Das Ehrenamt: Nadine rettet Tiere

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Shaya ist die „Maulschlinge“ gewöhnt. Sie dient dem Team der Tierrettung Essen zur Eigensicherung. „Denn unter Schmerzen ist die Reaktion auch handzahmer Tiere nie vorherzusehen“, weiß Nadine Vonderhagen. Foto: Winkler
 
Nadine Vonderhagen in Arbeitskleidung mit dem fünfjährigen Husky Shaya, dessen Besitzer ebenfalls zum Tierrettungsteam gehört, und ihrem eigenen Hund, Sheltie-Mix Gizmo. Foto: Winkler
Essen: Dellwig |

Shaya zerrt aufgeregt an der Leine. „Die Uniform ist ein Zeichen für: Es gibt Arbeit!“, grinst Nadine Vonderhagen. An diesem Nachmittag wartet auf den Pet-Trailer-Husky zwar nur ein Fototermin, doch zu tun ist an anderen Tagen noch genug für das Team der Essener Tierrettung.

Nadine Vonderhagen ist seit Mai vergangenen Jahres dabei. „Die Essener Tierrettung gibt es ja erst seit rund einem Jahr“, erzählt sie. Im Radio sei über die damals neue Organisation berichtet worden. „Da bin ich sofort hellhörig geworden.“ Umgehend stellte die Tierliebhaberin ihre Unterlagen zusammen und bewarb sich bei Stephan Witte, dem Gründer. Seither gehört sie fest ins Team.
„Ehrenamt hat schon immer einen wichtigen Teil meines Lebens ausgemacht“, engagiert sich die Dellwigerin seit jeher unentgeltlich, um anderen zu helfen. „Mein Opa bekam bereits den Verdienstorden für seine Arbeit mit Behinderten“, und auch Nadine Vonderhagen selbst arbeitete früh mit einer Gruppe geistig Behinderter zusammen. Für die Jugendgerichtshilfe der AWO betreute sie später Intensivstraftäter. „Da baut man viele Vorurteile ab“, weiß sie aus Erfahrung, nachdem sie anfangs eher skeptisch an die Aufgabe heran ging. Auch als Schöffe ließ sie sich einsetzen, war zudem Volunteer bei Rot-Weiß Essen. Weiterhin übernimmt sie, ihren Mann Andreas unterstützend, Fahrten für den Bürgerbus Haarzopf/Margarethenhöhe/Rüttenscheid.

"Viele Tiere begleitet man auf ihrem letzten Weg"

Die Tierrettung aber, wo ihr Mann widerum technische Arbeiten erledigt, liegt ihr ganz besonders am Herzen. „Auch wenn es manchmal schwer ist, denn viele Tiere begleitet man ja trotz aller Mühen auf ihrem letzten Weg“, muss die erfahrene Ehrenamtlerin, die auch selbst Haustiere hat, auch mit Negativerlebnissen umgehen können. Und dennoch: „Die Dankbarkeit ist mein größter Lohn“, weiß die Essenerin genau, was Tier und Mensch ihr persönlich zurück schenken können. So werden Hunde nach großangelegter Suche in Kooperation mit Stadt, Polizei und Medien zu ihren freudestrahlenden Haltern zurückgeführt. Oder Katzen aus Motorräumen befreit. Erstversorgungen abseits der Öffnungszeiten regulärer Tierärzte wie auch Tiertaxitransporte gehören zum Alltag.
„In der Regel sind es Hunde, Katzen, Nager oder auch Pferde, um die wir uns kümmern“, so Vonderhagen. Darauf seien die Ausbildungen - alle Tierretter haben mindestens in einem Intensivlehrgang den Tierunfallsanitäter abgelegt plus eines Zugangslehrgangs für tierschutzgerechten Transport - auch ausgelegt. Manchmal aber schellt das Notruftelefon auch für ungewöhnlichere Fälle, etwa kränkelnde Reptilien. „Einmal hatten wir eine Kuhgeburt“, erinnert sich Mann Andreas, auch ein Zirkuspferd in einer Bochumer Manege - denn die Einsätze gehen weit über das Essener Gebiet hinaus - habe bereits schon einmal die Hilfe der Tierpfleger benötigt. Man ist auf alles vorbereitet, und im Zweifel kennt man entsprechende Stellen, die zu kontaktieren sind.
„Die Arbeit für die Tierrettung hat mir selbst über schwere Lebensphasen hinweg geholfen; ich brauche das einfach“, kann sich die Ehrenamtlerin ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen. So traf sie 2008 eine schwere Krankheit, welche sie zwang, aus ihrem alten Beruf auszusteigen. „Gelernt habe ich nämlich mal Erzieherin und Krankenschwester.“ Nach einer kaufmännischen Umschulung ist die zweifache Mutter nun als Bürokraft in einem Autohaus beschäftigt. Und auch privat lief nicht immer alles rund. „Mit meinem Vater habe ich kürzlich die dritte mir nahestehende Person in drei Jahren verloren“, ist sie noch sichtbar berührt. Die Kraft, weiterzumachen, zog sie neben ihrer Familie vor allem aus ihrem Ehrenamt. Auch trotz enormen Zeitaufwands.

"Ohne Handy gehe ich nicht ins Bett"

„Ohne Handy gehe ich gar nicht ins Bett“, verbildlicht die 33-Jährige, wie viel Einsatz eigentlich hinter der Tierrettung steckt. Zwölf aktive Ehrenamtler stemmen die gesamte Organisation, unterstützt vom Vorstand und technischer Hilfe. In Zwei-Mann-Teams gilt es, bis zu sechs Einsätze täglich zu bewältigen. „Natürlich gibt es auch ruhige Wochen, über die wir uns alle freuen“, so Vonderhagen, „nicht allein wegen der gewonnenen Freizeit, sondern vor allem, weil dann nichts passiert ist.“ Gearbeitet wird in Schichten. Neben der Öffentlichkeitsarbeit und Verwaltungsaufgaben ist die Dellwigerin für die Pläne zuständig. Und das sei nicht immer einfach, schließlich müssen individuelle Möglichkeiten aller Einsatzkräfte berücksichtigt werden. Darum freut man sich über jede Unterstützung. „Aber wer bei uns anfängt, sollte sich die Zeit für mindestens zwei Schichten wöchentlich plus regelmäßiger Wochenenden schon nehmen“, gibt sie zu bedenken. Volljährigkeit, Führerschein und die Bereitschaft, seine Einsatzkleidung (rund 250 Euro) selbst zu bezahlen, sind zudem zwingende Voraussetzungen.

Tierrettung Essen:
- Die Tierrettung Essen e.V. wurde im Januar 2012 gegründet.
- Die 24-Stunden-Bereitschaft ist erreichbar unter Tel. 0163 / 334 411 4.
- Weitere Infos (auch passive Mitgliedschaft möglich) unter www.tierrettung-essen.de .
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