Früher war mehr Geist und mehr Lametta

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Ob Weihnachten irgendwann auch ganz ohne beleuchteten Baum auskommt? Foto: Winkler

Lilafarbene Glitzerelche und künstliche Lichterketten zieren an Heiligabend unsere Fichten und Tannen. Im Borbecker Erzählcafé aber erinnert man sich noch an ganz andere Zeiten. „Im Krieg haben wir Holzschmuck an einen Besenstiel gehangen.“

Doch schon in den Folgejahren wurden die Weihnachtsdekorationen wieder üppiger, leuchtende Kerzen und reichlich Lametta hingen in den Bäumen. Und auch an den Weihnachtsschmaus erinnern sich die Borbecker der älteren Generation mit knurrenden Mägen zurück. Saftige Orangen, echter Bohnenkaffee und warme Köstlichkeiten wie „Schlesisches Himmelreich“ kamen da auf den Tisch.

Viel mehr aber als leckere Speisen und echtes Kerzenlicht wird der Geist von Weihnachten, werden die Traditionen, vermisst. Statt des mittlerweile üblichen Weihnachtsmannes ist damals selbstverständlich das Christkind zur Bescherung eingeflogen. Die ganze Adventszeit über sammelte man Watte und Federchen für gute Taten in einem Kistchen, um den geflügelten Blondschopf mit dem Heiligenschein auch weich darin zu betten. Vor der großen Geschenkeübergabe stand aber noch etwas anderes Besonderes auf dem Programm: der weihnachtliche Kirchgang! „Wir haben da ja kaum etwas verstanden“, erinnert sich Pastor Klaus Noesges an seine Bubenjahre zurück. Schließlich bestimmte das Lateinische noch einen großen Teil der feierlichen Messe. Doch die besondere Stimmung, die sich damals aus diesem Ritual übertragen habe, sei in vielen Familien längst verloren gegangen. Ebenso wie das Liedgut. Da nicken im Erzählcafé beinahe 50 Köpfe im Gleichklang. Ja, wo wird denn heutzutage noch gesungen? Gemeinsam stimmt man sogleich, ganz in alter Tradition, „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ an. Beim Gedanken an die Krippenszene muss Pastor Noesges gleich wieder herzhaft lachen. „Mit meinem Bruder habe ich mal eine Krippe für meine Mutter gebaut“, berichtet er, doch sei die festlich geplante Übergabe gründlich schief gegangen. In Einzelteilen habe Frau Mama das gute Stück zuletzt erhalten. Immerhin, die Aktion hat der ganzen Familie einen amüsanten Weihnachtsabend bereitet.

Eben solcherlei Weihnachtserinnerungen wünscht man sich auch für die eigenen Kinder, Enkel und Urenkel. Dass das Fest nicht aussterbe, der Weihnachtstern auch zukünftig noch auf dem (echten) Baum prange und in manchem Jahr eine weiße Pracht zur Atmosphäre beitrage. „Leise rieselt der Schnee ...“
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