Michael Jansen aus Essen herrscht über ein großes Reich: den Hauptbahnhof Münster

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Mit dem Regionalexpress 2, der stündlich zwischen Münster und Düsseldorf verkehrt, ist der Essener Michael Jansen am meisten unterwegs. Foto: Renate Debus-Gohl
 
Blick von Gleis I auf "seine" Stadt Essen: Peter Jansen ist Bahnhofsmanager in Münster, aber hier Zuhause. Foto: Renate Debus-Gohl
Essen: Hauptbahnhof |

Wer den Mann mit dem Rucksack, dem Laptop oder dem Sportteil der Zeitung im Abteil sieht, mag denken: Das ist einer wie ich, ein ganz normaler Mensch, der mit der Bahn zur Arbeit fährt. Stimmt, Michael Jansen ist ein Berufspendler aus Essen - aber die Bahn ist sein Beruf.

Genauer: Der 54-Jährige ist Bahnhofsmanager. Nicht etwa von einer kleinen Klitsche in der Provinz, sondern Michael Jansen ist der Manager des Hauptbahnhofs Münster.
Wie sieht so ein normaler Arbeitstag aus? Täglich fährt er von Essen-Werden, wo er aufgewachsen ist und mit seiner Familie lebt, über den Hauptbahnhof Essen in sein eigenes Reich, in dem die Züge rollen, nach Münster. "Um 6.54 Uhr starte ich. Ich brauche eine Stunde bis nach Münster." Im HBF Münster gibt es als erstes eine Dienstbesprechung mit denen, die über die Nacht berichten können und denen, für die jetzt die Arbeit beginnt. Bahnhof heißt 24-Stunden-Schicht, aber die wird auf mehrere Schultern in verschiedenen Bereichen aufgeteilt. "Unser Team umfasst 50 Menschen, die zum Service, zur Technik und zum Büro gehören. Mit Wachleuten und Mitarbeitern im Reisedienst, den Pächtern in den Shops, sind es rund 100 Leute."

Was macht eigentlich ein Bahnhofsmanager?

Zu den Aufgaben des Bahnhofsmanagers gehört viel: Sicherstellung des Eisenbahnbetriebes im Bahnhof, Zustand der Bahnsteige, Treppen, Aufzüge und Reinigung sowie die Fahrgastinformation checken. Auf die Frage, was für ihn das Wichtigste sei, antwortet Michael Jansen wie aus der Pistole geschossen: "Die Kunden."
Der Hauptbahnhof Münster ist in Deutschland aktuell einzigartig: Noch nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges wurde an gleicher Stelle ein Bahnhof abgerissen und rundherum neu aufgebaut. Seit mehreren Jahren laufen diese Bauarbeiten - und das bei vollem Fahrbetrieb. Ende Juni wurde die große Neueröffnung gefeiert.

70000 Reisende pro Tag am Hbf Münster

 
Es ist auch ein großer Bahnhof. Jansen erläutert: "Münster ist Kategorie 2. Die Größe wird unter anderem aus der Anzahl der täglichen Fahrgäste und des Zugaufkommens ermittelt." Münster nutzen täglich durchschnittlich 70 000 Reisende und wird von 500 Zügen angefahren. Wie ist das im Vergleich zu Essen? "Der Essener Hauptbahnhof hat doppelt so viele Reisende und Züge wie Münster, Essen gehört zur Kategorie 1."
Aber der Hauptbahnhof Münster ist auch noch in einer Hinsicht bemerkenswert: Zum Bezirk von Michael Jansen gehören auch weitere Bahnhofe, der südlichste ist Recklinghausen-Süd, nach Norden geht es bis Gronau, nahe an die niederländische Grenze.
Auf die Frage, wie man Bahnhofsmanager wird, muss Michael Jansen schmunzeln. "Na ja, studieren kann man das so nicht." Er ist von Hause aus Betriebswirt. "Ich habe bereits vorher viele Jahre für die Deutsche Bahn gearbeitet, war in der Abteilung Controlling in Düsseldorf tätig."

Jansen arbeitet lieber mit Menschen als mit Zahlen

Also ein Mann der Zahlen, jemand, der exakt zu rechnen versteht. Doch Michael Jansen reizte die Veränderung. Als die Stelle des Bahnhofsmanagers von Münster vakant wurde, bewarb er sich darum - erfolgreich. Seit September 2015 macht er diesen neuen und seltenen Job: "Ich liebe meine Arbeit, sie macht mir sehr viel Freude. Denn ich habe es jetzt mit Menschen zu tun, nicht mehr nur mit Zahlen. Meine Arbeit ist spannend."
Auch darum ist Autofahren für ihn Freizeitsache. Zur Arbeit fährt er mit dem Zug, hat selbst täglich Eindrücke von seinem "Reich", denn er fährt von Essen nach Münster über Recklinghausen, Haltern und Dülmen. Würde er auch mit der Bahn in Urlaub fahren? "Das machen meine Frau und ich sehr gerne. Mit dem ,Leonardo da Vinci' nach Südtirol zu fahren ist wunderbar."
Geboren wurde Michael Jansen in Hamburg, aber er wuchs in Essen auf, ging dort zur Schule. Essen ist für ihn Heimat. Als kleiner Junge träumte er übrigens nicht davon, Lokführer zu werden. Michael Jansen: "Ich wäre gerne Pilot geworden."
Aber das ist eine andere Geschichte. Ausblick von Gleis 1 am Hauptbahnhof. Michael Jansen ist schon fast wieder zu Hause. In Essen lebt er, in Münster arbeitet er. 
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Andrè M. Pietroschek aus Essen-Ruhr | 11.09.2017 | 23:16  
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