Trinkhallen und mehr - Fotos zum 1.Tag der Trinkhallen im Museum DKM

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"Trinkhallen und mehr" - Fotografien von Tata Ronkholz im Museum DKM
 
"Trinkhallen und mehr" - Fotografien von Tata Ronkholz im Museum DKM
Duisburg: Museum DKM |

Das Revier liebt seine Trinkhallen...und feiert sie! Das Jahr 2016 wurde zum offiziellen Jahr der Trinkhallen ernannt. Höhepunkt ist der 20. August 2016, der 1.Tag der Trinkhallen mit vielen Aktionen rund um die Büdchen. Aus diesem Anlass zeigt das Museum DKM Fotografien von Tata Ronkholz.

Von 1978 bis 1985 fotografierte Tata Ronkholz die Trinkhallen. Ihr Anliegen war, die für das Ruhrgebiet und das Rheinland so charakteristischen Kioske in ihrer eigenwilligen Gestaltung mit ihrem Warenangebot und ihrer Eingliederung in die umgebende Architektur zu dokumentieren, bevor sie aus dem Straßenbild verschwinden könnten. Sie wollte "... das Büdchen um die Ecke in seiner ganzen Liebenswürdigkeit zeigen", wird sie zitiert.

Schnörkelloser Blick auf die Trinkhalle

Tata Ronkholz ging dabei recht nüchtern ans fotografische Werk. In Zentralperspektive, bei trübem Himmel, meist im Winter aufgenommen, sollte kein blauer Himmel, kein Laub-oder Strauchwerk den Blick auf die menschenleeren Motive verstellen. Die Büdchen nahm sie in Duisburg, Bochum, Oberhausen, Düsseldorf, Neuss, Leverkusen und Köln auf. Meist erkennt man den Standort schon an den angepriesenen lokalen Zeitungen oder Biermarken bevor man die Bildunterschrift überhaupt gelesen hat. Für den Betrachter ist es sicher ein nostalgischer Blick zurück. Einige Zeitschriften oder Zigarettenmarken gibt es heute nicht mehr, die Preise sind noch in D-Mark und... ach ja, so einige Leckereien mag man heute noch. Ob die Büdchen heute noch existieren? Die Besucher können sich eine Liste mit den Adressen der fotografierten Trinkhallen mitnehmen und selber auf die Suche gehen. Eine schöne Idee!

Tata Ronkholz wurde 1940 als Roswitha Tölle in Krefeld geboren. Nach dem Studium der Architektur und Innenarchitektur an der Werkkunstschule Krefeld war sie als freischaffende Produktdesignerin tätig. Ab 1977 nahm sie das Grundstudium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf auf. 1978 trat sie in die Klasse für Fotografie bei Bernd Becher ein. Somit gehörte sie neben Thomas Ruff, Candida Höfer und Thomas Struth zu den ersten Studenten von Bernd Becher. Diese Schule ist ihren Fotografien auf den ersten Blick anzusehen.

Trinkhallen und mehr

Neben der Präsentation der Trinkhallen wird die kleine, aber feine Ausstellung ergänzt durch Fotos von Greiferkörben aus dem Kölner Rheinhafen ebenso sind Werkstore zu sehen und Aufnahmen aus der Dokumentation des Düsseldorfer Rheinhafens. Gemeinsam mit Thomas Struth dokumentierte Tata Ronkholz Ende der 1970er Jahre den vorderen Teil des Düsseldorfer Rheinhafens vor seinem Abriss. 1980 und 1981 nahm sie ohne Thomas Struth Innenaufnahmen der Gebäude im vorderen Teil des Düsseldorfer Hafens auf. Klaus Maas, zusammen mit Dirk Krämer einer der Gründer des Museums DKM, stellte diese Dokumentation bereits 1984 in seiner Moerser Galerie "Linie" aus. Fotografien von Bernd und Hilla Becher sind heute in der ersten Etage des DKM zu sehen.
Tata Ronkholz beendete ihre freie, kreative Arbeit Mitte der 1980er Jahre. Ab dann war sie in einer Kölner Fotoagentur tätig. Sie starb 1997 auf Burg Kendenich bei Köln.

Geschichte der Trinkhallen

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Trinkhallen als Seltersbuden meist vor den Werkstoren der Zechen und Fabriken errichtet, um den Arbeitern Mineralwasser zu verkaufen. Der Konsum von Alkohol sollte somit eingedämmt werden. Oft führten Versehrte und Bergmannswitwen den Verkauf. Eine kleine, bescheidene Existenz war damit möglich, zumal die Schankkonzession nicht so
streng gehandhabt wurde. Die Trinkhallen florierten lange Zeit, sie waren nicht nur Verkaufsstellen sondern auch Treffpunkte des sozialen Miteinanders. Hier spielte sich das Leben in der Straße ab. Der Niedergang der Trinkhallen wurde mit dem Ladenschlussgesetz eingeläutet. Die Supermärkte dürfen länger geöffnet haben, die Tankstellen bieten ein großes Sortiment für die Nahversorgung. Die Trinkhalle ist somit schon fast Kult geworden. Auf jeden Fall ist sie es wert, mal ins Licht gerückt zu werden.

Der 1. Tag der Trinkhallen

Um die Bedeutung der Trinkhall gebührend zu würdigen, haben die Ruhr Tourismus GmbH und der Dortmunder KioskClub den 20. August 2016 zum Tag der Trinkhallen ernannt. Mehr als 150 Buden machen mit. Unter dem Motto " Kumpels, Klümpchen & Kultur" bieten viele Büdchen ihren Kunden etwas besonderes. An 50 ausgewählten Buden gibt es zwischen 16 und 22 Uhr ein Kulturprogramm: Poetry Slam, Literatur, Kabarett, Kleinkunst, Musik von Rock, Pop, Jazz, Klassik und Elektro. Die Bands spielen live, man darf andernorts mitsingen, es ist was los an den Buden! Manche Buden bieten unter dem Titel "Gemischte Tüte" ein Überraschungsprogramm an.

Was ist los im Museum DKM?

Am 1. Tag der Trinkhalle bietet das DKM eine Sonderführung zum Thema Dokumentarfotografie um 15 Uhr an. Vorgestellt und besprochen werden die Arbeiten aus der Sonderausstellung "Trinkhallen und mehr" von Tata Ronkholz (1940-1997) sowie die Fotografien von Albert Renger-Patzsch (1897-1966) sowie Arbeiten von Bernd und Hilla Becher (1934-2007 und 1934-2015). Anmeldung unter 0203/93555470

Die Ausstellung "Trinkhallen und mehr. Tata Ronkholz" läuft bis zum 28.08.2016
Info zum Museum DKM / Ausstellungen hier
Info zum Tag der Trinkhallen hier

Museum DKM
Güntherstrasse 13-15
47051 Duisburg
www.museum-dkm.de

Ich wünsche viel Spaß beim 1. Tag der Trinkhallen!
Hier ein Blick in die Ausstellung:
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1 Kommentar
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Margot Klütsch aus Düsseldorf | 15.08.2016 | 18:08  
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