Hebamme betreut erste Geburt im Geburtshaus am Wolfsbankring

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Helen Schetter (hinten links) im Kreise ihrer Kolleginnen: Elli Conrads, Katja Stöhr, Brigitte Kasperidus, Kerstin Schwarz und Charlotte Joussen. Fotos: Debus-Gohl
 
Charlotte Joussen und Edith mit Louis, der vor drei Monaten im Geburtshaus zur Welt kam.

"Bei uns werden Sie nicht entbunden, hier wird geboren" - unter diesem Motto unterstützen die Hebammen des Geburtshauses am Wolfsbankring in Borbeck jede Gebärende. Bei der Geburt stehen den Eltern zwei Hebammen zur Seite und sorgen dafür, dass der neue Erdenbürger einen guten Start in sein Leben hat.

In der Nacht zum Sonntag war es die kleine Lina Ida, die um 3.18 Uhr geboren wurde. Für Hebamme Hellen Schetter war es die erste Geburt am Wolfsbankring, die sie in Zusammenarbeit mit ihren Kolleginnen Katja Stöhr und Kerstin Schwarz verantwortlich begleitet hat.
Die 23-Jährige hat im April ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und verstärkt seit Anfang Mai das Hebammenteam am Wolfsbankring. „Eine Geburt hier ist ganz anders als eine im Krankenhaus. Die Atmosphäre ist viel familiärer, die Stimmung ruhiger als in der Klinik. Als Hebamme ist man selbst auch viel entspannter, weil man sich auf eine Patientin konzentrieren kann und nicht mehrere Gebärende gleichzeitig betreuen muss, wie das in der Klinik öfter der Fall ist“, erklärt Schetter.

Reines Opa-Interesse

„Auch die anwesenden Väter können die Geburt als Teil des Ganzen erleben und ihren Frauen eine völlig andere Unterstützung sein, eben weil eine Hebamme immer dabei ist“, ist sich die Geburtshelferin sicher.
Trotz der nächtlichen Geburt war am Sonntag früh dann schon das nächste Ereignis angesagt. Ab 11 Uhr luden die Hebammen zu ihrem traditionellen Sommerfest ein. Und viele, ehemalige und zukünftige, Kinder und Eltern sind gekommen, um bei Kaffee, Eis und Kuchen oder einem leckeren Grillwürstchen mitzufeiern.
So auch Christiane Scharenberg mit Simon (9) und Helena (7). „Ich wollte nicht in einem Krankenhaus entbinden und bin froh, dass meine beiden Kinder hier im Geburtshaus zur Welt gekommen sind“, versichert sie.
Auch Christian Schigulski von der Band Saitentwist, der mit Tochter Kathi für die musikalische Unterhaltung der vielen Besucher sorgt, hat ein besonderes Verhältnis zum Geburtshaus. Zwei seiner drei Enkel sind hier geboren, einer war eine Hausgeburt. „Als mein erster Enkel geboren werden sollte, bin ich mit meinem Dienstmotorrad immer wieder am Geburtshaus vorbeigefahren, habe mich aber nicht getraut, hineinzugehen. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, dass alle Mitarbeiter ihre Autos vom Bürgersteig weggesetzt hatten, weil sie an eine Polizeiüberwachung dachten – dabei war das reines Opa-Interesse“, schmunzelt Schigulski.
Seit das Geburtshaus 1998 von den Hebammen Elli Conrads und Brigitte Kasperidus gegründet wurde, haben weit über 900 Babys in seinen Räumen das Licht der Welt erblickt – 15 Jahre am Reuenberg und seit vier Jahren in dem neuen Haus am Wolfsbankring.
„Obwohl wir uns räumlich verkleinert haben, konnten wir doch die meisten Möbel mitnehmen und auch hier eine angenehme, offene und helle Atmosphäre schaffen“, freut sich Elli Conrads und hat gleich noch eine besondere Geschichte parat. „Luna war das erste Kind, das im Juli 1998 im Geburtshaus geboren wurde und vor drei Jahren hat Luna selbst, in derselben Geburtswanne in der sie geboren wurde, ihr eigenes Kind zur Welt gebracht. Wir gehen also schon in die zweite Generation“.

Zukunft steht in den Sternen

Ob allerdings auch in Zukunft eine wohnortnahe, flächendeckende Versorgung mit Hebammenhilfe in Deutschland gewährleistet ist, steht noch in den Sternen. Wegen der enorm gestiegenen geburtshilflichen Haftpflichtprämien sind in den vergangenen Jahren immer mehr freiberufliche Hebammen aus dem Beruf ausgestiegen. 2007 lag die Prämie noch bei 1.587 Euro pro Jahr. Seitdem ist sie um über 300 Prozent angestiegen. Betrug sie im Juli 2016 noch 6.843 Euro steigt sie ab Juli 2017 erneut um über elf Prozent auf dann 7.639 Euro.
Trotz des Sicherstellungszuschlages, der einen Teil der Prämie zu den Hebammen zurückbringt, können die Summen von einer Vielzahl der Geburtshelferinnen nicht mehr erwirtschaftet werden.

Text: Doris Brändlein
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