we:too's out: Borbecker Jugendgruppe feiert Abschied

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Fest im Kalender verankert: Die we:too-Mitglieder Katharina Schigulski und Kenan Yavuz sind zwei der Köpfe hinter der „School's Out“-Party.Foto: Müller/JHE
 
Mann, sind die groß geworden! Am Samstag trifft sich we:too zum Abschied. Foto: JHE

Die Gruppe we:too von Jugendhilfe Essen und Coffee Corner hat dem Bezirk IV ein Jahrzehnt lang ihren Stempel aufgedrückt: Neben der längst überregional bekannten „School's Out“-Party schufen Teenager ehrenamtlich einen Jugendtreff am Borbecker Markt, etablierten Sportangebote und sorgten sogar für die Renovierung eines Bolzplatzes. Heute sind die Mitglieder von we:too erwachsen und kommen am 11. Februar ein letztes Mal zusammen, um sich von Freunden, Unterstützern und Wegbegleitern offiziell zu verabschieden.

Fast zehn Minuten herrscht Stille im Ladenlokal des Borbeck Bürgerservice, nachdem Daniel Dimke, Sozialpädagoge der Jugendhilfe Essen, den Mitgliedern der Jugendgruppe we:too erklärt, dass er die über Jahre eng zusammengewachsene Formation nicht mehr leiten wird. Gegründet wurde we:too bereits 2006, der harte Kern verbrachte mehr als zehn Jahre miteinander: „Für eine Jugendgruppe ist das eine lange Zeit, etwas sehr besonderes“, weiß JHE-Pädagoge Dimke.
Die Jugendhilfe Essen und das Jugendhaus Coffee Corner initiierten we:too damals im Rahmen eines bundesweiten Partizipationsprojekts der Bertelsmann Stiftung: Jugendliche sollten stärker an politischen Prozessen beteiligt werden. Startschuss war die Aktion „Pimp my Stadtteil“, bei der Teenager Ideen zur Verbesserung Borbecks einbringen konnten. In enger Kooperation mit der Bezirksvertretung IV wurden so über die Jahre zahlreiche Projekte umgesetzt: Noch heute freut sich die Schülervertretung der Gesamtschule Borbeck über ihren voll renovierten und ausgestatteten eigenen Raum – ein Zeichen der Wertschätzung für ihren Einsatz! Zudem gab's lange Zeit ein freies Tanz- und Sportangebot an der Wüstenhöferstraße und sogar die Umgestaltung des Bolzplatzes an der Preisstraße – Kostenfaktor: 40.000 Euro! – wurde in Kooperation mit Grün und Gruga von der Jugendgruppe organisiert. Doch solche Erfolge waren für die we:too-Mitglieder nie entscheidend, wichtig war die gemeinsame Zeit miteinander.

Wir bleiben in Kontakt

„Ich bin hier vom Kind zur Erwachsenen geworden“, berichtet Katharina Schigulski, die zusammen mit ihrer besten Freundin Tami Kreimeier von Beginn an Teil der Gruppe war. Die 25-Jährige absolviert inzwischen ihr BWL-Studium, jobbt nebenher in der Ernährungsberatung und hat deshalb nur wenig Zeit, sich weiter für we:too zu engagieren. Ähnlich geht es Kenan Yavuz, der gerade sein Medizinstudium gestartet hat. Yavuz stieß erst im Jahr 2011 über seine Freundin zu we:too, aber auch er ist heute aus der rund zwölfköpfigen Jugendgruppe nicht mehr wegzudenken: „Trotz unserer Grundverschiedenheit hat es einfach funktioniert.“ Herkunft, Schulbildung, Alter oder sexuelle Orientierung spielten keine Rolle.
Feste Termine im Kalender gab es für die Teenager dabei wenige: Alle zwei Wochen traf sich we:too, um verschiedene Veranstaltungen zu planen, wie beispielsweise die mittlerweile über die Grenzen Essens hinaus bekannte School's Out-Party. Ursprünglich als lockere Abwechslung zum Schulausgang geplant, wurde die Fete zum Kultklassiker mit immer neuen Ideen. Im Gedächtnis bleiben nicht nur die von Yavuz für die 2016er-Auflage vorgeschlagenen schwarzen Quietsche-Enten, die zwischen den über 1.000 Besuchern im Nass des Freibad Hesse dümpelten: „Wir sind immer besser geworden, auf der letzten School's Out hat alles gepasst“, resümiert der 22-Jährige. Mehr als 45 verschiedene, teils namhafte Bands, wie 3Plusss, Omas Zwerge oder Roxopolis, heizten im Laufe der Jahre den Besuchern ein. Zusätzlich verbrachten die Jugendlichen jeweils ein Wochenende für ein Planungstreffen in Berlin, Hamburg oder im Sauerland: „Ein Highlight“, werfen sich Yavuz und Schigulski wissende Blicke zu.
Treffpunkt von we:too war zunächst das Coffee Corner und ab 2013 der Bürgerservice an der Borbecker Marktstraße. Die Teenager richteten das kleine Ladenlokal in Eigenregie ein und etablierten einen offenen Jugendtreff. „Ich habe die letzten Wochen viel über die Zeit nachgedacht“, gesteht Schigulski, „und bin glücklich, diese unvergleichlichen Menschen kennengelernt zu haben.“ Ein abruptes Ende wird es nicht geben, denn privaten Kontakt wollen die jungen Erwachsenen im Rahmen ihrer zeitlichen Möglichkeiten weiter pflegen. Fehlende Zeit ist trotzdem nur ein Faktor für die Auflösung we:toos, der eigentliche Grund ist sowieso ein ganz anderer: „Man soll aufhören, wenn's am schönsten ist!“

Auf Wiedersehen!

Am Samstag, 11. Februar, lädt we:too in das Ladenlokal des Bürgerservice, Marktstraße 22, ein, um sich von Freunden, Unterstützern und Wegbegleitern zu verabschieden. Zu Live-Musik und Waffeln darf man von 15 bis 17 Uhr mit der Gruppen noch einmal in Erinnerungen schwelgen.
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