Neue Lebensphasen

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Auch Erstklässler können diszipliniert zusammen tanzen: Tanzpädagogin Wendy Weldon bringt den Fünf-, Sechs- und Siebenjährigen Körpergefühl nahe. Fotos: Hubernagel
 
Schulleiter zweier großer Essener Grundschulen: Winfried Bega (Schule am Wasserturm) und Felix Busch (Hövelschule) (v.l.).

Anneliese Brost-Stiftung fördert Projekt zur Stärkung von Sozialkompetenzen

Kunst, Bewegung und ein gesundes Miteinander sind wichtig für eine gesunde kindliche Entwicklung. Insbesondere in Übergangsphasen wie von Kindergarten zu Grundschule und später zur weiterführenden Schule profitieren Schüler von sogenannten Schlüsselkompetenzen. Wie solch ein gesunder Übergang in Zeiten von 25-prozentigem Schülerzuwachs in Essen gestaltet werden kann, verdeutlicht ein schulübergreifendes Projekt.

Die Anneliese Brost-Stiftung fördert seit mittlerweile fünfzehn Jahren Projekte, die der Jugend- und Altenhilfe sowie der Kunst und Kultur in Essen zugute kommen. Zusammen mit der Stadt Essen und vier Grundschulen im Stadtgebiet entwickelte der Stiftungsvorstand "Grundschulen stärken Schlüsselkompetenzen", eine dreijährig angesetzte Initiative, bei dem "Kinder auf sozial-emotionaler Ebene gestärkt werden sollen", wie Felix Busch, Schulleiter der Hövelschuhle, betont.
Konkret geschehen soll das durch drei Bereiche: Musik, Kunst und Bewegung, vermittelt durch entsprechende Pädagogen. Hierbei ist jedoch wichtig, dass die drei Förderungsfelder eng miteinander verknüpft sind. So verbindet der tänzerische Bereich von Wendy Weldon spielerisch Sport mit Kunst. Schon die Erstklässler lernen, sich zur Musik zu bewegen. "Wir tanzen viel mit Partnern", erklärt die Tanzpädagogin, "bei Kreis- und Gruppentänzen lernen die Kinder, welcher Körperkontakt angemessen ist und wie sie sich sozial verhalten."

Immer mehr Kinder besuchen keine Kita

Kompetenzen, die doch eigentlich schon im Kindergarten erworben werden müssten? Winfried Bega schüttelt den Kopf. "Es ist ein ganz starker Wandel geschehen", weiß der Schulleiter der Schule am Wasserturm, "die Kinder kommen anders hier an. Eine Kollegin erzählte neulich, sie müsse den Kindern erst einmal zeigen, wie eine Schere funktioniert." Woran liegt das? "Der Übergang zwischen Kindertagesstätte und Grundschule muss wärmer sein", fordert der Essener Geschäftsbereichvorstand für Jugend, Bildung und Soziales Peter Renzel – "sofern die Kinder überhaupt eine Kita besucht haben", wirft Bega ein. Etwa zehn Kinder, die später mit 18 Kindern zusammen eine Klasse bilden, sind nämlich nie in einem Kindergarten gewesen. Gerade für solche "Quereinsteiger" sind Themen wie Konflikt- und Frustbewältigung oder Lernverhalten gänzlich neu.
"Diese Schnittstellen zwischen den einzelnen Lerninstitutionen sind enorm wichtig", so Renzel, "sie markieren richtige Brüche im Leben der Kinder. Den Übergang zwischen Kita und Grundschule kriegen wir schon ganz gut gemeistert (das aktuelle Projekt knüpft an die mehrjährigen Erfahrungen aus dem Projekt "Grundschulkinder besser fördern" an, Anm. d. Red.), jetzt muss auch der Übergang auf die weiterführende Schule gut klappen."
Durchgeführt wird das Projekt an der Schule am Wasserturm, der Grundschule Nordviertel sowie an der Hövel- und Hüttmannschule – alles sehr große Grundschulen in Stadtteilen mit schwachen Sozialstrukturen und durchmischter Schülerschaft, die nach der Schule eher weniger von künstlerischer oder sozialpädagogischer Freizeitgestaltung profitieren. "Wir wollen vor allem die Bereiche fördern, die außerhalb des Schulalltags liegen", betont Werner Meys, Vorstand der Anneliese Brost-Stiftung. "Für die im Lehrerkollegium auch einfach keine Ressourcen zu holen sind", ergänzt Peter Renzel, "die aber ungemein wichtig sind. Über die weitere Schullaufbahn entscheiden oft die ersten Wochen am neuen Ort."

Projektverlauf

Die Projektinhalte sollen in allen vier Jahren der Grundschulzeit integriert werden.
Klasse 1: Konfliktbewältigung, Umgang mit Frustration, Lernverhalten etc. mit zur Hilfenahme von Tanzbewegungen zur eigenen Musik
Klasse 2: Integrieren diese Methoden in den Unterricht (durch Lehrer)
Klasse 3: Theaterpädagogen trainieren rhetorische Fähigkeiten, die die Kinder in der weiterführenden Schule benötigen.
Klasse 4: Bereits erlernte Fördereinheiten (von Klasse 1 bis 4) kommen durch den
Lehrer zum Einsatz, um die Schlüsselkompetenzen zu stabilisieren. Projektverlauf
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