen und Brücke der Solidarität
Heimat und Arbeit sind Andreas Krug nicht zu trennen und so wuchs in ihm die Idee, diese Verbundenheit auch sichtbar zu machen: „Die Tätowierungen sind mein Weg, Identifikation mit Duisburg und meiner Arbeit auszudrücken. Den Wunsch dazu hatte ich schon lange – und der Hochofen 8, hier in unserem Werk in Hamborn, stand als Motiv für mich auch schon fest“, erklärt der Duisburger. Im September 2015 war es dann soweit: Gemeinsam mit Alexander Stein, einem freiberuflichen Tätowierer, brütete er in einem Essener Tattoo-Studio über den besten Weg, den Plan Realität werden zu lassen. Den Hochofen brachte Krug als Foto mit: „Das ist schon ein sehr anspruchsvolles Motiv mit vielen Details“, erklärt Stein und ergänzt: „Die Farben müssen gemischt und den Vorlagen angeglichen werden, auch die Übergänge in die Umgebung müssen stimmen. Ich spreche vorher immer intensiv mit den Kunden über die Tätowierungen, gerade bei größeren Arbeiten ist das wichtig. Schließlich will ich genau das umsetzen, was der Kunde als Idee mitbringt. Viele denken lange über eine Tätowierung nach und sind dann aufgeregt, wenn es an die Umsetzung geht.“

„Ja, da trägst Du schon eine gewisse Verantwortung“, schmunzelt Krug, „ein bisschen nervös war ich vorher auch“, gibt er zu. Aber bald wurde klar, dass auf seinem rechten Unterarm ein kleines Kunstwerk entsteht. Langsam wächst der Hochofen und nach einigen weiteren Sitzungen wird er demnächst fertig sein – passend zum 125-jährigen Standortjubiläum von thyssenkrupp in Duisburg.

Für Andreas Krug wird das Projekt „Heimatliebe auf der Haut“ dann aber noch nicht abgeschlossen sein. Die „Brücke der Solidarität“ ist ihm als Rheinhauser wichtig und wird ebenfalls den rechten Arm schmücken. Die Rheinbrücke war im Zuge der Proteste gegen die Schließung des ehemaligen Krupp-Hüttenwerks vor 30 Jahren berühmt geworden. Weitere Motive werden folgen, und auf dem Arm von Andreas Krug ist noch Platz.

Diese Nachricht habe ich von ThyssenKrupp erhalten. Von dort stammen auch ein paar Hintergrundinformationen zum Tattoo.

Hatten Tätowierungen früher den Ruf des Verwegenen und zierten eher die Körper von Seeleuten und „Knastbrüdern“ sind sie heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Spannbreite reicht vom spontanen Urlaubs-Tattoo, das man später schnell wieder loswerden möchte, bis zu hochkomplexen Kunstwerken, die große Teile des Körpers schmücken. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2014 führt aus, das rund neun Prozent der deutschen Bevölkerung tätowiert sind, das sind immerhin sechs Millionen Menschen. Die Kunst des Tätowierens ist alt: Selbst die Gletscher-Mumie Ötzi trug vor über 5.000 Jahren mehrere Zeichen, die mit Nadeln oder durch kleine Einschnitte unter die Haut gebracht worden waren.
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