Ein Wochenende mit "Licht und Schatten" in der Alten Cuesterey

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Das Künstler-Duo Achim Kubiak (li.) und Doris Brändlein (mi.) mit dem Musiker Ulrich Fischer, der am Abend der Vernissage nicht nur am Klavier zu hören war. Foto: Debus-Gohl

Experiment geglückt? Das muss an anderer Stelle entschieden werden. Aber eines steht fest: Die Premiere des neuen Blitzausstellungs-Formats in der Alten Cuesterey in Borbeck kann treffend mit dem Ausstellungstitel vom Wochenende überschrieben werden: "Licht und Schatten" hatten Doris Brändlein (Tonreliefs und Monotypien) und Achim Kubiak (Fotografien in schwarzweiß) ihre Präsentation überschrieben. Und zumindest in Sachen Besucherzahlen gab es von allem ein bisschen.

Zur Eröffnung am Freitag Abend hatten sich mehr als 40 interessierte Kunstfreunde in den Räumlichkeiten Am Weidkamp eingefunden. Angezogen vom Spannungsfeld, in dem sich die beiden so unterschiedlichen Künstler bewegen. "Ton und Fotografie sind auf den ersten Blick zwei Kunstrichtungen, die wenig miteinander verbindet", erklärte Kunsthistorikerin Dr. Hella Nocke-Schrepper dem Premierenpublikum.
Warum es dennoch so gut funktioniert zwischen Brändlein und Kubiak, auch dafür hatte die Expertin eine Erklärung: "Es ist die Neugier auf den anderen, auf die Gemeinsamkeiten und Verwandschaften der Genre, aber auch ihre Unterschiede."

Menschen- und Landschaftsbilder



Menschen- und Landschaftsbilder hatte der Bottroper Fotograf und Buchautor Achim Kubiak für die Gemeinschaftsausstellung in Borbeck ausgesucht. "Er ist ein absolut exakter Beobachter, einer, der einen ganz speziellen Blick entwickelt hat, auf Menschen und Momente", so die Kunsthistorikerin, die den Gästen zudem einen spannenden Überblick über die Geschichte der Fotografie lieferte. Die Entwicklung der Handkamera 1927 sei ein Meilenstein gewesen. "Ohne sie wäre die moderne Street Photography kaum denkbar."

48 Stunden für ein Foto

Bis dato waren Arbeitsprozesse von 48 Stunden an der Tagesordnung, vor Ort musste belichtet und fixiert werden. "Kannst du mal sehen, wie gut du das heute hast", so Dr. Hella Nocke-Schrepper mit einem Augenzwinkern Richtung Kubiak.
Ebenso wie der Bottroper hat auch Doris Brändlein einen besonderen Blick. Ihr Material ist allerdings ein ganz anderes: Ton.

Funktionalität wird systematisch torpediert

"Den verarbeitet sie aber keineswegs so, wie man sich das zwangsläufig vorstellt. Funktionalität wird von ihr systematisch torpediert."" Aus dünnen Tonplatten gestaltet sie ihre Reliefs. Werke mit großem Spannungsfaktor. Der entsteht durch die verlebendigten Oberflächen, die im strikten Gegensatz zu den klaren Formen stehen. Subtile Bewegungsmomente, die eine ganz neue Ton-Erfahrung möglich machen.
"Die beiden interessieren sich für ganz ähnliche Phänomene", weiß Dr. Hella Nocke-Schrepper. "Das Spannende an ihrer Zusammenarbeit sind ihre jeweiligen Blickwinkel. Ein jeder nähert sich der Thematik auf seine ganz persönliche Art und Weise."
Für Brändlein und Kubiak war der künstlerische Wochenend-Ausflug in die Cuesterey eine neue Erfahrung. In den Borbecker Praxisräumen der Bildhauerin haben sie bereits Blitzausstellungen nach ähnlichem Muster organisiert. "Wir waren gespannt, ob so etwas auch im öffentlichen Raum funktioniert", berichtet die Borbeckerin. Die Gefühle nach drei Tagen "Licht und Schatten" sind gemischt. Am Samstag fanden nur wenige Besucher den Weg in die Ausstellungsräume Am Weidkamp, am Sonntag waren es dann trotz des Traumwetters deutlich mehr. Doch ob das Format beim Kultur-Historischen Verein eine Chance erhält, bleibt abzuwarten.
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